Infantinos Erfolgswelle sind seine Gegner

Wenn zu Ihren schärfsten Kritikern die hier, dazu der greise Sepp Blatter und der britische Premierminister gehören, Letzterer aus dem Land mit der hemmungslosesten Geldscheiss-Profilliga der Welt, in der sich die Investor*inn*en aus Arabien, USA, Russland und China die Türklinken ihrer Londoner Villen in die Hand geben und auf den Rennbahnen über ihre Pferde fachsimpeln – wenn das Ihre Gegner sind, können Sie nicht alles falsch gemacht haben.

Der ARD-Videotext fasst Infantinos aktuelle Pläne zum Verkauf des Fussballs kompakt ab Seite 204 ff. zusammen. In der FAZ findet sich eine dpa/sid-Meldung. Hier berichtet der kicker paywallfrei. Und nah dran an der politischen Wirklichkeit ist mit seiner Einschätzung Volker Schulte/WDR-Sportschau: Warum Infantino mit seinem Coup durchkommen könnte – Der WM-Investoren-Deal könnte Infantinos großer Coup werden, auch mit Blick auf die eigene Zukunft. Es bleiben zwei Hürden – eine ist die US-Justiz.”

Schulte erkennt ansatzweise den Trick Infantinos, den zu verstehen die Euroäper sich in allzu hohen Kultur- und vor allem Ökonomieschranken eingemauert haben. Infantino schenkt es nur tröpfchenweise aus, aber es wirkt: die Gleichbehandlung von Klein und Gross. In der deutschen DFL kennen sie sowas nicht. Durch die Ungleichverteilung der TV-Gelder ist der sportliche Wettbewerb faktisch ausgeschaltet. Der Aufsteiger aus Gelsenkirchen, “Schalke” genannt, stänkert dagegen an. Was glauben Sie, wie weit die damit kommen werden? Dito die Uefa-Champions League: die Sieger werden noch reicher, das Fussvolk staunt und guckt zu.

Niemand in Europa hat die Absicht, diese Ökonomie durch Gerechtigkeit zu ersetzen. Darum kommt Infantino damit durch, und hat sich politisch und ökonomisch bei den Mächtigsten dieser Welt abgesichert.

Die Uefa bangt um die Weltnachfrage nach ihrem Spitzenprodukt, der Champions League. Hier treffen aktuell die besten Fussballmannschaften der Welt aufeinander, in international zusammengestellten Teams, und zwar bei Männern und Frauen. Die TV-Rechte für die nächsten vier Jahre hat sich Paramount gesichert, der Medienkonzern des trumpnahen Ellison-Clans. Wenn die Uefa diese Marktposition gegen den aggressiven Infantino verteidigen will, muss sie dieses Premiumprodukt des Entertainment dieser Welt für andere Kontinente öffnen.

Wenn ich, nur mal so als Beispiel, ein indischer oder chinesischer Milliarden-Oligarch wäre, oder ein hoher karrieregeiler Funktionär der Kommunistischen Partei der Volksrepublik China, dann würde ich dieses Geschehen sehr aufmerksam beobachten, und mir professionelle Beratung organisieren (nein nicht mich, aus dem Alter bin ich raus).

Ich hingegen würde Infantinos Frisör um Kommentierung bitten. Oder kommt Tom Theunissen mit dem schreiben nicht mehr hinterher?

Über Martin Böttger:

Avatar-FotoMartin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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