Der Fifa-Konflikt verrät viel über das Stadium des Kapitalismus
Es geht nicht um Gut und Böse. Es geht “nur” um den Kampf um Marktanteile. Die Gefahr: er kann kriegerisch und mörderisch werden, in Teilen der Welt ist er es schon. Die ungeklärte Frage ist: warum sind all die Herrschenden und Mächtigen immer unfähiger, miteinander zu kommunizieren und Kompromisse zu finden?
Die Weisheit des bösen fussballfeindlichen Teufels und Jüngers des Donald Trump, Gianni Infantino, äusserte sich heute Nacht darin, dass er versucht, den geordneten Rückzug anzutreten. Wie wenig die politischen Probleme damit gelöst sind, zeigt sich daran, dass – vom Kicker ungenannte Uefa-Funktionäre – als Gegenkandidaten den Spross eines ausgewachsenen arabischen Feudal-Clans als Gegenkandidaten “aufbauen” wollen. In diesem Szenario könnte dann der Todesstrafen- und Knochensäge-Weltmeister sowie Trump-Finanzierer Mohammed Bin Salman ja gleich persönlich gegen seinen katarischen Rivalen ins Rennen gehen.
Wie unrettbar vergammelt dieses Milieu der Feudaldiktaturen im Führungsapparat des Weltfussballs ist, hat noch vor wenigen Stunden – bevor Infantino seinen Rückzug antrat – DLF-Redakteur Maximilian Rieger absolut angemessen analysiert. Und es ist sogar nachlesbar – beim DLF, der für seine Diener gegenüber den Zeitungsmilliardär*inn*en berüchtigt ist:
“UEFA versus FIFA: Wie die Investorenpläne von Infantino den Weltfußball erschüttern – Die FIFA will die Fußball-WM privatisieren und teilweise an Investoren verkaufen. Die europäischen Verbände reagieren darauf mit einer Boykott-Ankündigung. Eine Zäsur im Weltfußball.”
Rieger ist nicht blind: “Allerdings passt diese Rhetorik nicht zum Verhalten der UEFA in den vergangenen Jahrzehnten. Denn der europäische Spitzenfußball hat in den vergangenen Jahren die Kommerzialisierung stark vorangetrieben. Die spanische und französische Liga haben zum Beispiel ein Investorenmodell umgesetzt, das Infantinos Plänen ähnelt.”
Und die deutsche DFL sowieso. Fussballjournalismus? Geht doch.
Uli Hoeness und Aki Watzke sind nicht die Lösung. So wenig wie Friedrich Merz und Markus Söder. Sie sind alle Teil des Problems.
Gefangene der Algorithmen
An diesem der Weltmedienöffentlichkeit so spektakulär präsentierten Konflikt der herrschenden Klassen wird deutlich, wie nicht nur unsere von Beschützerreflexen belästigten Kinder, sondern auch die hohen Tiere da oben, zu Gefangenen des 1-0-Gegensatzes digitaler Kommunikation geworden sind. Einen Raum zwischen der 1 und der 0 können sie immer weniger identifizieren und definieren. Denn das wäre die Kunst menschlicher Kommunikation und Diplomatie.
In der guten alten Zeit hatte mann Zeit, vor dem Griff zum Telefonhörer in Ruhe zu überlegen, was mann dem Gegenüber sagen oder gar vorschlagen will. Mitunter wurde es sogar in hochqualifizierten Berater*innen*stäben zuvor gründlich erörtert. Auch ohne das bestand mehr Zeit dafür, was in die Schreibmaschine gehauen, und danach tatsächlich auf den Kopierer gelegt oder in den Postversand gegeben wurde. Es waren Zeiträume für kluge Gedanken. Wie lassen sie sich zurückgewinnen? Um des Friedens Willen. Oder wenigstens zur Vermeidung von Kriegen.

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