Wundersame Bahn CCLVI

“3 Stunden” sollen die – potenziell 26 Mitglieder – des Aufsichtsrates der Stadtwerke Bonn (SWB) und ihrer Abteilung “Bus & Bahn” gestern miteinander zugebracht haben. Ich kenne fünf von ihnen persönlich, und mutmasse, dass mindestens die das als Strafe empfunden haben. Aber niemand hat sie gezwungen. Und ich hoffe sehr, dass sie für die “Geduld” ihres Aufsichtsratsvorsitzenden sehr anstrengend waren. Ich weiss, dass die das können, wenn sie es wollen. Telefoniert haben wir nicht – ich spekuliere nur.

In unserer bürgerlichen Demokratie ist die Übernahme von Wahlämtern und Mandaten komplett freiwillig. Es handelt sich in der Regel um anstrengende Jobs. Wenn mann und frau sie ernsthaft ausüben und nicht nur absitzen will.

Wenn dann also die “Geduld” beim ausüben von Aufsicht und Kontrolle eines wichtigen städtischen Unternehmens, “aufgebraucht” ist, wenn der Job nicht mehr ausgeübt werden kann, sondern damit ein mutmasslich nicht sehr preisgünstiger global aufgestellter Rechtsberatungskonzern beauftragt werden muss, weil mann und frau den Job selbst nicht mehr schafft – was bleibt dann noch?

In einer bürgerlichen Demokratie rate ich zum Rücktritt, Mandat freimachen für Besserqualifizierte. Das müssen keineswegs kommunalpolitische Amateur*inn*e*n sein. Der Stadtrat darf dafür auch Profis wählen. Wenn er welche findet. Findet er selbstverständlich nur, wenn er auch nach welchen sucht.

Anders als in der Kommunistischen Partei Chinas, die gelegentlich ihre (mutmasslich!) kriminell gewordenen Funktionär*inn*e*n zur “Selbstkritik” nötigt, ist diese in unserer bürgerlichen Demokratie nicht gesetzlich vorgeschrieben. Und entsprechend selten.

Über Martin Böttger:

Avatar-FotoMartin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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