„Jürgen Klopp ist der perfekte Trainer für die Mission Wiederaufbau. Der 59-Jährige ist ein Coach von Weltformat, der die Kunst der Psychologie wie kaum ein anderer beherrscht. Mentalität, Zusammenhalt, maximaler Fokus – dafür wird der Motivator sorgen. Nicht nur beim Verband, in der Liga und in Spielerkreisen genießt er riesiges Vertrauen, sondern vor allem auch bei den Fans – ein unbezahlbarer Startvorteil, den der von Beginn an umstrittene Nagelsmann nie hatte. Sollte Klopp dann auch noch bei der Personalauswahl richtig liegen, wird der Bundesadler bald wieder zu neuen Höhenflügen ansetzen“ – so filosofiert die “Ludwigsburger Kreiszeitung”, wenn ich dem DLF glauben darf. Amen.
Was dort gebetet wird, ist, was die Oligarchen im Fussballlkonzern aus dem westfälischen Raum als auch die vom DFB an dem Mann so lieben. Für die Fussballlehre hat er seine Leute. Aber für das Medien-um-den-Finger-wickeln, für das Entertainen der real existierenden Aufmerksamkeitsökonomie gibt es keinen Besseren. In den Städten seines Schaffens Mainz, Dortmund und Liverpool wäre er umstandslos zum Oberbürgermeister gewählt worden. Wenn er gewollt hätte.
Doch der Job hat ihn ausgeleert. An jedem dieser Orte. Als er den BVB 2015 auf den letzten Tabellenplatz geführt hatte, entstand die Theorie der 7-Jahre-Zyklen seiner Motivationskünste. Wenn seine Methode für intelligente Spieler durchsichtig wurde, verlor sie an Kraft. In Liverpool dauerte es 9 Jahre bis er selbst (laut Wikipedia) erklärte: “I am running out of energy. I know that I cannot do the job again and again and again and again.”
Hier hatte ich schon beschrieben, wie der Red-Bull-Konzern und Klopp selbst dem DFB seinen Vertrag diktierten. Zu diesem Diktat gehört nicht nur sein komfortables Gehalt, sondern auch ein umfangreicher nicht billiger weil hochqualifizierter Personalstab; sogar sein Berater erhält eine DFB-Anstellung. Interessenkonflikte? Aber doch nicht im Fussball 😉
Das Business weiss davon. Dem Sport dient das so wenig wie die Fifa. Aber ich gehöre keinem Fussballverein an, also auch nicht dem DFB. Sollen sich doch seine Beitragszahler*innen darüber ärgern …
Es ist auch nicht Klopp, über den ich mich ärgere. Der geht seinen Interessen nach, wie es im Kapitalismus üblich, ja sogar vorgeschrieben ist. Ich rege mich darüber auf, dass sich nicht nur die Ludwigsburger Kreiszeitung, sondern weit professionellere Massenmedien vor dieser Inszenierung auf den Rücken legen. Damit dokumentieren sie, dass sie sich einen Scheiss für den Sport interessieren. It’s the economy, stupid!
Nur Fussball?
Von wegen! Ex-Beuelerin Annika Schneider/uebermedien ist jetzt paywallfrei, und siehe, es stimmt immer noch:
“Sommerpressekonferenz mit Kanzler Merz: Viele Journalisten, wenig Journalismus – Obwohl es kaum etwas zu berichten gab, haben wieder alle drüber berichtet: die Sommerpressekonferenz mit Kanzler Merz. Mit kritischem Journalismus hat das jährliche Ritual wenig zu tun. Presse und Politik nutzen es für die Selbstinszenierung.”

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