Mit seiner Dramaturgie und Erzählweise fremdelte ich von Jugend an. Respekt hatte ich, weil er vor den Nazis ins Exil floh. Meine Projektion auf ihn: ein Verrückter, im ambivalenten Sinne, wie so viele “geniale” Künstler*innen. Ich kann mich an keinen Film von ihm erinnern, für den ich schwärmte. Aber an einen, in dem er auftritt: Godards “Le Mépris”. Mitsamt einer legendär-analytischen mehrteiligen Rezension von Hans Schmid/telepolis.

Nun war 50. Todestag von Fritz Lang. Und “alle” Profimedien müssen mehr oder weniger qualifiziert an ihn erinnern, weil er eine wichtige Figur der Filmgeschichte war. Mit hellen und dunklen Seiten, wie sie einerseits jeder Mensch hat, nur dass das alles bei ihm ziemlich radikal ausgefallen ist.

Das verdeutlicht Felix Bartels/Junge Welt recht ausdrucksstark, und alle Widersprüchlichkeiten klar benennend: Der Wiedergeborene: Zum 50. Todestag des Filmregisseurs Fritz Lang – Er musste zweimal sterben, um dreimal leben zu können, ehe der echte Tod ihn fand. In 46 Spielfilmen zwischen 1916 und 1960 führte Fritz Lang Regie, bei 17 davon war er am Drehbuch beteiligt, am Ende seiner Karriere drehte er noch einen Film – in einem anderen. Gestorben ist der Künstler einmal um 1931, als der Stummfilm durch den Tonfilm abgelöst wurde, und ein weiteres Mal um 1936, als er sich im Exil auf die Gesetze Hollywoods einlassen musste.”

Nach “Le Mépris” wäre ich dem Mann gerne mal begegnet. Nach Bartels Geschichtsschreibung sind mir daran massive Zweifel gekommen. Aber das ist subjektiv. Lesen Sie selbst, und machen Sie schnell. Denn bei der “linksradikalen” Jungen Welt verschwinden alle Texte nach einigen Tagen in einem Paywallarchiv.

Über Martin Böttger:

Avatar-FotoMartin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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