Beueler-Extradienst

Meldungen und Meinungen aus Beuel und der Welt

Schlagwort: Kolkata

Fluch und Segen

Die indische Toleranz

Auf der obersten Liege mir gegenüber schnarcht ein Korpulenter, als könnte er sich nur dabei ausleben. Die Reisenachbarn auf den mittleren Liegen schauen mit voller Lautstärke Hindi Action-Filme: Entweder es gibt Gefechte mit Maschinengewähren, Massenschlägereien oder die Liebe wird feierlich besungen. Die Mutter auf der untersten Liege stellt ihr Kleinkind mit einer indischen Variante eines Zeichentrickfilms ruhig – ebenfalls mit voller Lautstärke, ansonsten schreit das Kind. Die beiden jungen Menschen, auf den Liegen am Gang, haben Besuch von 8 Freunden und Freundinnen: Das wird lauthals kreischend gefeiert. Weiterlesen

Kolkata

Vom Museum zur Smart-City in den Selbstmord

Die Großstadt Kolkata ist ein lebendes Museum mit 5 Millionen „Schauspielern“, die Indien vor 100 Jahren nachstellen. Doch anstatt dies zu nutzen, zerstören die politischen Verantwortlichen im Wachstumswahn die Zukunft von 16 Millionen Menschen.

Für Gäste, die Kolkata aus der Luft erreichen, kommt die erste Überraschung schon beim Landeanflug, wie mir eine Dame vor einer Woche aufgeregt mitteilte: „Dann tauchte doch wirklich ein Berg aus dem Nebel auf“. Weiterlesen

Indien erwacht ganz langsam

Selbst bisher Modi-treue Medienmacher sprechen aus, was die Bevölkerung vom angeblichen Wachstum hat: Vergiftetes Wasser, eine kaputte Infrastruktur und Affen im Sportstadion. Nun gibt es ein Handelsabkommen mit der EU und damit kommt noch mehr Umweltzerstörung.

Vorgestern kam ich aus New Town zurück – ein Teil der letzten Hoffnung Indiens. Es ist eine der sogenannten grünen Smart Citys im Großraum der 16 Millionen Einwohner Metropole Kolkatas. Entworfen am Reißbrett mit ausgiebigen Grünflächen und breiten Bürgersteigen. Mit nachhaltiger Wasserinfrastruktur. Der Strom wird aus erneuerbaren Energien gewonnen. Dazu soll New Town alles andere bieten, was eine nachhaltige, lebenswerte Stadt haben sollte. Weiterlesen

Die „Großen“ nutzen die „Kleinen“ als Klopapier

Im kleinen Bangladesch ist zu sehen, woran die Erde krankt: Egal ob Chinesen, Inder, Japaner, Russen oder Deutsche – alle machen des Profits wegen mit, die Zukunft eines Landes zu zerstören. 

90 Km östlich von Kolkata hat die indische Regierung dem Bundesstaat West Bengalen eine etwa 500 Meter lange Halle in den Wald geknallt. Direkt neben der Grand Trunk Road die mit riesigen Banyan Bäumen gesäumt ist.  Die Innenausstattung der Halle gleicht dem des Einreisebereichs des internationalen Flughafens in New Delhi. Mit dem Ausreisestempel aus der Halle kommend wird der Reisende gezwungen, die letzten 100 Meter mit einem Elektromobil bis an den Grenzzaun gefahren zu werden. Es fehlt nur noch, dass der Fahrer ausruft: „Schaut her Bangladesch, wir sind das große Indien.“ Weiterlesen

Dreckiges Leder für Deutschland

Im ost-indischen Kolkata wird Leder unter schlimmen Bedingungen für Mensch und Umwelt gegerbt. Deutsche Unternehmen sind die zweitgrößten Einkäufer, weil das Leder aus diesem Grund billig ist.

Weit über mir fliegt ein Zug Wildvögel und erinnert daran, dass ich mich in den östlichen Feuchtgebieten Kolkatas befinde. Seit 2002 sind sie durch die internationale Ramsar-Konvention geschützt. Die Männer auf den Bänken neben mir, in ihren verdreckten Hosen und Lungis (Wickelrock), albern miteinander herum, in diesem für Bengalen typisch lauten Tonfall, als wollten sie die 15,8 Millionen Bewohner im 20 Km entfernten Kolkata an den Gesprächen teilhaben lassen. Weiterlesen

Die Teestand-Philosophen von Rishikesh

Immer mehr junge Menschen in Indien merken was gespielt wird – daheim und auf der Welt. Sie weigern sich weiter mitzumachen. Doch das Ende ihrer Zufluchtsorte naht.

Gestern war Lionel Messi im Salt Lake Stadion in Kolkata (früher Kalkutta). Doch weil unsere Politiker mit ihm andauernd Selfies machten, konnten die 60.000 Zuschauern ihn nicht sehen – die haben 5000 bis 16.000 Rupien bezahlt (etwa 50 bis 160 Euro). Da haben unsere feurigen West Bengalen vor Wut das halbe Stadion zerlegt“, sagt der 30-jährige, ehemaliger Informatiker Saga an einem Teestand auf der Basarstraße in Laxman Jhula/Rishikesh. Die anderen morgendlichen Teeliebhaber lachen. Weiterlesen

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