Wie schlecht wir aktuell regiert werden, beschreibt und analysiert Stefan Reinecke/taz: “Reformpaket der Bundesregierung: Friede den Palästen, Krieg den Hütten – Das Reformpaket stützt die Reichen und nimmt von den Armen. Solche Reformen verschärfen die soziale Spaltung, statt sie zu kitten.” Neben dem Versuch, die Immobilienspekulation gegen Vergesellschaftung zu retten, gehört auch das Schleifen der Informationsfreiheit zu den Verzweiflungstaten dieser Deppen:
Falk Steiner/heise: “IFG: Ehemalige Bundesbeauftragte halten Koalitionsbeschlüsse für ‘verheerend’ – In einer gemeinsamen Stellungnahme erheben Peter Schaar und Ulrich Kelber schwere Vorwürfe gegen die Koalition aus CDU, CSU und SPD.”
Die Graz-Alternative
Das schöne Graz ist die zweitgrösste Stadt unseres Nachbar-Zwergstaates Österreich, ungefähr so gross wie Bonn. Was machen die dortigen Kommunist*inn*en besser, als es fünf Jahre lang die Bonner Grünen gemacht haben, und heute überwiegend immer noch machen?
Hier werden Anhaltspunkte geliefert:
Magdalena Berger (Interview)/Jacobin: “Wie die KPÖ das rote Graz verteidigt hat – Mit 35,7 Prozent hat die KPÖ ihren Grazer Erdrutschsieg von 2021 noch überboten. Stadtrat Robert Krotzer erklärt, warum die Partei trotz Dauerbeschuss aus Medien und Wirtschaft wächst – und wo die Grenzen kommunaler Politik liegen.”
Zwei handwerkliche, also vollkommen vergleichbare Punkte möchte ich hervorheben.
“Wir haben neben unseren Online-Kanälen mit dem Stadtblatt etwa eine Zeitung, die fünfmal im Jahr an alle Grazer Haushalte geht.”
So eine Zeitung hatten die Bonner Grünen auch. Sie war im vorigen Jahrhundert von dem Beueler Georg Abel unter dem Titel “bonn 3” erfunden und später von Karl Uckermann, mit meiner tatkräftigen Hilfe auf ganz Bonn ausgedehnt worden. Irgendwann im neuen Jahrtausend war eine Mehrheit des Kreisvorstandes der Bonner Grünen der Meinung, im Zeitalter der Digitalisierung sei Druck und Vertrieb einer Papierzeitung zu wenig effektiv. Und stellte sie ein. Auf ein in der Wirkung vergleichbares “digitales” Medium wartet die Bonner Stadtöffentlichkeit bis heute. Sein Fehlen dürfte ein entscheidender Faktor für die Wahlniederlage bei der Kommunalwahl im vorigen Jahr gewesen sein. Wir warten weiter.
Eine weitere Schlüsselpassage des Grazer Interviews lautet gegen Ende des Textes:
“Was uns dabei trägt, ist die Art, wie wir als Partei aufgestellt sind. Wir pflegen einen freundschaftlichen Umgang miteinander – oder, wie es mitunter genannt wird, eine revolutionäre Freundlichkeit. Ich kann nicht für bessere Lebensverhältnisse und ein besseres Miteinander eintreten und gleichzeitig in meiner eigenen Organisation und Partei eine Kultur haben, in der sich die Leute gegenseitig fertigmachen.”
Ich höre aus Funktionär*inn*enkreisen, dass die Unsitte der “digitalen” Videokonferenzen – lange Jahre nach Ende der coronabedingten Lockdowns – bis heute die Alltagspraxis bestimmt und persönliche Kommunikation und Umgang weitgehend ersetzt – weil es so schön billig und zeitsparend ist. Ein verheerender Fehler, der die soziale Verankerung der Verantwortlichen, ihre Erfahrungswelt in der real existierenden Stadtgesellschaft in einer Weise unterspült, wie es die Ahrflut 2021 mit Städten, Dörfern, Häusern und Menschen getan hat. Es führt zu einem Verlust sozialer Fähigkeiten und Talente, die gar keinen Platz zur Einübung, Schulung und Verbesserung mehr finden. Und das funktioniert bei Erwachsenen so schlecht, wie bei den Kindern. So kann mann Niederlagen auch organisieren.
Die Konkurrenz macht es genauso? Das erklärt vieles am Zustand der bürgerlichen Demokratie.
Alternative zu schlechtem Fussballjournalismus
Es geht kritischer und besser als bei denen, die (noch) Geld dafür kriegen.
Gastautor Jahn/schwatzgelb: “DFB sucht einen neuen Trainer: Es kann nur Jürgen Klopp werden? – Jürgen Klopp soll neuer Trainer der deutschen Nationalmannschaft werden. Doch ist diese Wahl wirklich alternativlos?”
Alternative zu schlechtem TV: CopStories aus Wien
Aus Österreich: “Cop Stories: Der Polizeialltag von seiner menschlichen Seite ins Visier genommen: authentisch, konfrontierend, humorvoll. – Schauplatz ist ein Wiener Kommissariat im Herzen Ottakrings, einem Viertel, in dem Alt und Jung, Eingesessene und Zugewanderte, Yuppies und Arbeitslose mehr oder weniger Tür an Tür leben und ein konfliktreiches Zusammenleben damit nicht selten bereits garantiert ist.” Verfügbar bis 8.10., immer erst ab 20 h (“FSK 12”).
Das ist besseres TV und erinnert an den vom ZDF vermüllten, dramaturgisch geradezu genialen “KDD-Kriminaldauerdienst”, den der Kölner Orkun Ertener 2007-10 entwickelt hatte. Ich habe den guten Mann damals für den Freitag interviewt, aber das hat der Millionenerbe Jakob Augstein ohne meine Zustimmung digital einmauern lassen. Dann gucken Sie halt die CopStories …

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