Beueler-Extradienst

Meldungen und Meinungen aus Beuel und der Welt

Kategorie: Medien (Seite 86 von 281)

Ein gelungener Coup

Die Champions League der Uefa überrascht mit vielen Angeboten zur Schadenfreude über die Superreichen

Einleitend muss ich bekennen, dass die europäische Mafiaorganisation Uefa bei mir schon sehr, sehr lange ausgeschissen hat. Für mich regieren dort die Todfeinde des Fussballs, die seine Unberechenbarkeit durch Planungssicherheit für grosses und sehr grosses Kapital ersetzen wollen. Und das weitgehend bereits geschafft haben. Dem diente auch die jüngste Reform der Champions League, deren Gruppenphase im alten System gähnende Langeweile produziert hatte und kaum noch teuer an die dummen Medien vermarktbar war – nur noch an die sehr Dummen. Weiterlesen

Wie verkommen?

Die sog. Talkshow „Maischberger“ (WDR)

Gestern hat die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe eine terroristische Vereinigung der rechtsextremistischen Szene in einer großangelegten Razzia ausgehoben. In Sachsen wollten die schwer bewaffneten und an Kriegswaffen ausgebildeten Terrorgruppen das Land „befreien“ und einen nationalsozialistischen Staat errichten. Drei hohe Funktionäre der „Jungen Alternative“ und der „AfD“, darunter ein Kommunalpolitiker, gehören dieser Terrororganisation an und befinden sich in Haft. Das könnte Zweifel wecken, inwieweit die AfD in terroristische Organisationen verstrickt sein könnte oder zumindest ihr Verhältnis zum Rechtsterroristen klären muss. Weiterlesen

Kapitalismus dreht frei

Das kriminelle Wettgeschäft – darauf ist wahrscheinlich sogar Donald Trump neidisch

Nach deren Pfeife tanzt der Profifussball (der Herren), und die zahlenden eingebetteten Medien tanzen mit. Sie bringen immer neue Geschäftsmodelle hervor. Investoren kaufen verschuldeten Wettern, die sich teure Jurist*inn*en nicht leisten können, zum Billigtarif ihre Forderungen ab, und beschäftigen in den darauf folgenden Prozessen den Rechtsstaat. Was macht eigentlich die bei der Legalisierung der Sportwetten unter den deutschen Bundesländern federführende Staatskanzlei Schleswig-Holstein so den ganzen Tag? Weiterlesen

Die Rache der Männer ist fürchterlich

Arte porträtierte kürzlich Taylor Swift, den angeblich derzeit einflussreichsten Popstar. Während Mrs. Swift sich klar gegen Trump positionierte, bekennt sich ihr erster Förderer Steve Migliore klar zu ihm. Im Swingstate Pennsylvania. Die „Swifties“ in ihrer aggressionsfreien Begeisterung, ihrem Empowerment, das ans Bekifftsein erinnert, sind irgendwie süss. Aber nichts, dem ein erfahrener Mann die Macht überlassen kann, und vor allem will. Das musste schon die weit härtere feministische Bewegung in Argentinien erfahren. Weiterlesen

Trumps Erfolgsrezept

Mit minimalen medienkritischen Fähigkeiten ist es nicht schwer zu entschlüsseln

Telepolis (unter dem Dach der Heise-Gruppe) war unter der Chefredaktion von Florian Rötzer (1996-2020) ein onlinejournalistisches Vorbild an Meinungs- und Themenvielfalt. Unter seinem Nachfolger Harald Neuber, dem auch verbessernde Neuerungen gelangen, hat sich das unterm Strich leider nicht fortgesetzt. Noch weniger gilt das für Rötzers neue Wirkungsstätte overton (unter dem Dach des Westendverlages), wo nicht Rötzer persönlich, aber eine Mehrheit von Autor*inn*en, eine BSW-Begleitmusik pflegt, wie sie nur von den nachdenkseiten noch übertroffen wird. Jede*r, wie sie*er will … Doch seine intellektuellen Fähigkeiten hat Rötzer dort zum Glück nicht an der Garderobe abgegeben. Weiterlesen

manu skriptum

Die Interdependenz zwischen der zunehmenden Anwendung digitaler Informationsquellen und der Leistungsfähigkeit von Gedächtnis und Erinnerung der Menschen ist inzwischen unstrittig. Die Digitalisierung beeinträchtigt das Gedächtnis, weil dieses nicht mehr wie bislang gefordert und trainiert wird.  (Gedächtnisschwäche. Beueler Extradienst vom 10.6.2024) Zudem gibt es zunehmende Hinweise aus der Wissenschaft, dass es auch eine Interdependenz zwischen dem menschlichen Orientierungssinn und der Nutzung von Navigationsgeräten gibt. Weiterlesen

Zu billig

Wasser in den 3sat-Wein

Teile der Öffentlichkeit haben sich zuletzt gegenüber den weitgehend inkompetenten Ministerpräsident*inn*en der Bundesländer (darunter drei Bürgermeister*innen und das noch kleinere Saarland) kräftig für das Programm des deutsch-österreichisch-schweizerischen TV-Kanals 3sat stark gemacht. Jede*r, wie sie*er will. 3sat hat sich vergangene Woche ausführlicher mit diversen Aspekten der KI („Künstliche Idiotie“, „Artificial Intelligence“/AI) beschäftigt. Nicht immer ist das gut gelungen. Weiterlesen

Die Dürre kommt näher

In Frankreich und Österreich ist sie schon

Haha, ja, auch hier in Beuel war und ist die Vegetation so grün, wie sie grüner nicht sein kann. Anders als die Mehrheit habe ich im abgelaufenen Sommer sehr gerne auf jede Hitzewelle verzichtet – nie gab es Planungssicherheit für Gartenpartys. Das sicherte bessere Nachtruhe, wie es das weitgehende Ausbleiben tropischer Nächte getan hat. Und schauen Sie nur der Dürremonitor: total harmlos. Nur ganz im Osten ist der Wasserverbrauch der dreckigen Braunkohleindustrie immer noch nicht zu leugnen. Hiermit störe ich Ihre Gemütsruhe. Weiterlesen

Humorlos

In der EU-Kommission lachen sie über „Corona-Aufarbeitung“ – so laut, dass Profihumoristen ihren Humor verlieren

Angela Merkel wird unbemerkt von der Öffentlichkeit in sich hineinschmunzeln, und zufrieden mit sich sein, dass sie „das“ hinter sich hat. Drei humorlose alte weisse Männer regen sich über die deutsche Adelige aus dem von-der-Leyen-Clan auf. Michael Maier/Berliner Zeitung bringt eine Story mit seinen Buddies Fabio de Masi und Martin Sonneborn: „Pfizer-Deal: Ursula von der Leyen verweigert EU-Parlament Auskunft – Die EU-Kommission geht gegen zwei Urteile in Berufung, die Ursula von der Leyen zu mehr Transparenz gezwungen hätten. Die Opposition im EU-Parlament ist empört.“ Weiterlesen

Öffentlichkeit ohne Journalismus?

Rollenverschiebungen im lokalen Raum – Kurzfassung der Studie
Auf einen Blick

– Die lokale Öffentlichkeit wandert in neue Hände: Die Presse ist kein Gatekeeper mehr, da die Organisationen digital, vor allem per Social Media, zunehmend eigenständiger kommunizieren.

– Ein weiterer Grund für diese Entwicklung: Lokale Akteure fühlen sich von der Presse häufig nicht mehr ausreichend wahrgenommen.

– Die lokale Presse bleibt dennoch Ansprechpartner für die lokale Öffentlichkeitsarbeit: Als Kooperationspartner, als Garant für überprüfte Informationen und um weniger digital ausgerichtete Zielgruppen zu erreichen. Weiterlesen

Bis zum letzten Ukrainer

„New York Times“: Kämpfen bis zum letzten Ukrainer – Über Geheimes im ukrainischen „Siegesplan“, diese „Drecks-Nordkoreaner“ und wer Verhandlungen zum Entgleisen bringt

Ein NYT-Artikel befasste sich mit der Frage, was die Ukraine mit dem „Siegesplan“ bezweckt. Braucht Selenskyj eine Berufungsgrundlage gegenüber dem eigenen Volk, dass er alles versuchte, um eine militärische Niederlage der Ukraine abzuwenden? Will er mangelnde Unterstützung des Westens geltend machen, wenn alles in Scherben fällt? Weiterlesen

Insult-Comedy

Ganz Smooth in die Fascho-Denke

Der „Beleidigungskünstler“ Tony Hinchcliffe, der mit seinem Auftritt bei Trumps Wahlkampfveranstaltung in New York für einiges Aufsehen sorgte, zeigt, wie eine lässige und „coole“ Faschisierung auf den Weg kommt. Die unterste Schublade des Rassismus nicht wutschnaubend herausgebrüllt, sondern dem Publikum in scheinbaren Zufallssätzen und Versprechern schmackhaft gemacht. Gute Analyse dieser Art des „Humors“, von dem erste Ausläufer auch schon in der deutschen Comedy-Welt angekommen sind, heute in der SZ (Paywall).

Zweierlei Erinnerung

Der Überfall der Deutschen auf Kreta 1941 – Vom Umgang mit der Vergangenheit in der griechischen und deutschen Erinnerungskultur – aus Anlass eines aktuellen Staatsbesuches

Lassen Sie mich beginnen mit einem Zitat aus einem in den ersten Nachkriegsjahren auch von den ersten Griechenlandtouristen viel gelesenen Buch.  Anlässlich einer Begegnung mit heimkehrenden Kreta-Kämpfern an einem Strand am Fuß des Olymp schreibt der Autor:

“(Da) saßen, standen und lagen gleichmütig die Helden des

Kampfes, prachtvolle Gestalten. Sie trugen alle nur die kurze Hose,

manche den Tropenhelm, und blinzelten durch ihre Sonnenbrille in den

hellen Morgen. Ihre Körper waren von der griechischen Sonne

kupferbraun gebrannt, ihre Haare weißblond. Da waren sie, die

‘blonden Achaier’ Homers, die Helden der Ilias. Wie jene stammten sie

aus dem Norden, wie jene waren sie groß, hell, jung, ein

Geschlecht, strahlend in der Pracht seiner Glieder. Weiterlesen

Demokratischer Pop

Das Editorial der Oktoberausgabe 2024 des Demokratischen Salons analysiert unter dem Titel „Demokratischer Pop – Von Smartphones, Dorfkneipen und Teppichstangen“ Möglichkeiten einer neuen Demokratiekultur, in der Demokratie wieder Spaß macht, und plädiert für eine Politik der Begegnung. Themen der neuen Essays, Interviews und Rezensionen sind jüdische Stimmen zum 7. Oktober, die pluralistische Demokratie und ihre Freunde, Aspekte einer liberalen Ethik, die Ostdeutschen als Subjekt der Friedlichen Revolution, die DDR und die Migration, die documenta und die DDR, Realitätsverluste in der deutschen Friedensbewegung, Künstliche Intelligenz in der Literatur sowie – ganz utopisch – Solarpunk.  Weiterlesen

Interruptus

Richard David Precht mögen nicht alle. Ich finde den Kerl inhaltlich gar nicht so schlimm, wie ihn was-mit-Medien-Leute gerne porträtieren. Aber zweifelsfrei steht ihm seine Eitelkeit, eine deformation professionelle, wie seinem Podcast-Partner, dessen Name mir jetzt nicht einfallen will, oft im Weg. Das ZDF lässt ihn im Sonntagsnachtprogramm machen, und seine Gäste sind meistens gut ausgewählt. So auch die Soziologin Eva Illouz, in meinen Augen die Expertin unserer Zeit in Fragen der Liebe und ihren materialistischen Bedingungen. Weiterlesen

Idiotie, künstliche

Fast schon hatte ich mein Tablet zugeklappt, da sah ich, dass der Kollege Thomas Knüwer einen neuen Eintrag veröffentlicht hat. Seine kulinarisch-gastronomische Eröffnung sprach mich nach dem Genuss der Momo-Bistro-Reibekuchen sofort an. „Was kommen sollte: das Label ‚garantiert KI_frei'“. Zu den von ihm aufgezählten schlechten Beispielen ergänze ich gerne die einst ehrwürdige und heute zur Ippen-Gruppe gehörende FR („Frankfurter Rundschau“), Wie konnte mann diesem Verbrechen an Journalismus nur diesen guten Namen überlassen? Weiterlesen

Die Leiche in Biden Kellern

Jeffrey Epstein modert bei US-Republikanern und -Demokraten – Merkwürdiges PR-Timing noch merkwürdigerer Buchautoren

5 € in die Kalauer-Kasse. Aber ich konnte nicht widerstehen. In der taz erschien heute ein Buchauszug von Tahir Chaudhry: „Wem diente Jeffrey Epstein?“, Das System aus Macht, Kontrolle und Erpressung, FiftyFifty Verlag. Weil mir der Autorenname Tahir Chaudhry nicht geläufig war, dachte ich zunächst, es handele sich um die deutsche Übersetzung einer US-Veröffentlichung. Ist es aber gar nicht. Weiterlesen

Vom sozialen Ursprung der Algorithmen

Im Gegensatz zu alarmistischen Streitschriften ordnet Matteo Pasquinelli das Thema der künstlichen Intelligenz in die Sozialgeschichte ein

„Es kann sein, dass wir verdammt sind“. Nick Bostrom erging sich vergangenes Jahr in einem Interview einmal mehr in düsteren Prophezeiungen. Seit seinem Bestseller „Superintelligenz“ von 2014 wird der Oxforder Philosoph nicht müde, vor einer künstlichen Intelligenz zu warnen, die bald schlauer als der Mensch sein könnte. In der Tat überschattet die KI-Debatte die Angst vor dem technoiden Übermenschen mit humanoidem (Selbst-)Bewusstsein. Die stets freundliche Alexa im Wohnzimmer ist gleichsam sein primitiver Vorschein. Von Thesen wie „überirdischer Intelligenz“ hält Matteo Pasquinelli nichts. Wenn der Philosoph in seinem jüngsten Buch diesen Diskurs mit der These „Arbeit ist der erste Algorithmus“ konterkariert, will er einen Mythos auf seinen sozialen Urgrund zurückführen. Weiterlesen

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