Ampelingenieure, vermaledeite

Von , am Mittwoch, 23. September 2015, in Beuel & Umland, Politik.

Heute entschloss ich mich ausnahmsweise, das andere Rheinufer aufzusuchen. Die Linie 62, die mich in der Friedrich-Breuer-Straße bereits überholt hatte, ermöglichte es mir durch ihre ausgiebige Wartezeit am Konrad-Adenauer-Platz, sie bequem und ohne Laufschritt zu erreichen. Das hätte mir zu denken geben sollen.
Meine Erfahrung lehrte mich bereits als Radfahrer, dass meine Querungsampel an der Kennedybrücke, solange sie auch braucht, mir Grün zu zeigen, sie es doch dann immer zuverlässig tut, wenn eine Bahn sich nähert. Unter allergrößter Peinlichkeit überquere ich die Schienen also immer wieder dann vorschriftsmässig, wenn ich schätzungsweise 100 Leute daran hindern kann ihren Weg fortzusetzen. Zu gerne würde ich dem Bahnfahrer winkend die Vorfahrt lassen, aber das haben deutsche Verkehrsingenieure nicht vorgesehen.
Meine 62 hatte heute eine 66 vor sich. Eine 61 fädelte sich vor dem Stadthaus ebenfalls noch vor ihr ein. Den Weg vom Suttner-Platz zum Stadthaus hätte ich in der darauf folgenden Wartezeit an den diversen Ampeln ohne Zuspitzung und Übertreibung zweimal zu Fuß zurücklegen können.
Die Fahrgäste werden darüber nicht mehr zornig. Die, die auf den ÖPNV angewiesen sind, sind sozial sowieso schon die Untersten, Unproduktiven, Ausgehaltenen, Schüler u.v.a. Sie denken, “die da oben machen ja doch was sie wollen” und “für mich interessiert sich sowieso niemand”.
Hier lesen Sie, wie “die da oben”, in diesem Falle die Verkehrsingenieure der Bonner Stadtverwaltung das Ganze sehen. Hinterfotzig, wie sie, statt den Autoverkehr auch nur ein einziges Mal bei Namen zu nennen, Fußgänger und ÖPNV gegeneinander ausspielen. Haben wir immer so gemacht, warum also neu denken?
Wer so denkt, sollte schleunigst ausgewechselt werden. Schon mal von Algorithmen gehört? Die werden programmiert, von Menschen, in einer Demokratie also von uns allen. Wer sich als Mensch von denen beherrschen lassen will, kann ja in eine Diktatur auswandern.

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