Bisher habe ich die Charakterisierung von Fussballorganisationen als “Mafia” oft mit der EinschrĂ€nkung versehen, dass es bisher wenigstens noch keine Todesopfer gab. Das muss ich nun korrigieren. Thomas Kistner, einer der besten Beobachter dieser Szene, berichtet in der SZ von den ersten.
In seiner Darstellung spielt der bereits verstorbene Julio Grondona eine wichtige Rolle, als TĂ€ter und Kopf der Organisation. Es ist kaum eine Übertreibung zu sagen: er beherrschte das ganze Westufer des Atlantik, so weit es Fussballkorruptionsnetzwerke betraf. Seit seinem Verscheiden scheint es heftige DiadochenkĂ€mpfe zu geben, die – fĂŒr die ermittelnden Strafverfolger*innen wie fĂŒr uns als Öffentlichkeit erfreulich – zu einem krĂ€ftigen Zuwachs an Singvögeln/Kronzeug*inn*en gefĂŒhrt hat. Und SingvogelverdĂ€chtige geraten in Lebensgefahr.
In der Heimat von Senor Grondona, in Buenos Aires/Argentinien lebt und arbeitet auch Extradienst-Leser Andre Dahlmeyer, der einzige Journalist, ĂŒber den ich regelmĂ€ssig was ĂŒber das sportliche lateinamerikanische Fussballgeschehen erfahren, heute mit einer formidablen Reportage in der Jungen Welt aus dem Stadion der Boca Juniors, wo Dahlmeyer den BVB beim spionieren erwischte. Er hat sich dort in wirkliche Gefahr begeben, denn die argentinischen Fankurven werden noch schlimmer als in Italien von organisierter KriminalitĂ€t beherrscht und terrorisiert. Die deutsche Bundesliga ist dagegen ein Disneyland, und die Dormunder SĂŒdtribĂŒne ein Streichelzoo. Danke fĂŒr Deine sachdienlichen Hinweise! ;-)