Sturm über Bonn / ARD-Geld für Ösi-Milliardär?

Von , am Sonntag, 21. Januar 2018, in Beuel & Umland, Lesebefehle, Medien.

Der Soziologe Stefan Selke, er lehrt in Baden-Württemberg, hat aber einige Jahre hier in Bonn studiert, beschreibt die fragile zivilisatorische Firnis während des Sturms Friederike in der abgelaufenen Woche in Bonn bei telepolis. Ich war an diesem Tag auch in Bonn, nicht am Hauptbahnhof, aber bewegte mich im ÖPNV über die Kennedybrücke, und hatte eher gegenteilige, angenehme Erlebnisse. Vielleicht lags auch einfach an dem guten Mittagessen im Pastis.
Im Alltag, also gerade nicht in Krisen-Ausnahmesituationen, mache ich jedoch ähnliche Beobachtungen wie er. Als Kunde und Gastronomiegast merke ich seit langem, dass ich mit normal-höflichem Verhalten schnell von den Dienstleister*inne*n im Service ins Herz geschlossen werde – weil es so selten ist. Mir persönlich macht das das Leben sogar leichter. Warum kommen nur so wenige andere auf die Idee? Dass Selke als Soziologe darüber ins Grübeln kommt, spricht für seine fachliche Eignung und Erdung. Nicht ganz sicher bin ich in der Beurteilung seines Verhaltens – wir kennen ja hier nur seine Sicht.
Ein Schlüsselproblem scheint mir die Beschleunigung: schneller Schwätzen und Handeln als Denken. In der Konkurrenz Spitze sein müssen, schneller ist gleich besser. Quantität statt Qualität, das Aldi/Lidl/Facebook-“Freunde”-Prinzip, Umsatz und Rendite durch Masse und Geschwindigkeit (Amazon-Sofortismus).
Zeithaben und Geniessen, der Besitz der eigenen Daten und Geheimnisse ist der neue Luxus. Und die Kommunikation mit richtigen Menschen, die diese Bereitschaft und Fähigkeit ebenfalls mitbringen.

Unser TV-Sender ARD, also ein Kommunikationskonzern in öffentlichem Besitz, hat andere Sorgen. Die 10-60-jährigen unter uns hat er, mindestens samstagsabends, aufgegeben. Die FAZ, die diesen Sender zeitlebens zur Strecke bringen will, berichtet nun – und das Überbringen dieser Information vermag ich ihr nicht vorzuwerfen – dass dieser Sender einen nicht geringen Haufen Geld für stundenlanges (6 Std.) schlechtes Fernsehen verschwendet. Das Geld fliesst in die Taschen einer österreichischen Schmalzproduktion aus dem Konzernstall des österreichischen Berlusconi, der dort Mateschitz heisst. Ist es vorauseilender Gehorsam der ARD-Bosse? Der Programmdirektor hat kürzlich seinen Vertrag verlängert bekommen. Spüren sie über ihre Antennen, dass hierzulande wieder einiges politisch so werden könnte, wie es in Österreich schon ist? So ein ARD-Hierarch hat da einfach bessere Kontakte als wir.
In den ARD-Fluren ist mann vermutlich noch besoffen. Es gibt wieder “Einschaltquoten”, und gestern hat die ARD wg. Wintersport “gewonnen”. Als sie diesen Gestütsschmalz sendete, lag allerdings der ZDF-Krimi vorne – Konstellation wie sonntags, nur umgekehrt. Gibts also noch Hoffnung? Soviel Naivität bringe ich nicht mehr auf. Wenn wir unsere öffentlich-rechtlichen Medien retten wollen, müssen wir ihre Hierarchien zuerst mal in die Luft jagen. (Achtung! Das war eine Metapher.)

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