Erblindet deutscher Journalismus?

Von , am Samstag, 23. Juni 2018, in Lesebefehle, Medien, Politik.

Ältere “was-mit-Medien”-Semester wie ich gerieten vor kurzem bereits in Schreckensstarre, als wir gewahr werden mussten, dass Talkshow-Redaktionen sich als ahnungslos erwiesen, was “Framing” betrifft. Leider beschränkt sich das nicht auf Talkshows. Betriebsblinde Ahnungslosigkeit und Oberflächlichkeit breitet sich aus, wie der geschätzte Kollege Rene Martens in der taz berechtigt beklagt. Selbst Journalist*inn*en, die glauben, Distanz zur Politik zu halten, prägen so die Politik selbst mit – wie Aktivist*inn*en, nur dass sie von sich selbst glauben, keine zu sein.
Diese hektische Selbstreferentialität machen sich denkendere Strateg*inn*en zunutze. Zu denen, so absurd das auf den ersten Blick klingt, gehört z.B. das iranische Mullahregime. Charlotte Wiedemann hat mehr als die meisten von uns von der Welt gesehen, und dadurch einen Blick für die grossen Linien behalten. Hierzulande dagegen scheinen wir durch WM plus Seehofers&Söders Kulissenschieberei vom “Rest” der Welt nichts mehr zu bemerken.
Weitere Beiträge zum Erblindungsprozess bei telepolis:
Paul Schreyer war bei einem Leser*innen-Treff des Spiegel; Ulrich Heyden nimmt die Ukraine-Berichterstattung auseinander.

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