Familie – “kein Schutzraum, sondern Tatort”

Von , am Sonntag, 15. Juli 2018, in Lesebefehle, Politik.

Debatte um (sexuellen) Kindesmissbrauch – es geht auch sachlich, und bleibt schlimm genug

Poltiker*innen und Medien nutzen Fälle von Kindesmissbrauch (wahlweise auch andere Gewalttaten) mit Vorliebe zur öffentlichen Erregung. Weil es ihnen selbst nützt – die Opfer sind dabei nur von geringem Interesse, werden gerne wie im Zoo ausgestellt und vorgeführt. Warum sind wir damit so leicht erregbar? Weil wir glauben, damit unsere eigenen dunklen Seiten besser gefangen halten und kontrollieren zu können. Abspalten und abstrafen, dann sind wir selbst wieder sauber und rein. Kurz danach wendet sich die öffentliche Erregung wieder anderen Gegenständen zu.
Es geht auch anders. Kriminalstatistische und wissssenschaftlich erforschte Tatsache ist, dass der gefährlichste Ort die eigene Wohnung, die grösste Bedrohung die eigenen Familienangehörigen sind. Öffentlichkeit da draussen ist dagegen Schutz, weil – zumindest potenziell und gefühlt – andere Menschen eingreifen könnten.
Jörg M. Fegert, ein Wissenschaftler, der sich, u.a. auch beratend für die Bundesregierung, wissenschaftlich mit dem Problem auseinandersetzt, hat in einem knochentrockenen, langen Text für die FAZ „Die Macht der Täter brechen“ aufgelistet, was alles zu tun wäre, wenn tatsächlich die Opfer, und nicht wir selbst, uns interessieren würden. Der Text ist nicht unterhaltsam, nicht witzig, purer Ernst. Wollen Sie das wirklich lesen? Was könnten Sie danach tun?
1. natürlich sich selbst prüfen, in den eigenen Lebensbereichen;
2. Poltiker*innen fragen, wie sie sich im Alltag wofür einsetzen;
3. die von Ihnen genutzten Medien prüfen, ob sie dem Ernst der Sache gerecht werden, sie ggfls. auch kündigen, bzw. mindestens kritisieren;
4. im eigenen Bekanntenkreis drüber sprechen, Sensationsgier aussparend überprüfen, was gemeinsam getan werden könnte.
Denn soviel ist sicher: es gibt solche Fälle auch in Ihrem Bekanntenkreis.

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