In der WDR-Programmdirektion scheint immer noch niemand zuhause zu sein. Gestern war ein Feiertag für den NRW-Spitzenfussball. Beide Borussias zeigten meisterliche Leistungen (sogar Fortuna Düsseldorf hat gewonnen) und führen die Bundesligatabelle an. Am 17. (und am 34. Spieltag) winken Final-Feiertage, wie sie NRW schon lange nicht mehr erlebt hat – zu vergleichen nur mit der in Punktgleichheit endenden Rivalität von Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln 1978 (das war die Saison, in der die eine Borussia den BVB 12:0 schlug, bis heute Ergebnisrekord aller Bundesliga-Zeiten).
Ein WDR, der mit dem NRW-Fußball auf Du und Du wäre, würde in der Bundesligasendung heute Abend nach den zwei Sonntagsspielen journalistisch analysierende Nachreportagen von den beiden Borussias in Mönchengladbach und Dortmund bringen, und uns schon mal auf den 17. Spieltag am Freitag vor Weihnachten im festlich überfüllten Westfalenstadion einstimmen. Anschliessend würde Arnd Zeigler den Anlässen angemessen das gestrige Spiel in Bremen beweinen und das in Dortmund feiern. U.U. würde Eduard Zeiglermann sogar die Täter*innen entlarven, die die Wintermäntel der Herren Rummenigge und Hoeness verschwenderisch mit Dortmunder Bier benetzt haben. Lebensmittelverschwendung – wer tut denn heute sowas noch?
Das wäre ein WDR-Fernsehen, das uns mit unserem Sender versöhnen würde. Darum kommt es auch nicht.
Stattdessen ist heute – angeblich – “Karneval”. Karneval in der Glotze – wie soll das funktionieren? Karnevalist*inn*en gehen auf die Strasse und in Kneipen, und sitzen nicht zuhause. Zumindest bei uns im Rheinland ist das so. Nur Menschen, die nicht mehr mobil sind, sehen sich das – zur Not – in der Glotze an. Ja, die werden immer mehr. Und sind die Kernzielgruppe des WDR-Fernsehens. Ich dagegen bin erst 61.