Telepolis’ starke Auslandsberichterstattung

Von , am Mittwoch, 23. Januar 2019, in Lesebefehle, Medien, Politik.

Es ist makaber. Die Welt wird kleiner. Aber deutsche professionelle Medien berichten immer weniger international. Korrespondent*inn*en sind teuer und immer ganz oben auf der Liste, wenn in einer Redaktion wieder gespart werden muss. Auslandskorrespondet*innen sind naturgemäss bei Sitzungen nicht dabei, die darüber entscheiden. Manche vielleicht per Telefon-/Videokonferenz. Entscheidungen werden aber vorbereitet, informell vor den Sitzungen. Gerne via Flurfunk. Also keine Chance.
Immer mehr Zeitungen verlieren so an Relevanz. Halten Sie nur mal eine – nur monatlich erscheinende – LeMonde diplomatique (dt.) neben eine beliebige Zeitung oder einen ARD-Weltspiegel. Mich erstaunt es umso mehr, was im Kontrast dazu eine knapp gehaltene Kleingruppe wie die Telepolis-Redaktion des Heise-Verlages täglich zustande bringt. Die festen Mitarbeiter*innen beherrschen Sprachen, lesen zahlreiche ausländische Medien, manche Fachkräfte im Ausland beziehen zwar kein Gehalt, werden aber kontinuierlich beauftragt und versorgen uns mit Sichtweisen, die hierzulande immer weniger zu finden sind.
Gute Beispiele heute:
– das Treffen von Putin und Abe (Japan), berichtet von Ulrich Heyden;
– der Kommentar von Gerrit Wustmann zum Streit um die Rundfunklizenz für Russia Today (RT), inkl. Kritik an einer Telepolis-Veröffentlichung;
– ein exzellenter Bericht von Thomas Pany zu militärischen Eskalationen zwischen Israel und Syrien, mit breiter kontroverser Quellenbasis, die Pany komplett transparent macht; warum kann er, was so viele unterlassen?
Bernd Schröder zu Energierochaden am Persischen Golf, von riesig-globalstrategischer Wichtigkeit; wo haben Sie das von vergleichbarer Qualität geboten bekommen?
Letzteres sollten Sie sich für Ihren Gesamtblick mit dieser Kurzstudie der Berliner SWP (Autor*in: Sascha Lohmann und Kirsten Westphal) zum energiestrategischen Konflikt (u.a. um “Northstream 2” und Flüsiggas) zwischen Europa und der USA zusammen betrachten. Ihr Plädoyer für (Risiko-)Diversifikation ist so vernünftig, wie es politisch leider wenig selbstverständlich ist.
Wenig Wind hat bisher ausserdem leider, leider diese Intervention des UN-Flüchtlingskomissariats zur Europäischen Flüchtlingsabwehrpolitik gemacht. (Eine deutschsprachige Darstellung hier; dieser Link verschwindet in einigen Tagen in einem Paywall-Archiv)

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