Essen ist notwendige Bedingung – für Leben und Lust
Meine Verehrung für Vincent Klink ist Leser*inne*n dieses Blogs gut bekannt. Zu lange war ich schon nicht mehr bei ihm auf der Wielandshöhe in Stuttgart. Durch Jakob Strobel Y Serra/FAZ wurde ich auf Vincents 70. Geburtstag aufmerksam. Wenn er in Griffnähe wäre, überkäme mich jetzt ein Umarmungsbedürfnis. Ein herzlicher Glückwunsch auch aus Beuel, für einen der menschlich und politisch grössten Köche unseres Landes!
Vorgestern machte ich auf eine neue Veröffentlichung zum Thema Essstörungen aufmerksam. Ich erwähnte, dass das Thema seit einigen Jahren endlich Platz in der öffentlichen Diskussion gefunden hat. Ein Indiz dieser schöne DLF-Kultur-Beitrag von Tina Hüttl “Wie Nahrung die Psyche beeinflusst”, es geht u.a. um Frustessen und Belohnungsessen. Entscheidend ist nicht, was uns irgendwelche Volksbelehrer*innen, prinzipiell uneinige Ernährungsberater*innen oder gar die Lebensmittelindustrielobby verkauft, sondern was mein individueller Körper (und Geist) zu all dem meint. Der eigentliche Trick des Individuums ist, ob Körper und Verstand gegenseitige Kommunikation gelingt: was tut mir gut? Was nicht?

Probieren Sie es selbst

Für mich kann ich folgende Beispiele nennen, die Sie gerne selbst ausprobieren können:
Sättigung tritt erst nach 20 Minuten ein. Wenn Sie ihre Mahlzeit in dieser Zeit schon verschlungen haben – Pech gehabt. So schnell ist der Körper nicht wach, um Meldung zu geben. Das ist der tiefere Sinn einer Vorspeise! Wenn ich mich selbst bekoche, verwende ich grundsätzlich von allen Zutaten immer zuviel. Der Hunger/Appetit ist schuld. Darum kaufe ich Lebensmittel grundsätzlich immer nach einer Mahlzeit, nie davor – das spart einen grossen Haufen Geld und ist vorausschauende Müllvermeidung. Bevor ich mir den Teller vollmache, esse ich zunächst gemütlich einen Apfel. Der kann nicht verschlungen werden, weil er gründlich gekaut werden muss – das hilft, die Verdauungssignalanlagen des Körpers zu wecken, damit die 20 Minuten rechtzeitig rum sind, und ich nicht einen zweiten Teller mit meiner wohlschmeckenden Mahlzeit vollmache, obwohl ich mglw. schon satt bin.
Es bleibt mglw. das “Problem”, dass vom Essen was übrig bleibt. Wenn ich allein bin – super! Das wird am nächsten Tag aufgewärmt, und schmeckt umso besser, weil alle Gewürze durchgezogen sind.
Als dritter Gang statt eines zweiten vollen Tellers ein frisches Baguette und ein Stückchen vom venezianischen Millefoglie mit Marzemino (finden Sie oben auf der Käsetheke im Momo), mit einem schönen Glas Rotwein (bei mir z.Z. offen ein 2013er Chianti Terre di Romignano) – das ist so gut, da können Ihnen die Tränen kommen.
Meine Empfehlung für süsse Belohnungen: ich bin quasi abhängig von der dunklen Marzipan-Amaretto-Schokolade eines biozertifizierten Herstellers, den Sie in jedem Bioladen finden werden. Der Trick: nicht Kauen/Fressen, sondern für die nachhaltige Wirkung wie einen Bonbon lutschen. Ich komme auf diese Weise mit einem Riegel pro Tag aus. Eine schöne Alternative (oder Ergänzung) ist eine Praline des regionalen Herstellers Coppeneur aus Bad Honnef, mit Verkaufsstellen in Bonn – eine kostet 1 €. Ich bevorzuge hier ebenfalls die in dunkler Schokolade, es gibt aber auch andere interessante Variationen. Ich komme mit einer pro Tag aus, gerne am Ende des Tages auf dem Sofa.
Es ist nicht wichtig, aber wer bisher mitgelesen hat, da arbeitet es im Kopf – wir werden so gepolt von unserer sozialen Umgebung und den Medien, die uns beständig erziehen wollen. Darum verrate ich Ihnen: mein BMI ist aktuell 26,9, dazu sagte der BMI-Rechner der Techniker-Krankenkasse (TK): “23-29 – Normalgewicht 74,5-94,0 kg – Super! Ihr Gewicht ist gesund. Mit einer ausgewogenen Ernährung und regelmäßiger Bewegung wird das auch langfristig so bleiben.” ;-))

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger@extradienst.net