Das Diskursgelände wird planmässig strategisch vermint. Ich halte mich persönlich schon lange davon fern. Mein Meisterstück schaffte ich 1978, als es mir vom NRW-Landesvorstand der Jungdemokraten aus gelang, ein breites politisches Bündnis für eine Gedenkdemo zum Jahrestag der Reichspogromnacht auf die Beine zu stellen. Seinerzeit fand in Düsseldorf der Majdanek-Prozess statt. Ich war mit meinen damals 21 Jahren sehr stolz, das politisch auf die Beine gestellt zu haben.
Ich wandte mich dann der Anti-Apartheid-Bewegung zu. Andere Kolleg*inn*en, wie z.B. meine politische Freundin Susanne Willems setzten und setzen sich ihr Leben mit dem Gegenstand auseinander. Mir begegnete er vor wenigen Jahren in der Grünen-Ratsfraktion wieder, als ein Grünes Ratsmitglied ohne politische Absprache mit irgendjemandem im Bonner “Integrationsrat” gemeinsame Vorlagen mit islamistischen Erdogan-Freund*inn*en veröffentlichte. Ich merkte schnell, dass ein kompromiss- und ergebnisorientierter Diskurs nicht mehr möglich war. Diese Konfrontationsmentalität kann unter Repressionsbedingungen eine notwendige strategische Option sein. In einer bürgerlich geregelten Demokratie ist sie sektiererisch; und mich persönlich widert sie an.
Jüngst war Extradienst-Autor Andreas Zumach mehrmals zum Opfer dieser jede Diskussion abwürgenden Machenschaften geworden (erst hier, dann hier). Ich bewundere ihn für den Kampfgeist, mit dem er das durchgezogen hat; ich selbst brächte den nicht mehr auf. Darum bin ich sehr, sehr dankbar, dass Stefan Reinecke/taz sich dieser ideologisierten Scharmützel mal mit seinem klaren Kopf angenommen hat. Dankbar auch deswegen, weil in der taz in letzter Zeit jüngere Männer eingezogen sind, die das “Nervöse-Zone”-typische Kratzen an der Oberfläche und Bohren dünnster Bretter übermässig lieben, allein, um in Berlin von besser zahlenden Arbeitgeber*inn*en bemerkt zu werden.
Es gibt auch gute Beispiele. Z.B. im letzten hörbaren deutschen Radioprogramm beim DLF: diese Sendereihe von Ursula Welter aus Frankreich ist Premium. Dafür zahle ich gerne.
Update 15.4.: Und siehe, auch Profifussballvereine können gegen Antisemitismus tätig werden. Es hat eben doch (auch) was mit Fussball zu tun.