Was wollt ihr sehen – Krieg oder Kirche?

Von , am Dienstag, 16. April 2019, in Lesebefehle, Medien, Politik.

Wurde Ihr Hunger nach Katastrophen-Voyeurismus unzureichend gestillt? Auf der Autobahn ist es ja weit verbreitet, obwohl es dort verboten ist. Politiker und Journalisten beklagen, die Glotze haben gestern zu wenig brennende Kirche gesendet. Was hätte es genützt? Was soll stundenlanges Besenden des Publikums bringen? Soll wieder ein neues Zeitalter ausgerufen werden? Soll den Flammen ein neuer Jesus, Macron vielleicht, oder edel spendende Milliardär*inn*e*n, entsteigen? Oder werden Schuldige bereitgehalten, um an ihnen Rache zu üben? Wer sich informieren wollte, konnte auch Radio hören, und sich ein Bild im Kopf selbst machen. Ich habe im DLF alles erfahren, und im WDR Interviews mit der Ex-Dombaumeisterin von Köln Frau Schock-Werner gehört. So what?
Ich bin eher dankbar, dass es Journalist*inn*en und Redaktionen gibt, die wegen des tragischen Ereignisses nicht erstarren und ihre sonstige Arbeit fallenlassen, nicht nur unsere unmittelbare Nachbarschaft, sondern die ganze Welt im Blick behalten. Auch wenns den offiziell Trauernden und Wideraufbauwillen simulierenden Köpfen unangenehm werden könnte.
Durch irgendeinen Zufall hat nämlich gestern ein französisches Rechercheportal veröffentlicht, wie das französische Rüstungskapital sich am massenmordenden Jemen-Krieg reich verdient – das sind die, die die Bundesregierung weitgehend erfolgreich davon überzeugen, mitzumachen – hier eine deutschsprachige Zusammenfassung dieser Berichte mit Links zu den Originalquellen durch Florian Rötzer/telepolis.
Und wenn Sie schon dort sind, lesen Sie auch Thomas Panys Berichte zur Eskalation in Libyen und zum mehr als merkwürdigen Umgang unserer “Sicherheits”-Behörden mit deutschen IS-Rückkehrer*inne*n.
Update nachmittags: Lesen Sie auch Bernhard Schmid/Jungle World zur Lage in Algerien: und das Interview von Ulrich Heyden/telepolis mit der ukrainischen Schriftstellerin Jewgenia Biltschenko, mit dem wir andere Weltsichten erfahren, als die, die uns meistens von dort erreichen.
Etwas sachlicher und gemäßigter als ich am Beginn dieses Textes: Christoph Sterz/DLF.

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