Scheitert im Ruhrgebiet ein Regionalplan?

Von , am Samstag, 5. Oktober 2019, in Fußball, Genuss, Lesebefehle, Medien, Politik.

weiter unten: 40 Jahre Titanic / Christian Streich / Polizeistaat Türkei
Das regionale Medienmonopol im Ruhrgebiet, die zur Funke-Mediengruppe gehörende WAZ, in meiner Jugend die bedeutendste und mächtigste Regionalzeitung Deutschlands (nur Bild hatte eine höhere verkaufte Auflage, der WAZ wurde aber mehr geglaubt; wenig davon ist geblieben) berichtet über Rücktrittsforderungen beim Regionalverband Ruhrgebiet. Aber nur hinter Paywall, also fürs breite digitale Publikum unzugänglich. Also erinnerte ich mich an den Regionalblog Ruhrbarone, und siehe, ich wurde fündig.
Die Eindrücke meiner Lektüre fasse ich so zusammen: die einstige rot-grüne Landesregierung hatte die prinzipiell gute, ja geradezu revolutionäre Idee, Akteur*inn*e*n und Bürger*innen an der Basis die Regionalplanung selbst machen zu lassen. Und zwar nicht jeweils um den eigenen Kirchturm herum, sondern gemeinsam für einen Raum, in dem die Stadtgrenzen für die Alltagspraxis der Einwohner*innen jede Bedeutung verloren haben. Praktisch ist das Ruhrgebiet die grösste deutsche Stadt. Nur für seine Bürokratie und seine Politiker*innen nicht – also alle, die durch Zusammenarbeit was zu verlieren hätten.
Diese gute Idee der damalige Landesregierung wurde jedoch nicht in politische Praxis übersetzt. Weder wurde der Regionalverband Ruhrgebiet für diese wichtige Aufgabe adäquat ausgestattet – die Mitgliedsstädte müssten nicht nur Macht sondern auch Geld (Mitgliedsbeiträge) abgeben. Noch hatten die besten Leute aus den Parteien überhaupt Lust, sich dort in komplizierten Sitzungen den Hintern plattzusitzen. In öffentlich kaum beachtete Regionalgremien werden darum vorzugsweise (Ausnahmen gibt es immer) von ihren Fraktionen Leute delegiert, die noch Zeit übrig, generell nicht so viel zu tun haben, und aus diversesten Gründen nicht so gerne zuhause sind, um Zeit zum Nachdenken zu haben – klassisches politisches Prekariat.
Insofern fürchte ich, dass Ruhrbarone-Macher Stefan Laurin mit seinem Politikerbashing – schliesslich war er selber einer, beim ersten Schwarz-Grün in Gladbeck – nicht in allen Fällen Unrecht hat. Sein Lob für meinen Ex-Chef Thomas Rommelspacher teile ich, seine Beschimpfung meines Ex-Kollegen Martin Tönnes dagegen nicht. Aber ich bin heute zu weit weg, um mir ein eigenes Urteil über den aktuellen Konflikt zu erlauben.
Immerhin ist es bei den Ruhrbaronen gut nachzulesen, und ausserdem detailschärfer als in den ahnungslosen Texten der überlasteten Lokalpresse. Auch die RVR-Grünen äusserten sich sporadisch, aber nur begrenzt erhellend.

40 Jahre Titanic

Dazu gibts einen launigen Bericht von Edo Reents/FAZ.

Christian Streich

Der dienstälteste und allerbeliebteste aller Bundesligatrainer Christian Streich/SC Freiburg, derzeit mit dem besten Saisonstart des SC Freiburg aller Zeiten, bekommt eine Würdigung durch Christoph Ruf/SZ.

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Wie es zum Konflikt zwischen türkischen Polizeikräften und den Auswärtsfans von Borussia Mönchengladbach in Istanbul-Basaksehir kommen konnte, erklärt Rainer Hermann/FAZ. Ein weiteres kleines Indiz für die Erosion des Erdogan-Regimes.

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