“Westbahn” – zu gut, um wahr zu werden

Von , am Mittwoch, 13. November 2019, in Beuel & Umland, Politik.

Gestern die WDR-Lokalzeit, heute der General-Anzeiger, berichten über neue Machbarkeitsstudien zu dem, was einst als Hardtbergbahn konsequent scheiterte, und darum jetzt als “Westbahn” etikettiert wird. Die Hardtbergbahn scheiterte, weil die CDU und relevante Teile der SPD sich als blindwütige Lobby der Bau- und Tunnelbohrindustrie betätigten, und auf einer Tieflage als U-Bahn im Innenstadtbereich bestanden. U-Bahnbau, die Kölner*innen wissen das, tendiert zur Katastrophe, selbst wenn der Bau unfallfrei gelingt. Die Baustellen ruinieren bereits Stadtstrukturen, und danach machen die Unterhaltskosten jeden Etat von Stadt und Stadtwerken zu einem noch tieferen Loch.
Doch auch ein “Obenbleiben” mobilisiert Widerstand. Die gutsituierten (bezahlbare Mieten gibt es dort meines Wissens nicht mehr) Anwohner*innen der Weststadt finden jahrelange Baustellenbelastung nicht amüsant. Und wofür brauchen sie eine Strassenbahn? Sie können doch, selbst mit Rollator, zu Fuss in die City gehen.
Als Beueler kann ich Ihnen noch ein gutes Argument liefern: es wäre besser für die Atemluft. Es ist in der Klimakatastrophe klar wie Klossbrühe, klarer als die gegenwärtige Atemluft, dass der Individualverkehr raus aus den Innenstädten und Stadtteilzentren muss. Wenn der Aufenthalt an diesen Orten für echte Menschen nicht attraktiver wird, wird Jeff Bezos mit seiner Amazon-Mafia die Weltherrschaft erobern. Darum brauchen sowohl der Venus- als auch der Hardt- und der Brüser Berg eine Bahnerschliessung. Die Busse, das wird täglich bewiesen, schaffen es einfach nicht. Und die Autos sowieso nicht.
Wenn wir die Sache politisch realistisch betrachten, werden es die Grünen sein müssen, die in dieser Stadt diese Bahnerschliessung durchsetzen. Oder sie wird nie kommen. Da ich zuviel über die Bonner Grünen weiss, müssen mir keine Zweifel mehr kommen, sie sind schon da. Bei bisher jeder leitenden Person in der Bonner Stadtverwaltung, an deren politischer Auswahl die Grünen beteiligt waren, stellte sich schon nach wenigen Tagen, wenn nicht Minuten, heraus, dass im internen Alltagsbetrieb ebendiese Grünen in Gestalt ihrer Stadtratsfraktion die schärfsten Kritiker*innen (und Fallensteller*innen) ebendieser leitenden Angestellten der Stadt Bonn wurden, die einst ihre “eigenen Leute” waren. Das Fallenstellen gilt für die Grünen als politische Organisation, aber sogar für Individuen, die persönlich aufzuzählen ich mir und Ihnen hier ersparen möchte.
Da der zuständige Planungs- und Verkehrsdezernent Helmut Wiesner einer dieser Betroffenen ist, vermag ich nicht den Optimismus zu entwickeln, die Realisierung dieser Westbahn noch erleben zu dürfen – kann mir als Beueler ja auch egal sein. Ich sehe manche Grüne Ratsmitglieder und Fraktionsführer*innen vor den Weststadt-Wutbürger*inne*n dahinschmilzen, schneller als das Arktis-Eis – auf diesen Vorgang muss niemand jahrelang warten, da war ich live dabei.
Ein besonderes Abenteuer steht also der Grünen Katja Dörner bevor, die sich bekanntlich als Oberbürgermeisterin bewerben wird. Bisher hatte noch jede*r OB gigantischen Krach mit der eigenen Fraktion. Vorher kommt im nächsten Jahr noch eine Kommunalwahl. Ob ihr Ergebnis die Westbahn bringt? Im Traum vielleicht.
Update abends: um meine Befürchtungen besser zu verstehen, schauen Sie mal hier diesen schön gemachten Beitrag der Eheleute Ehling zum unschönen Planungsfortschritt des RRX, einem irgendwann mal schnellen Zug durch NRW. Mit dem wäre ich auch gerne gefahren, in diesem Leben …
PS zum ÖPNV in Beuel: die Stadtwerke Bonn spendieren Schwarzrheindorf einen Busshuttle (8 Sitzplätze). Supergeheimen Informationen zufolge soll er nach dem für Beuel zu grossen Politiker “Deus” benannt werden. Warum hat es einen Monat gedauert, vom Beginn des Bedarfs an bis heute? Weil es eine verschenkte PR-Gelegenheit gewesen wäre. Damals hätte niemand Notiz davon genommen, als selbstverständlicher Serviceleistung – heute dagegen. Bemerkenswert: die zurecht begünstigten Alten in meiner Nachbarschaft werden ab 19 h abends zuhause eingesperrt. Ist halt “sicherer”.

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