Gestern die WDR-Lokalzeit, heute der General-Anzeiger, berichten ĂŒber neue Machbarkeitsstudien zu dem, was einst als Hardtbergbahn konsequent scheiterte, und darum jetzt als “Westbahn” etikettiert wird. Die Hardtbergbahn scheiterte, weil die CDU und relevante Teile der SPD sich als blindwĂŒtige Lobby der Bau- und Tunnelbohrindustrie betĂ€tigten, und auf einer Tieflage als U-Bahn im Innenstadtbereich bestanden. U-Bahnbau, die Kölner*innen wissen das, tendiert zur Katastrophe, selbst wenn der Bau unfallfrei gelingt. Die Baustellen ruinieren bereits Stadtstrukturen, und danach machen die Unterhaltskosten jeden Etat von Stadt und Stadtwerken zu einem noch tieferen Loch.
Doch auch ein “Obenbleiben” mobilisiert Widerstand. Die gutsituierten (bezahlbare Mieten gibt es dort meines Wissens nicht mehr) Anwohner*innen der Weststadt finden jahrelange Baustellenbelastung nicht amĂŒsant. Und wofĂŒr brauchen sie eine Strassenbahn? Sie können doch, selbst mit Rollator, zu Fuss in die City gehen.
Als Beueler kann ich Ihnen noch ein gutes Argument liefern: es wĂ€re besser fĂŒr die Atemluft. Es ist in der Klimakatastrophe klar wie KlossbrĂŒhe, klarer als die gegenwĂ€rtige Atemluft, dass der Individualverkehr raus aus den InnenstĂ€dten und Stadtteilzentren muss. Wenn der Aufenthalt an diesen Orten fĂŒr echte Menschen nicht attraktiver wird, wird Jeff Bezos mit seiner Amazon-Mafia die Weltherrschaft erobern. Darum brauchen sowohl der Venus- als auch der Hardt- und der BrĂŒser Berg eine Bahnerschliessung. Die Busse, das wird tĂ€glich bewiesen, schaffen es einfach nicht. Und die Autos sowieso nicht.
Wenn wir die Sache politisch realistisch betrachten, werden es die GrĂŒnen sein mĂŒssen, die in dieser Stadt diese Bahnerschliessung durchsetzen. Oder sie wird nie kommen. Da ich zuviel ĂŒber die Bonner GrĂŒnen weiss, mĂŒssen mir keine Zweifel mehr kommen, sie sind schon da. Bei bisher jeder leitenden Person in der Bonner Stadtverwaltung, an deren politischer Auswahl die GrĂŒnen beteiligt waren, stellte sich schon nach wenigen Tagen, wenn nicht Minuten, heraus, dass im internen Alltagsbetrieb ebendiese GrĂŒnen in Gestalt ihrer Stadtratsfraktion die schĂ€rfsten Kritiker*innen (und Fallensteller*innen) ebendieser leitenden Angestellten der Stadt Bonn wurden, die einst ihre “eigenen Leute” waren. Das Fallenstellen gilt fĂŒr die GrĂŒnen als politische Organisation, aber sogar fĂŒr Individuen, die persönlich aufzuzĂ€hlen ich mir und Ihnen hier ersparen möchte.
Da der zustĂ€ndige Planungs- und Verkehrsdezernent Helmut Wiesner einer dieser Betroffenen ist, vermag ich nicht den Optimismus zu entwickeln, die Realisierung dieser Westbahn noch erleben zu dĂŒrfen – kann mir als Beueler ja auch egal sein. Ich sehe manche GrĂŒne Ratsmitglieder und FraktionsfĂŒhrer*innen vor den Weststadt-WutbĂŒrger*inne*n dahinschmilzen, schneller als das Arktis-Eis – auf diesen Vorgang muss niemand jahrelang warten, da war ich live dabei.
Ein besonderes Abenteuer steht also der GrĂŒnen Katja Dörner bevor, die sich bekanntlich als OberbĂŒrgermeisterin bewerben wird. Bisher hatte noch jede*r OB gigantischen Krach mit der eigenen Fraktion. Vorher kommt im nĂ€chsten Jahr noch eine Kommunalwahl. Ob ihr Ergebnis die Westbahn bringt? Im Traum vielleicht.
Update abends: um meine BefĂŒrchtungen besser zu verstehen, schauen Sie mal hier diesen schön gemachten Beitrag der Eheleute Ehling zum unschönen Planungsfortschritt des RRX, einem irgendwann mal schnellen Zug durch NRW. Mit dem wĂ€re ich auch gerne gefahren, in diesem Leben …
PS zum ÖPNV in Beuel: die Stadtwerke Bonn spendieren Schwarzrheindorf einen Busshuttle (8 SitzplĂ€tze). Supergeheimen Informationen zufolge soll er nach dem fĂŒr Beuel zu grossen Politiker “Deus” benannt werden. Warum hat es einen Monat gedauert, vom Beginn des Bedarfs an bis heute? Weil es eine verschenkte PR-Gelegenheit gewesen wĂ€re. Damals hĂ€tte niemand Notiz davon genommen, als selbstverstĂ€ndlicher Serviceleistung – heute dagegen. Bemerkenswert: die zurecht begĂŒnstigten Alten in meiner Nachbarschaft werden ab 19 h abends zuhause eingesperrt. Ist halt “sicherer”.