Die Familien Ignatova, Windsor, Trump und Saud
Fangen wir bei klein und unten an, und arbeiten uns dann nach oben. Ruja Ignatova nötigt mir Respekt ab, wie es intelligente Bankräuber oder geerdete Mafiabosse in Kino- und TV-Filmen schon immer getan haben. Mit kärglichen 4 Mrd. hat sie zahlreiche Menschen aus der Welt der unersättlichen Gier abgezogen. Und jetzt soll sie verschwunden sein, obwohl (oder weil?) sie vom “FBI” gesucht werde. Die Story wird gewiss bald zur Streaming-Serie, an der Frau Ignatova, wenn sie tatsächlich so schlau ist, wie sie in dieser Story wirkt, noch einmal mitverdienen kann.
Weniger amüsant, was ein Spross der Waffenhändlerfamilie Windsor öffentlich zum Besten gegeben haben soll. Hat er nach dem Ableben des Mr. Epstein Angst um sein eigenes Leben? Zur Aufklärung trägt er bisher nichts bei, demoliert aber – immerhin, so viel Subversivität bringt er auf – das Ansehen seines Clans in der Weltöffentlichkeit. Hauptsache gut gekleidet.
Familie Trump wäre der Grösse nach vor den Windsors drangewesen. Aber sie ist meiner Theorie nach mit der schützenden Hand der Familie Saud zu addieren. Zunächst bemerkenswert diese kleine Agenturmeldung: der Donald musste ins Krankenhaus: er leide “an Übergewicht und einer – für sein Alter üblichen – Herzerkrankung.” Na dann ist ja alles klar. Unklar ist bis heute geblieben, wie der angebliche Superreiche bei den Steuerbehörden ständig Verluste angeben musste (ausser natürlich, wie wir alle, um Steuernzahlen zu vermeiden), warum er diese Unterlagen auf keinen Fall veröffentlicht wissen will, und ob das u.U. die Deutsche Bank als seine letzte Retterin ins Schleudern bringen könnte. Wenn Letzteres passiert, sind am Ende wir es, die alles bezahlen: die Deutsche Bank ist “systemrelevant”, d.h. bevor sie endgültig untergeht, wird die Bundesregierung sie retten, von unseren Steuern natürlich, auch wenn die Grossaktionäre chinesisch und katarisch sind. Auf keinen Fall darf auf solchen sensiblen Märkten Vertrauen zerstört werden, Sie verstehen?
Frauke Steffens/FAZ spekuliert, dass selbst die von Trump ernannten Richter im Supreme Court für ihn keine sichere Bank (haha, kleiner Scherz in diesem Zusammenhang) seien. Aber die Familie Saud wird es sein, deren treuester Freund der Donald bemüht ist zu sein. Sie ist wahrscheinlich die kapitalschwerste Familie der Welt, und entsprechend proportional zerstritten und nervös. Guido Steinberg/SPW erläuterte im DLF ihre Strategie. Wenig beleuchtet blieb dabei die Hypernervosität des Clans, dessen Mitglieder potenziell jederzeit bereit sein dürften, sich gegenseitig zu massakrieren – entsprechend despotisch regiert der geradezu jugendliche (34) Clanchef MBS.
Dass es die “Transparenzregeln” der internationalen Börsen sein sollen, die dazu führen, dass die Staatsfirma Saudi-Aramco nur im heimischen Riad an die Börse geht, was sagt uns das? Was wäre denn transparent, ausser dem Börsenkurs? Ach, das geht schon zu weit, wenn der nicht beliebig manipulierbar ist? 1,5% des Konzerns sollen an die Börse. Wovor haben die Angst? Stehen sie auf den Stühlen, wenn eine Maus reinkommt? Klassische Weiberfeigheit von Saudi-Männern? Boah, da will ich nicht dazwischen sein. Es geht wohl um viel mehr, als nur ein paar Aktien. Es sieht mehr nach Leben oder Tod aus. Oder Donald?

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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