Als Bürger, Wähler und Grünes Parteimitglied habe ich hier schon mehrmals Kritik an der Grünen Parteispitze geäussert. Nie in Zweifel gezogen habe ich ihre handwerkliche Professionalität in der Öffentlichkeitsarbeit. Das hat Robert Habeck mit seiner erforderlichen, und gelungenen Initiative zur Aufnahme minderjähriger Flüchtlinge (im Original nur hinter FAS-Paywall) am Wochenende bestätigt. Alle haben berechenbar auf ihn reagiert, und der Sache damit das ihr gebührende Gewicht gegeben.
Es lief ab, als habe Habeck beim Frühstück Robert Misik im DLF gut zugehört (Audiolink 12 Min.). Und zum vierten Advent exakt die richtige Idee zum Agendasetting unterm Weihnachtsbaum gehabt. Denn worüber werden die Familien im Wohlstandsdeutschland wohl sprechen – sofern sie sich überhaupt über politische Themen zu reden trauen, die bekanntlich den Familienfrieden gefährden können? (Tatsächlich werden FAS-Interviews natürlich früher geführt und ausgedacht.)
Der “Vorwurf” der “PR-Aktion” durch die Parteienkonkurrenz fällt auf die Vorwerfer zurück. Die humanistische Bedeutung des Themas kann niemand bestreiten. Und dazu hatte auch niemand eine bessere Idee als Habeck. Oder sie ist halt niemand zu diesem Zeitpunkt rechtzeitig eingefallen. Habecks Vorstoss beweist, dass sich Sonntagsarbeit lohnt. Jedenfalls für Politiker*innen. Wenn es für einen guten Zweck ist, umso besser.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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