Gestern Abend am Stammtisch machten Gerüchte die Runde. Polizei und Staatsanwaltschaft hatten bekannt gegeben, dass, nachdem “keine technischen Defekte” hätten festgestellt werden können, nun auch gegen den Fahrer ermittelt werde. Das klingt etwas unangemessen nach Richtungswechsel. Und ist in meinen Augen Produkt zu hastiger Öffentlichkeitsarbeit. Und technischer Unkenntnis der Lage im Wagenpark und in den Werkstätten – Dankgebete dafür bitte an die “Schwarze Null” und “Schuldenbremse”. Es ist grundsätzlich immer schlecht, wenn die PR-Abteilung die Ermittler*innen unter Druck setzt, statt sie ihre Arbeit machen zu lassen, und zwar in alle Richtungen. Wasserstandsmeldungen erleichtern schlagzeilen- und klickgierigen Medien das Geschäft – aber sonst niemandem.
Darum referiere ich hier auch nicht die Gerüchte, die ich gestern gehört habe – solche, die über ein halbes Dutzend Ecken von den aktiven für die Rettung verantwortlichen Fahrgästen stammen sollen. Beuel ist halt auch nur ein Dorf in der Stadt. Gestern am Stammtisch gerieten wir in Streit, ob Medien solche Gerüchte berichten, und damit verbreiten sollen. Ich meine: Nein. Das Profitstreben ihrer Besitzer*innen und der Karriereehrgeiz ihrer Macher*innen treibt sie sowieso schon übermässig dazu an. Im Ergebnis führt das zur sozialen und alltagskulturellen Freiheitsberaubung für Beschuldigte, die sich noch als unschuldig erweisen können, aber davon dann nichts mehr haben. Bei dieser Art Abschaffung von Grund- und Bürger*innen*rechten mag ich nicht mitmachen.
Die Polizei soll ihre Arbeit machen. Ebenso Staatsanwaltschaft, Bezirksregierung, und endlich, endlich auch die Stadtwerke Bonn Bus&Bahn. Ein Gericht wird urteilen. Und am Schluss haben wir hoffentlich alle was davon.