Virusgebrabbel
Der Kalte Virus-Krieg ist in vollem Gange. China ist nach eigenen Angaben schon “über den Berg”, in den USA geht es gerade erst los, Europa ist das Zentrum des Geschehens – das hat es ja schon immer geglaubt. Bulgan Molor-Erdene/telepolis referiert die staatlichen Verschwörungstheorien Chinas und der USA, wer schuld sein soll. Überraschung: es sind immer die Andern. Von Europa aus betrachtet, sich neutral dünkend, kann mann sich auf den Standpunkt stellen: beide warens, nur “wir” nicht. Immerhin erscheint es mir spektakulär – ich fand es nur in der Jungen Welt, wird es offziös ignoriert? – dass China bereits Virenbekämpfungs-Entwicklungshilfe in Italien leistet, eine brutale öffentliche Blamage der EU, so sieht das jedenfalls für mich aus.
Werner Bartens/SZ, ausgebildeter Arzt und talkschowerprobter Gesundheitsjournalist, warnt, ähnlich wie ich, vor dem Zuhausesitzen kombiniert mit Grübeln: das schwächt die Immunabwehr, und macht es jedem Virus leicht.
Doch jetzt zu meinem Lieblingsthema, den Fußballoligarchen. Der Deutschen Fußball-Liga ist es nur knapp, um wenige Stunden rechtzeitig, gelungen, sich nicht global-blamabel zum profitgierigen Affen zu machen. Das wäre passiert, wenn sie an diesem Wochenende einen Geisterspiel-Spieltag durchgezogen hätte, nur um ihre teuren TV-Verträge zu erfüllen und den Cash fliessen zu lassen. Dank der vor kurzem erfolgten Verschiebung der Machtverhältnisse in der DFL, zuungunsten des Konzerns im süddeutschen Raum und der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA, siegte die Vernunft. Aki Watzke liess seinen inoffiziellen Pressesprecher Freddie Röckenhaus/SZ lesbar mit den Zähnen knirschen. Ihr westfälischer Landsmann und gebürtiger Lippstädter Rummenigge hatte das schon am Vortag vor allen Mikrofonen, die nicht rechtzeitig auf den Bäumen waren, getan. Verbal schieben die Herren ihr geheucheltes Mitleid mit den ach so bedrohten “kleinen” Vereinen vor, deren Liquidität jetzt bedroht sei. In Wirklichkeit haben sie nur Mitleid mit sich selbst. Denn sie haben die exorbitantesten Fixkosten von allen, und wissen genau, dass niemand mit ihnen Mitleid haben wird. Das schätzen sie richtig ein. Dieses Schauspiel ist eine der wenigen “schönen” Seiten, dieser Epidemie.
Wir werden nach ihr um Vieles schlauer sein.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger@extradienst.net