Israel schafft Fakten im Schatten der Krise
Die weltweiten Ausgaben für Rüstung und Mordwerkzeug steigen in einem Mass, wie seit 10 Jahren nicht mehr. Das meldet das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri. Deutschland ist auf den 7. Platz vorgerückt. Was könnte in dieser Zeit auch wichtiger sein, als den Aufforderungen des ehrwürdigen Präsidenten der USA nachzukommen? Hier finden Sie eine deutschsprachige Meldung der FAZ, hier die Original-Mitteilung des SIPRI, und hier den kompletten SIPRI-Bericht (beides in englischer Sprache).
Komisch, dass die Welt derzeit andere Sorgen hat, oder? Diese Gelegenheit gedenkt nun auch die neue Regierungskoalition in Israel auszunutzen. Der Bericht von FAZ-Korrespondent Jochen Stahnke erweckt den Eindruck, als habe der strafrechtlich verfolgte Benjamin Netanyahu die Überreste seines Koalitionspartners komplett über den Tisch gezogen. Das vereinbarte Jobsharing für den Ministerpräsidentenposten dürfte sich in der verräucherten Luft zukünftiger bewaffneter Konflikte und Notstände auflösen, wenn die hier angedeutete Politik umgesetzt wird.
Anders als hierzulande hat sich gesellschaftliche Opposition in Israel noch nicht aufgelöst, wie aus Stahnkes Bericht hervorgeht. Sie scheint auch den harten Begriff der “Apartheid” nicht mehr zu scheuen – mir fehlt es an Sachkenntnis der Lage in Israel/Palästina, aber ich habe da persönlich noch eine verinnerlichte Hemmung, weil ich über mörderische Apartheid zuviel gelernt habe.
Im deutschen Wasserglas gab es zu der Streitfrage, wann im öffentlichen Diskurs Antisemitismus beginnt, ein elaboriertes Stürmchen, das sich den kamerunischen in Südafrika arbeitenden Wissenschaftler Achille Mbembe als Gegenstand suchte – “gemeint” war vielleicht nur Ruhrtriennale-Chefin Stefanie Carp. DLF-Kultur-Redakteur René Aguigah hat das sehr engagiert begleitet: wenn es Sie ernsthaft interessiert, lesen oder hören Sie hier, hier, hier und hier.