Nach wie vor fehlen sichere Masken und die App

Hierzulande hat die Corona-Pandemie Besorgnisse geweckt, aber keine Panik ausgelöst. Dabei gibt es Grund genug, mehr als nur besorgt zu sein. Seit drei Monaten ist bekannt, dass vom Corona-Virus große Gefahr ausgeht. Doch bis heute gelingt es den 17 deutschen Regierungen, den 17 Gesundheits- und 17 Wirtschaftsministern, ihren Verwaltungen und der deutschen Wirtschaft nicht, den Bedarf an sicheren Schutzmasken zu decken.

Kein ausreichender Schutz

Ob es an Trägheit, Dummheit oder Hilflosigkeit liegt: Dass Europas stärkste Wirtschaftsmacht die Massenfertigung der Schutzmaske, eines Cent-Produkts, über Wochen nicht zustande bringt – diesen Skandal nehmen die Bürger erstaunlich gelassen hin.

Dabei war dieses Defizit einer der Gründe, warum die Regierungen in Bund und Ländern das öffentliche Leben und die Wirtschaft rigoros abwürgten, – eine Maßnahme, die viele Menschen in große Bedrängnis brachte. Mit ausreichenden Schutzvorkehrungen wäre der „Shutdown“ in diesem Ausmaß wohl nicht nötig gewesen.

Ab heute herrscht Maskenflicht. Dass offizielle Stellen zunächst abrieten, Masken zu tragen, ist nur mit ihrem Mangel zu erklären. Die Regierungen konnten zu Beginn der Krise Masken nicht vorschreiben, wie es geboten ist, weil kaum welche verfügbar waren.

Äußerste Vorsicht geboten

Wenn CDU-Gesundheitsminister Spahn sagt: „Wir werden in ein paar Monaten wahrscheinlich viel einander verzeihen müssen“ , dann gewiss auch dies: dass versäumt wurde, den Mangel an Masken rasch zu beheben. Dass versäumt wurde, die App schnell einzuführen, die in Asien gegen die Pandemie gute Dienste leistet. Dass auch versäumt wurde, Konsequenzen aus dem Gutachten zu ziehen, das der Bundestag zum Thema Pandemie 2013 veröffentlichte. Diese drei Unterlassungssünden haben viele Leben gekostet – und, nebenbei gesagt, jede Menge Geld.

Der Mangel an Schutzmaterial wird abnehmen, aber den Umgang mit der Pandemie weiterhin prägen. Die Beschränkungen können nur behutsam gelockert werden. Selbst kleinste Schritte müssen mit großen Mahnungen begleitet werden. Äußerste Vorsicht ist geboten, denn nach wie vor fehlen die App und anderes Schutzmittel.

Man muss es sich vor Augen führen: In der hoch entwickelten deutschen Volkswirtschaft schreiben Politiker den Gesichtsschutz vor – und empfehlen den Bürgern, ihn sich selber zu basteln oder sich einen Schal vor das Gesicht zu halten – wohl wissend, dass dieser Schutz seinen Träger vor dem Virus gar nicht schützt. Das ist mehr als nur kurios oder bizarr. In den Umfragen bewertet die Mehrheit der Bürger die Arbeit der Regierungen positiv. Dieses Urteil ist nur zu verstehen als Ausdruck großherzigen Verzeihens.

Dieser Beitrag ist eine Übernahme aus dem Blog des Autors, mit seiner freundlichen Genehmigung.

Über den/die Autor*in: Ulrich Horn (Gastautor)

Dieser Beitrag ist ein Crosspost aus "Post von Horn", dem Blog von Ulrich Horn. Wir bedanken uns für die freundliche Genehmigung zur Wiedergabe seiner Beiträge im Beueler-Extradienst.