Klima / Unser Bastard Mali / Mauern / Torwart im Widerstand
Spiegel-Leser*innen wissen weniger. Ist Hamburg auf einem anderen Planeten? Dort halluzinieren sie “Klimawandel im Aufmerksamkeitstief”. Wo mag das sein? Wieviel Grad ist bei Ihnen? Bei mir in Mitteleuropa sind es 38. Der Pegelstand unseres Flusses ist um 1 m auf 2,50 m gestiegen, wg. Überschwemmungen in seinem südlichen Einzugsgebiet. Die Wassermengen fliessen ohne langen Aufenthalt durch, weil der Boden am Ufer steinhart-trocken ist, und es nicht mehr aufnehmen kann. Unsere Stadtbäume sind gelb und braun, nicht wenige sterben. Hier ist es aber – für uns Menschen noch – gar nicht schlimm, sondern schlicht Sommer. Schlimm ist es überall woanders.
Anders als der Spiegel ist der Deutschlandfunk auf der Höhe des Geschehens. Bei DLF-Kultur schwärmt ein “Wildtierreferent” der Berliner Senatsverwaltung von der Wildnis in der Stadt. Hmm, Geschmackssache, würde ich meinen. Das “Wochenendjournal”, trotz Sommerloch keine Wiederholung, sondern topaktuell, ging um “Heiße Betonwüste? Klimawandel in der Stadt” (Audio 40 min), Autorin Lisa Rauschenberger. Sie hat sich u.a. in Köln und Hamburg informiert, und dabei auch Interessenwidersprüche nicht aussen vor gelassen, wenn es um Wohnungsbau versus Grünflächen geht (Billwerder in Hamburg). Meine These: agroindustrielle Flächen sind jedenfalls nicht wertvoller, als fachgerecht begrünte städtische Wohnflächen. Bei Wohnflächen wiederum ist nicht ihr Umfang entscheidend, sondern ihr (Miet-)Preis. Luxuswohnungen gibt es mehr, als bewohnt werden können. Was fehlt, sind bezahlbare, preisgünstige Wohnungen. Dieses Problem ist nicht durch kapitalistische “Markt-“Wirtschaft lösbar, sondern nur durch Daseinsvorsorge, durch Politik. Doch wo wird die angeboten, wenn sich selbst rot-rot-grüne Landesregierungen vor kriminellem Kapital auf den Rücken legen? Sollen die Leute alle solchen Leuten (ein DLF-Interview mit ihm wurde heute morgen live gesendet, findet sich aber nicht im Onlineangebot, so what?) in die Arme laufen?
Unser Bastard Mali
Mali spielt für die Bundesregierung eine ähnliche Rolle wie das Erdogan-Regime. Es soll Flüchtlinge und Migrant*inn+en einfangen und aufhalten. Wie ist egal. Entscheidend ist, was unten rauskommt. Mit diesem Auftrag sollen Bundeswehrsoldaten malische “Sicherheits-“Kräfte ausbilden, bzw. ihnen behilflich sein. Das Beste daran ist, dass in diesem aktuellen Bericht von Charlotte Wiedemann/taz aus Mali diese Bundeswehrleute gar nicht vorkommen. Alles Andere sind grausam-schlechte Nachrichten.
Mauern gegen Fakten
Die Süddeutsche Zeitung ist gewiss führend in aufgedrehter Aufregung über faktenfreie Verschwörungstheorien. Schliesslich weiss sie immer Bescheid. Ihrem Medizin-Autor Werner Bartens unterstelle ich das wahrhaftig. ist er doch ausgebildeter Arzt, und auch im Angesicht politischer Strategien von schneller Auffassungsgabe. Als ich nun seinen Text über einen Grippevirus lesen wollte, dessen erfolgreiche Bekämpfung durch die Immunabwehr sich später auch positiv auf die Abwehr von Covid-19 auswirken solle, da hielt mir der Verlag der SZ eine digitale Pistole auf die Brust: entweder Daten raus, oder Schluss mit Lesen (wohlgemerkt: der Text war nicht als “SZplus” = hinter der Paywall gekennzeichnet). Jeder Verlag hat halt seine eigene Strategie, sich entbehrlich zu machen.
Oppositioneller Fußballprofi
Ein baskischer Torwart macht vor, was zeitgemässer oppositioneller Widerstand ist: Kepa Arrizabalaga. Für 80 Mio. ist er von Bilbao zu Roman Abramowitschs Chelsea gewechselt, dessen Londoner Kapitalanlagen auf rätselhafte Weise jede Geheimdienstkrise zwischen der Tory- und der Putin-Regierung schadlos überstehen. Der gute Kepa kassiert 220.000 in der Woche, und zeigt Abramowitsch, wie er ihm wehtun kann. Denn sein Vertrag läuft bis 2025! Umverteilung, preiswürdig.