Beueler-Extradienst

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Wer hat dich nur so ruiniert?

Betriebsklima und Unternehmenskultur in NDR und WDR
Als Extradienst-Gastautor Hans Conrad Zander mir zum ersten Mal im WDR-Programm auffiel (“Rotkohl – das Magazin der Jungkonservativen Bewegung Deutschlands”, mit Georg Bungter), war der WDR für mich noch ein Leitmedium, mit der Anmutung eines Kreativitäts-Treibhauses, mit zeitweiligen Anwandlungen von Widerständigkeit. Zanders unwiderstehliche schweizerische Intonation würde heute niemand mehr ans Radiomikrofon lassen. Darum ist heute ist das meiste Versendete schnell wieder vergessen. Irgendjemand mit Leitungsaufgaben hat sich irgendwann ausgedacht, dass Redakteur*inn*e*n und Autor*inn*en ihre eigenen Texte nicht mehr selbst vortragen, sondern das professionellen Sprecher*inne*n überlassen müssen.
Die Sprechschule des WDR hatte schon immer einen überragend guten Ruf. Der verbreitete sich dadurch, dass sie nuschelnde und nörgelnde Texter*innen in Menschen verwandelte, deren Sprechen frau*mann zuhören mochte. Erschien das irgendwann als einzusparender Aufwand? Muss wohl. Denn ebenso epidemisch breiten sich die nahezu kostenlosen Call-in-Sendungen aus: die Zuhörer*innen schwätzen kostenfrei drauflos, und Honorare für Texter*innen fallen keine mehr an. Dieses Prinzip hat der Datenkapitalismus dann perfektioniert. Aber ich schweife ab.
Noch gewichtiger ist in der Gegenwart des Senders, wie wenig es dem Haus und seiner Führung gelingt, praktische Lehren aus seinen #metoo-Fällen zu ziehen. Boris Rosenkranz/uebermedien (endlich paywallfrei) und René Martens/Medienkorrespondenz berichten. Wenn Sie das von den beiden geschätzten Kollegen beschriebene Geschehen irgendwie an die deutsche Impfpolitik erinnert, dann geht es Ihnen so ähnlich wie mir. Und was WDR-Rundfunkrätin Karin Knöbelspies schon vor drei Jahren analysierte, und im Rundfunkrat nur wenige überhaupt hören wollten. erweist sich heute nicht nur als Analyse, sondern als Orakel – das, was sich die Urheberin am wenigsten gewünscht hat.
NDR – die unanständige Anstalt
Damals, als ich Zander für mich entdeckte, gab es noch Leute im WDR, die hätten sogar (selbst-)kritisch über die Kontroversen im eigenen Haus zu berichten gewagt. OK, nach meiner Erinnerung waren die, die das wagten, nicht sehr lange in ihrem ausgeübten Job. Heute findet das nicht mehr öffentlich und damit partiell transparent ab, sondern klandestin und intrigant. So spielen sie es im NDR gegen eine Dokumentarfilmerin, die sie in Fallen gelockt haben, um sie anschliessend heldenhaft erledigen zu lassen.
Sabine Rollberg/Medienkorrespondenz, Hochschullehrerin der Filmerin, wirft sich für sie ins Mediengefecht. Ich weiss, dass ich nicht immer den gleichen Filmgeschmack habe, wie Frau Rollberg. Wir sprachen mal kurz miteinander, als sie noch für Arte arbeitete. Aber diese Frau bringt mehr Anstand auf, als der ganze NDR zusammen. Das ist irgendwie so ähnlich, wie mit Frau Merkel und der CDU. Ist das nicht komisch?

2 Comments

  1. klemens roloff

    Beim Folgenden handelt es sich nicht um eine Intervention der Pressestelle des Westdeutschen Rundfunks. Aber, so viel Zeit muss sein: Die Aussage „Zanders unwiderstehliche schweizerische Intonation würde heute niemand mehr ans Radiomikrofon lassen“ ist unzutreffend.

    Richtig ist vielmehr: Zuletzt am 31. Januar 2021 erinnerte der WDR in der Sendung „ZeitZeichen“ an den katholischen englischen Verschwörer Guy Fawkes, der im Jahr 1605 mit einem Sprengstoffanschlag versucht hatte, König und Regierung samt Ober- und Unterhaus und alle Bischöfe der Kirche von England bei der Parlamentseröffnung aus Westminster in die Luft zu sprengen. Autor des Beitrags und von ihm selbst gesprochen: Hans Conrad Zander.

    Die Suche nach „Hans Conrad Zander“ in der Suchfunktion auf der WDR-Website ergibt derzeit 39 Treffer. Einer seiner Beiträge für die Sendung „ZeitZeichen“ zum Geburtstag des französischen Königs Ludwig XIV. („Der König stinkt“) wurde von den Hörer*innen so oft als Manuskript angefordert, dass er anlässlich einer Jubiläumssendung wiederholt wurde
    (https://www.youtube.com/watch?v=cn584F5ChVs ).

    • Martin Böttger

      Ja, lieber Klem. Sie würden es (bisher) nicht wagen, den Zander (Jahrgang 1937) jetzt noch rauszuschmeissen. Weil sie die fanatische Zeitzeichen-Fangemeinde, der sie in der Vergangenheit schon einiges zugemutet haben, fürchten. Das ist gut so. Aber ein 20- oder 30-jähriger “Zander”, der müsste einen Job woanders suchen. Und so ist auch das Programm-

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