Gestern bemerkte es sogar der Spiegel, und heute folgte eine gut informierende Analyse der FAZ-Korrespondenten, was Thomas Pany/telepolis schon vor knapp einer Woche berichtete. Dass deutsche Leitmedien anspringen, liegt vermutlich daran, dass einige Spin-Doktor*inn*en sie darauf gestupst haben; selber merken (oder gar recherchieren) tun sie ja leider nur in Ausnahmefällen. Die genannten Spin-Doktor*inn*en würde ich in der Biden-Administration verorten, die einiges ändert, nicht Weniges zum Besseren.
Dass die Despoten der Sauds und des Iran zum Miteinanderreden genötigt werden, ist zweifellos einer der grössten Fortschritte. Wenn sich die israelische Netanyahu-Regierung und die scharfmachenden iranischen Revolutionswächter darüber beschweren, muss ziemlich viel daran gut, richtig, sogar fortschrittlich sein. Wie FAZ-US-Korrespondent Sattar in einem weiteren Text hinter Paywall berichtet, stellen sich nun neue Anforderungen an die unter dem gegenwärtigen Aussenminister weitgehend eingeschlafene deutsche Aussenpolitik und Diplomatie. Ein schönes Zitat aus dem mit “Biden-Regierung verstimmt: Ein neues ‘German problem’?” überschriebenen Text: “In Washington heißt es: Deutschland wolle stets für die EU sprechen, es spreche aber nicht für die EU.” Dabei wird die Chinapolitk von den USA als weit grösserer Dissens betrachtet, als Northstream2, im Vergleich eine Kleinigkeit.
Der Bolsonaro Indiens
Wie konnte sich die Corona-Pandemie in Indien zur gegenwärtigen Katastrophe auswachsen? Auch in der Antwort darauf hatte Thomas Pany/telepolis die Nase mit einem Tag Vorsprung vor der FAZ, mit einer ausserdem erhellenderen Analyse. Was dem Bolsonaro-Faschismus seine Evangelikalen und Pfingstkirchler, ist der indischen Modi-Regierung ihr Hindufaschismus. Beide sind bereit, dafür über – bisher – hunderttausende Leichen zu gehen. Ihre Tränensäcke bleiben verschlossen. Mann wäre versucht, dagegen in den Krieg zu ziehen. Dieser Weg ist mit den heutigen Technologien keine Option mehr. Er muss sogar aktiv verhindert werden. Umso mehr wachsen die Anforderungen an aktive Solidarität, an Teilung von Wissen, Technologie und Reichtum, an Aussenpolitik und Diplomatie.
Ich habe eine seltsame Kindheitserinnerung an die 60er Jahre, als das Fernsehen noch schwarzweiss war, und wir zuhause nur ein Programm hatten, auf dem Gerät das Omma und Oppa uns überlassen hatten. Sonntags gabs immer eine Sportschau I und Sportschau II, in denen wichtige Spiele der Regionalligen (Essener Stadtderbys, die Westmeisterschaft von Borussia Mönchengladbach 1965, damals alles 2. Liga) gezeigt wurden. Dazwischen lief, damals schon, der Weltspiegel. Damals wurde ich besser und öfter über Indien informiert als heute. Wie ist das möglich? Eine Frage an deutsche Intendant*inn*en und Zeitungsverlegermilliardärsfamilien.
Datendiebe streiten um die Beute
Gleich unter dem Über-Leichen-gehen rangiert die obszöne Anhäufung von Reichtum und Profit. Ich erwähnte schon, wie reaktionär die Klassenkämpfer von oben den sozialen Fortschritt zurückschrauben wollen. Die strategische Chance von uns hier unten ist, dass sie sogar bereit sind, gegeneinander in den Technologie-Krieg zu ziehen. Ihre deformierten Akteure sind spaltbar. Noch wichtiger wäre es, sie zu enteignen.
Obszönität Metzelder
Wer bin ich, den Kerl zu verteidigen? Dafür habe ich keinen Grund. Zweifel erzeugt weiterhin, dass er sich Bild zum Feind gemacht hat, und die Hauptzeugin gegen ihn, sich von dem verbrecherischen Blatt hat einspannen lassen. Und, was noch diskreditierender ist, die Ermittlungsbehörden auch. Das bleibt unerwähnt in dem ansonsten recht fair geratenen Bericht von Frank Preuß/Funke-Mediengruppe. Folge von Kartellabsprachen der übersichtlichen Zeitungsverlegermilliardärsfamilien.