Wollen die Werbetreibenden ihrer Zeit voraus sein oder nur im Trend liegen? „Es ist nicht einfach, grün zu sein, aber das sind große Dinge nie.“ Was sich als Zwilling des Mottos der fraglichen Partei liest, ist ein Slogan, mit dem ein Tennisschuh beworben wird, der zudem „jetzt noch nachhaltiger“ sei – vom Hersteller adidas, der immer auf Seiten der Gewinner war: Bayern München, deutsche Weltmeister (1954!), Olympia-Sieger. Ob sich darob das schwarze Umfeld des Konzerns – immerhin ist die CSU mit dem Münchner Verein fest verbandelt – schwarzärgert?

Den Grünen wird’s egal sein. „Jede Zeit hat ihre Farbe“ lautete im Herbst die Parole ihres Parteitags. Eine so sympathische Konnotation hatte Grün früher nicht. Niemand wollte sich anhören, noch „grün“ hinter den Ohren zu sein. Die Grünen schon gar nicht.

Michel Pastoureau, ein französischer Wissenschaftler, hat die Symbolik von Farben erforscht – im Wandel der Zeiten. Vom 11. Jahrhundert an habe der Aufstieg der Farbe Blau begonnen: Marien- und Königsmäntel, die Farbe der Seeleute bis hin zu den Vereinten Nationen („Blauhelme“) und der Europäischen Union. In Zeiten der Reformation galten Rot, Gelb, Grün als verderbt, hingegen Schwarz, Weiß und Blau als züchtig. Nun denn.

Farben wird eine Bedeutung zugeschrieben, die über Kolorierung hinaus in den Bereich des Politischen hineinragt. Rot – Farbe für Liebe und Fortschritt. Doch auch für Stopp, Verbot und Gefahr. In Corona-Zeiten schränkt die „rote Ampel“ das Leben mehr ein als bloß den Straßenverkehr. Ein zusätzlicher Wettbewerbsnachteil für die SPD, nur vermeintlich gänzlich unpolitisch?

Ist nun auch Schwarz auf dem Weg ins Abseits? Die Farbe von Trauer, des Betrugs (Schwarzgeld, Schwarzfahren), der Niedergeschlagenheit (Schwarzsehen). Auf der Sonnenseite: Die Grünen. „Sofort auf Grün“ wirbt E.ON. „Was ist groß, grün und nimmt immer mehr Raum ein?“, fragt empathisch die Deutschen Bahn. Grünen Stahl gibt es auch. Sogar auf Aldi Süd ist Verlass. Zu lesen an Griffen von Einkaufswagen: „Fleischlos? – Glücklich!“

Die Schwarzen haben eingesehen: Häme über den Veggieday ist aus der Mode. Eigentlich sind sie ja Erfinder der Grünen von heute. Die Boxhandschuhe einer blonden Schönheit (Slogan: „Komm aus Deiner linken Ecke“), mit der die CDU in den 1970er-Jahren die Roten attackierte, waren – grün. Annalena Baerbock beherzigt das dermaßen, dass es CDU und SPD ganz schwindelig wird.

Über den/die Autor*in: Günter Bannas (Gastautor)

Günter Bannas ist Kolumnist des Hauptstadtbriefs. Bis März 2018 war er Leiter der Berliner Redaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Seine Beiträge im Beueler-Extradienst sind Übernahmen aus “DER HAUPTSTADTBRIEF AM SONNTAG in der Berliner Morgenpost”, mit freundlicher Genehmigung des Autors und der Redaktion. © DER HAUPTSTADTBRIEF