Die Magie von Katja & Katrin erinnert an das China Mao Zedongs
Der General-Anzeiger verrammelt 90% seiner digitalen Inhalte hinter einer ihm von der Konzernmutter Rheinisch-Bergische Verlagsgesellschaft mbH aufgebrummten Bezahlmauer. Die Gastronom*inn*en, die ihn ausliegen hatten, haben ihn nach den Corona-Lockdowns nicht mehr neu abonniert. So bleibt nur der Zeitschriftenladen Struck, der täglich vier GA-Seiten, darunter den Lokal-Aufmacher und die Beueler Seite, öffentlich im Schaukasten aushängt.
Letzteres erinnert an die Medienpraxis im maoistischen China der 60er Jahre, als das Volk durch Wandzeitungen über die Tagesbefehle der Kommunistischen Partei unterrichtet wurde. Der Bonn-Aufmacher des GA bildete die Oberbürgermeisterin Katja Dörner und die neugewählte Grüne Bundestagsabgeordnete Katrin Uhlig arm-in-arm-jubelnd ab, mit recht vielen Buchstaben drumherum. Ich hätte es auch schnell gelesen. Nur leider hatte sich eine Warteschlange gebildet, eingezwängt von parkenden Blechkisten auf dem ehemaligen Fussweg. Ein junger dunkelhaariger Mann mit gepflegtem Bartwuchs (Typ Latin Lover) drückte sich die Nase platt; hinter ihm wartete ein Herr, der noch beträchtlich älter als ich war und ist. Es war also mit einer Wartezeit nicht unter 20 Minuten zu rechnen. Ich verzichtete.
Mein Vorschlag an die diese Stadt Regierenden
Wenn Sie glauben, mit einer freundlichen, ausführlichen Berichterstattung in der örtlichen Monopolzeitung sei ihre Öffentlichkeitsarbeit erfolgreich getan, dann irren Sie sich. Über die Hälfte Ihrer Bürger*innen liest überhaupt keine Zeitung, also auch diese nicht. Der Nutzwert ihrer Berichterstattung entspricht nicht dem geforderten Kaufpreis – bei keiner Zeitung. Der digitale Verkaufspreis ist lediglich bei den anfänglichen Lockangeboten attraktiv. Wer vergisst, rechtzeitig wieder zu kündigen, wird unverhältnismässig zur Kasse gebeten. Und hat ausserdem sowieso schon mit seinen Daten bezahlt. Dieses Geschäftsmodell befindet sich mitten im Untergang, vergleichbar dem sog. “Volkspartei”-Modell.
Wenn Junge (und alte) Grüne nun glauben, das liesse sich durch spektakuläre Schulhofraufereien in asozialen Konzernnetzwerken kompensieren, irren sie ebenfalls. Und wenn die regierende Stadtratsfraktion glaubt, mit der Veröffentlichung von gemeinsamen Pressemitteilungen der Ratskoalition auf ihrer Homepage sei das Wesentliche erledigt, irrt sie nicht weniger als die Vorgenannten.
Meine Empfehlung: macht einen täglich aktualisierten Meinungs- und Diskussionsblog, ähnlich dem Extradienst, aber natürlich weit vielfältiger und professioneller: also mit Bildern, mit Videos, mit Podcasts, all dem, was Ihr viel besser könnt als ich (keine Ironie!). Seid neugierig, reagiert zügig und authentisch auf Kritik, nehmt die Leser*innen und Zuschauer*innen ernst. Ihr könntet so nicht nur verkünden, sondern auch lernen. Schludert nicht in der Qualitätskontrolle, erst durchdenken, dann klicken. Macht gerne auch was komplett Anderes/Besseres. Und natürlich müssen Eure Mandats- und Amtsträger*innen auch in den asozialem Medien auffindbar und ansprechbar sein. Aber achtet darauf, dass Ihr über einen autonomen von Euch und niemand anderem kontrollierten Ausspielweg verfügt.
Jedenfalls, wenn Ihr wiedergewählt werden wollt.