Saarland & Berlin
1955 ist etwas gründlich schiefgelaufen. In einer Volksabstimmung im Saarland, die der französische Ministerpräsident gefordert hatte, und für die Konrad Adenauer zuvor bitterlich von der Opposition und Parteifreunden kritisiert wurde, stimmten knapp über zwei Drittel der Saarländer*innen gegen das “Saarstatut” (hier der entsprechende Wikipedia-Eintrag). Das haben wir nun davon. Ein Bundesland kleiner als Köln, aber mit doppelt so viel Streitlust.
Der ehemalige Ministerpräsident des Landes, heute Fraktionsvorsitzender der sich anmassend “Die Linke” nennenden Partei, rief zur jüngsten Bundestagswahl dazu auf, seine Partei auf keinen Fall zu wählen (er meinte selbstverständlich “nur im Saarland”, aber das wurde gerne weggekürzt, und beim Wählen vergessen). Die Grünen machten es so ähnlich: vorsichtshalber konnte die niemand wählen, auch wenn er*sie gewollt hätte, weil sie keine gesetzmässige Kandidat*inn*nominierung hinkriegten.
Und nun treten die einst treuesten Merkel-Getreuen im Bundeskabinett ihrem Kanzlerkandidaten wirkungsvoller in den Rücken, als es selbst Markus Söder vermocht hätte. Das muss eine*r erst mal bringen. Nunja, von Frau Kramp-Karrenbauer berichtet die FAZ, die es ja wissen muss, dass sie sich saarlandtypisch mit Frau Merkel “überworfen” habe. Was sonst?
Da will mann nicht dazwischen sein. Schade nur, dass es sich im Saarland angeblich sehr gut Essen und Trinken lässt. Vielleicht wäre 1955 Frankreich doch die bessere Lösung für alle Beteiligten gewesen.
Berlin
Die Berliner*innen haben jetzt Angst, dass ihre Kinder von den Wölfen gefressen werden. Die haben zwar noch nicht den S-Bahn-Ring, aber den Autobahnring überwunden, und sind “drin”. Autobahnen sind für Wölfe der lebensgefährlichste aller Gegner. Wenn weiterhin kein Tempolimit kommt, ist das das wirkungsvollste Mittel gegen die Wolfsvermehrung. Diese Sorgen wollte man haben.
Grössere Sorgen machen den Berlinerinnen (Männer mitgemeint), die in der Krankenpflege arbeiten, ihre Arbeitsbedingungen und ihr angesichts explodierender Wohnungsmärkte mickriges Gehalt. An der Charité immerhin hat sich was getan, aber der landeseigene Vivantes-Konzern kriegt politisch den Arsch nicht hoch. Schlechte Krankenhäuser töten entschieden mehr Menschen als Wölfe, verursachen aber weit weniger Aufregung in Massenmedien. Wann hat denn der Letzte überhaupt ein Kind gefressen?