Isabell Beer kannte ich bisher nicht. Sie arbeitet bei funk, dem Jugendangebot von ARD und ZDF. Ich gehöre also nicht zur Zielgruppe. Ihr heutiger Beitrag bei uebermedien “Hasskommentare – Mein Leben mit der Ablehnung” hat mich sehr angerührt. So, wie sich Frau Beer hier öffentlich öffnet, würde ich es nur nach langem Überlegen unter engsten Freund*inn*en tun. Und das bei viel geringerer Normabweichung, als alter weisser Mann.
Frau Beers Mut ist enthusiastisch zu begrüssen. Denn was sie aus ihrem eigenen Kindheits- und Jugenderleben schildert, ist kein Einzelfall, sondern Massenphänomen. Das war es schon lange bevor dieses gruselige Internet zur Verfügung stand, das heute fälschlicherweise als Ursache, statt lediglich als Medium bewertet wird. Es macht Dinge sichtbarer, die schon seit Jahrhunderten, z.B. auf allen Schulhöfen dieser Welt, schwelen. Die Kinder adaptieren mit ihrem asozialen Verhalten die Gesellschaft, in der sie aufwachsen, und zwar sehr intelligent. Das böse Internet führt jetzt endlich zur Bearbeitung dieses Verhaltensmülls, wie es Frau Beer mustergültig vormacht. Es bleibt etwas zu wenig (selbst-)analysiert, wie sie aus dem Elend ihrer frühen Jahre so erstarkt herausgefunden hat. Aber sie zeigt: es ist möglich. Das ins Licht der Öffentlichkeit zu holen ist Fortschritt, und geeignet viele weitere stärker zu machen.
Kindesmissbrauch durch Immobiliemilliardäre
Aus dem nächsten Buch des Stadtentwicklungsforschers Andrej Holm veröffentlicht die Junge Welt einen Vorabdruck: Revanche der Bourgeoisie – Die Stadt als Beute. Seit 1990 holen sich die Wohnungseigentümer zurück, was ihnen laut kapitalistischer Logik schon immer gehört hat”. Er porträtiert die Unverfrorenheit des schwedischen Immobilienmilliardärs Akelius, der weinende Kinder vorschiebt, die er wegen Profitmangels nicht mehr mit seinem Geld zuscheissen könne. Schwedische Milliardär*inn*e*n bauen auch hier in Beuel bei mir um die Ecke; die sind etwas diskreter als dieser Akelius.
Gestern erst wurden “behinderte Kinder” vorgeschoben, um in der WDR-Lokalzeit Bonn die Produktion von Fluglärm tränenreich zu propagieren. Da rollen sich meine Fussnägel auf. Nachdem ich und die meisten Beueler*innen, bereitwillig den Fluglärm ertragen habe, der durch Hilfseinsätze für die Flutopfer an Ahr und Erft hervorgerufen wurde. Gut kommentiert wurde solcher Kindesmissbrauch hier (Video ab Minute 18:40). Wenn Bundeskanzler Olaf anfängt, auch Kinderschädel zu tätscheln, wissen Sie und ich: ein Ende ist nah.

Über Martin Böttger:

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger@extradienst.net