Und: Brückendesaster / Manuel Neuer
mit Update abends
Der gute Wille von DLF-Moderator Jürgen Zurheide war erkennbar. Aber hat er auch einen guten Griff getan? Bei seiner beständigen Suche nach Stimmen für aussenpolitische Vernunft stiess er auf einen CDU-Politiker, was ja zweifellos schon mal ein origineller Fund ist. Heute war es Friedbert Pflüger (Audio 12 min). Der war mir schon als RCDSler auf den Fluren und in den Hörsälen der Universität Bonn begegnet, als dankbarer Wahlkampfgegner.
Ich kann aus jener Zeit bezeugen: die damalige Rhetorikschule des RCDS war wirklich schlecht. Es machte keine grosse Mühe gegen sie zu bestehen. Der Festausschuss Bonner Karneval leidet noch heute darunter. Wer Pflügers Biografie auf Wikipedia aufmerksam studiert, stellt schnell fest, dass er quantitativ mehr gemacht hat, als normalerweise in den Lebenslauf eines einzelnen Menschen passt. Aber wenn er sich Wahlen und Abstimmungen stellte, hat er eigentlich immer verloren.
Dass er an der “berühmten Rede” des Bundespräsidenten Weizsäcker zum 8. Mai 1985 mitgearbeitet habe, das konnte eine spätere Kreisvorsitzende der Bonner Grünen auch von sich behaupten. Dass er zu den Mitgliedern des “Andenpakt” gehört habe, der CDU-Männerbund, der eine gewisse Angela Merkel radikal unterschätzte, ist nicht unbedingt ein Schmuck, wie ein gewisser Friedrich Merz heute weiss.
Und was Pflüger heute im DLF sagte, das fand ich inhaltlich richtig. Aber es tat fast körperlich weh, wie schlecht er es vortrug. So klingt es wohl, wenn das Leben in der Oberschicht nicht leicht war.
Update abends: In der Tagesschau/ARD wurde heute die Expedition eines Kriegsschiffes der Bundesmarine im Pazifik als “diplomatische Mission” bezeichnet, und zwar nicht als Zitat von irgendjemand, sondern im redaktionellen Text zweimal. Wenn es schon so weit ist, also beim Politikverständnis von Wilhelmzwo 1912, -13, -14/18, geht es nicht anders, als selbst mit Leuten wie Pflüger (oder z.B. Realos wie Ruprecht Polenz) zusammen zu arbeiten. Morgen früh kurz nach 8 ist Antje Vollmer im DLF als Interviewgast angekündigt.
Brückendesaster
Da, wo Pflüger gerne hingewollt hätte, ist jetzt ein gewisser Hendrik Wüst. Der war von 2017-21 für die Verkehrsinfrastruktur in NRW zuständig. Und der gute Mann hat alle Hände voll zu tun, dass sich niemand daran erinnert. Zugverkehre und Autobahnbrücken fallen aus, bzw. zusammen. Die Leverkusener Brücke ist “der BER” NRWs. Auch wir in Bonn sind betroffen. Derzeit das städtebauliche Desaster des Tausendfüssler-Neubaus. Wenn der eines Tages fertig ist – wann mag das wohl sein? – soll die Nordbrücke folgen – aber laut des Herrn Wüst erst, wenn ein anderes Desaster zwischen Bonn und Köln fertig angerichtet ist. Insbesondere uns in Beuel verspricht das ausschliesslich Freude zu bereiten. Oder was meinen Sie?
Manuel Neuer
Ich war gestern sehr nervös, ja geradezu pessimistisch-deprimiert, dass Manuel Neuer nicht mitspielen durfte. Hat der meine Borussia doch immer zuverlässig mit Torwartfehlern beschenkt. Das “es” auch ohne ihn ging (2:1 auswärts, macht 2 Siege, ein Unentschieden in dieser so beschissenen Saison), war die faustdicke Sensation des Tages. Darauf erhebe ich gleich beim Mittagessen mein Weinglas.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger@extradienst.net