Die “Mitte”, “die” Parteien – und der Rechtsstaatsrest Brasiliens
Die Junge Welt hat für einige Tage einen erhellenden Text von Markus Metz und Georg Seesslen online, den sie überschreibt: “Verheerungen des Neoliberalismus – »Es einmal besser haben« – Vorabdruck. Vom Untergang der Kleinbürgerklasse”. Es geht um das sich auflösende Phantasma der “Mitte”, als Schicht und als Politikspektrum. Es ist ein Auszug aus dem Buch der Autoren “Apokalypse und Karneval. Neoliberalismus: Next Level”.
Nach dieser belebenden intellektuellen Beanspruchung lesen Sie direkt weiter bei Anton Jäger/Jacobin: Von der Post-Politik zur Hyper-Politik – In den 1990er und 2000er Jahren legten Technokraten die politische Auseinandersetzung lahm. Heute ist die Gesellschaft wieder extrem politisiert – aber kaum politisch organisiert.” Dieser Autor “ist Doktorand an der Universität Cambridge und arbeitet zur Geschichte des Populismus in den USA.” Er erklärt, was ich schon lange behaupte, dass und warum Parteien und andere Grossorganisationen absterben. Allerdings müssen sich auch alte Bewegungslinke wie ich erheblich umstellen, wenn sie heutige und zukünftige politische Kämpfe und Konflikte verstehen wollen. Wenn die Linken dabei gedanklich zu langsam sind, und die Rechten nicht doof sondern schnell, dann wird es für jede denkbare Form von Demokratie lebensgefährlich.
Wie es das z.B. in Brasilien schon lange ist. Klar sind dort auch die historischen Voraussetzungen besonders schlecht, die Erinnerung an die Sklaverei noch besonders “gut”. Eine exzellente Analyse zur brasilianischen Situation bieten Andrew Fishman und Cecília Olliveira/Jacobin (Übersetzung von Julia Liebermann): Ein brasilianisches Blutbad – Der Sturz von Lula und seiner Arbeiterpartei begann mit Fehlern in der Kriminalitätsbekämpfung. Damit sich die Geschichte nicht wiederholt, muss die brasilianische Linke aus diesem Scheitern lernen.” Aus der brasilianischen Konstellation lassen sich lehrreiche Schlüsse ziehen für die dysfunktionalen Beziehungen zwischen sozialdemokratischen und anderen Linken.
Wenn ich die Erlaubnis bekomme, werde ich hierzu nach einen kritischen Kommentar einer brasilienkundigen Freundin updaten.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger@extradienst.net