Tomasz Konicz hat nach seinem geräuschvollen Abgang bei telepolis bei der Jungle World Zuflucht gefunden: “Der Westen kann im Putin-Regime seine eigene Zukunft sehen – Krieg als Krisenbeschleuniger – Die heutigen weltpolitischen Konflikte finden im Kontext sich verschärfender Krisen statt. Im militärisch hochgerüsteten und autoritären Staatswesen Russlands könnte der Westen seine eigene Zukunft erblicken.” Der Hypothese, dass “wir” beim vom “real existierenden Sozialismus” befreiten Osteuropa (inkl. Russland) in den kapitalistischen Spiegel gucken, gehe ich schon seit vielen Jahrzehnten mit Interesse nach. Es propagandistisch von sich abzuspalten war strategisch und taktisch empfehlenswert, denn es war absehbar, dass das, was kommen sollte, keine “blühenden Landschaften” würden, sondern Oligarchenparadiese.

Konicz’ Nachtreten im letzten Absatz gegen seinen früheren Publikationsort telepolis ist weit unter seinem Niveau und zeigt lediglich, welche grossen Probleme auch kluge Köpfe haben, politik- und bündnisfähig zu arbeiten.

Die angeblichen “Apologeten des Putinschen Russland” brachten heute eine Recherche von Irene Adler, die dem in der Tat von Russland aus agierenden “Anti-Spiegel” des Herrn Thomas Röper billige Propaganda nachweist. Selbst die nachdenkseiten, die seit langem schmerzfrei auf RT und ebendiesen “Anti-Spiegel” verlinken, sahen sich zu einer Selbstkorrektur durch Albrecht Müller persönlich veranlasst.

Noch zwei Lobs meinerseits Richtung telepolis.

Elias Feroz informiert über den aktuellen grausamen Stand des Jemenkrieges.

Sergio Bologna, Historiker und Logistikberater, Milano, Rüdiger Hachtmann, Historiker, Berlin, Erik Merks, Gewerkschaftsfunktionär i.R., Hamburg, Karl Heinz Roth, Historiker und Mediziner, Bremen und Bernd Schrader, Soziologe, Hannover haben ein weiteres “Manifest gegen den Krieg” verfasst. Vielleicht geht es Ihnen wie mir, und Sie erkennen, dass das politische Fundament dieses Textes recht nahe bei dem des o.g. hasserfüllten Kollegen Konicz ist. Es gibt derzeit keinen Mangel an derartigen Manifesten. Sondern an ihrer politischen Bündelung, an Kompromissfähigkeit und Zusammenarbeit, zu Lasten egomanischer Profilierungen.

Und ein Dank an Leserin Arndt. Sie hörte heute WDR5 und dort die Ausführungen von Johannes Varwick. Das ist in der Tat ein mir sehr positiv verhaltensauffälliger Wissenschaftler. Als Forscher darf und kann er es sich leisten, gegen den derzeit vorherrschenden publizistischen Wind einen beinharten Friedens-Realo zu geben. Hier ist das Problem: dieser Typus fehlt in der real existierenden politischen Klasse. Wo ist er nur hin?

Über Martin Böttger:

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger@extradienst.net