Beueler-Extradienst

Meldungen & Meinungen aus Beuel und der Welt

Verkehrswende?

Der Chaossommer ist vorbereitet

Wieviele Jahre/Jahrzehnte wird es in Deutschland wohl dauern, in dem ein Tempolimit auf Autobahnen angeblich, nach offiziellen Ministerangaben, am Schildermangel scheitert, bis es ein klimafreundliches Verkehrssystem bekommt? Meine Wette: irgendwann, wenn ich tot bin. Minimales Hoffnungsindiz: das journalistische Premiumprodukt DLF-Hintergrund widmete dem Thema eine 20-minütige Ausgabe (von Manuel Waltz): Verkehrsplanung – Ideen gegen den Verkehrsinfarkt – Stadtverkehr ist oft mit Frust verbunden, für Radfahrende, Autofahrerinnen und Fußgänger gleichermaßen. Der Platz ist begrenzt und umkämpft. Was kann Verkehrsplanung tun, damit sich alle zügig fortbewegen können – und obendrein Luft und Klima geschützt werden?”

Lobenswert: in dem Beitrag kommt auch das Shared-Space-Konzept zu kommentierten Ehren. Ich wohne in einer Beueler Strasse, die das faktisch ist. Sie wurde so gebaut, ohne so genannt zu werden, leider nur eine kümmerliche Stichstrasse mit sechs Wohngebäuden. Ich wiederhole mich gern: das könnte ausgedehnt werden auf das komplette Gebiet westlich der Niederkasseler Str., südlich der Nordbrücke, östlich des Rheins und nördlich des Adenauerplatzes.

9-Euro-Ticket im Sommer

Anja Krüger/taz berichtet, dass das 9-Euro-Monatsticket für drei Sommermonate ab dem 1.6. kommt, und zwar bundesweit. Sofern das fahrplantechnisch möglich ist, können wir nach Herzenslust in Regionalexpresszügen von München nach Hamburg und zurück fahren. Nach meiner Erinnerung gabs das schon mal an “Schönen-Wochenenden”. Zu weit höheren Preisen (15 Euro für ein Wochenende, nicht Monat!) Nach der gleichen Erinnerung waren die entsprechenden Züge hoffnungslos überfüllt von picknickenden und trinkenden Menschenmassen, so dass die DB zügig die Billigticketpreise erhöhte. Das Picknicken wird sich mit Atemschutzmaske schwieriger gestalten, alles sonstige Chaos dürfte sich wiederholen.

Meine Prognose: das vorhandene Fahrmaterial plus das niedergesparte DB-Personal wird unter der absehbaren Last zusammenbrechen, die Empörung wird bei Fahrgästen und Medien gross sein. Was ich am Osterwochenende in Gelsenkirchen Hbf. erlebt habe, wird bundesweit passieren. Viele werden danach so kuriert sein, dass sie den Kauf eines E-SUVs planen.

Mir würde genügen, wenn Fuss-, Radwege und Bahnen nicht von Idiot*inn*en überrannt werden – die können gerne die Autobahnen vollmachen und sich auf dem Kölner Ring gegenseitig auf den Keks gehen – sondern das Reisen wieder Spass macht. Ob ich das noch erlebe?

Über Martin Böttger:

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger@extradienst.net

2 Kommentare

  1. Roland Appel

    Ein Blick in die aktuelle Raserszene:
    Ich weiss ja nicht, ob jemand freiwillig lernfähig ist und was noch passieren muss, bis sich Dein Wunsch vor Deiner Beerdigung erfüllt. Obwohl sich die Treibstroffpreise oberhalb der 2,00 Euro -Schranke einzupendeln drohen – ich habe am Sonntag in Frankreich für 1,69 € E10 getankt, Diesel 1,72 € schön, wie die Konzerne bei uns Kasse machen – knallten die SUV’s wo’s möglich war wieder mit 180-200 über die A 5 und die A 61 (die zumeist 130 Tempolimit hat). Ich praktiziere weiter meine minus- Verbrauchsrekorde, selbst ein 354-PS Sportbolide kann statt 13,5 nun 9,2 Liter saufen und weniger CO² ausstoßen…

  2. W. Nissing

    Schön für dich Roland, dann konntest du ja auch von der französischen Wahlwerbung profitieren. Ohne diese Preisdrückung würde sonst vermutlich jemand anders in der Endauswahl stehen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

© 2023 Beueler-Extradienst

Theme von Anders NorénHoch ↑