Und Radfahren mit überhöhter Geschwindigkeit auch

Wieder einer tot umgefallen. Ist gewöhnlich. Ein Sportarzt des Berlin-Marathon parlierte darüber, dass “jeder 40.000.” zu Tode kommt. Dabei fabuliert er von einer “Sporttauglichkeitsuntersuchung”. Ja, das wäre schön, wenn die einer Teilnahme vorausginge. Die Sponsoren wollen jedoch Startbilder von grossen Läufermassen, und nicht irgendwelche leistungssportlichen Kleingruppen. Die machen überhaupt nichts her für den Imagetransfer.

Im Ruhrgebiet ist der Wohnungskonzern Vivawest der Namensgeber. Unter dem Namen “Treuhandstelle”, THS-Wohnen war das mal ein bei vielen Mieter*inne*n angesehenes Wohnungsunternehmen. An dem ist sogar die IG Bergbau relevant (26,8%) beteiligt. Wie es heute um das Ansehen des Unternehmens bestellt ist, weiss ich nicht, bin schon zu lange weg. Aber die Mietervereine im Ruhrgebiet kennen sich aus. Wenn Sie es wissen wollen, fragen Sie da.

Das genannte Wortungetüm Sporttauglichkeitsuntersuchung könnte schlicht zur Norm erhoben werd, und zwar zu einer gründlichenen. Wer sie nicht besteht, nimmt nicht teil. Vor allem Männer neigen zur Selbstüberschätzung. Und solche müssen aussortiert werden.

Frauen kämpfen weniger gegen Konkurrentinnen als gegen sich selbst. Auch sie, ob sportsüchtig oder essgestört (oder beides), haben starke Neigungen, ihren Körper zu Dingen zu zwingen, die er nicht will. Im Vereins- und Teamsport gäbe es potenziell Schutz und soziale Kontrolle. Es sei denn, dort sind Trainer*innen zugange und verantwortlich, die selbst Menschenhasser*in sind.

Eine der besten Sportjournalistinnen unseres Sprachraums, Alina Schwermer/Jungle World, beschreibt diese Mechanismen am Beispiel des Tour-de-France-Siegers Bradley Wiggins, der sich mutig als Missbrauchsopfer geoutet hat: “Sexualisierte Gewalt im Sport ist ein systemisches Problem – Missbrauch im geschlossenen Soziotop – Der ehemalige britische Radprofi Bradley Wiggins hat zum ersten Mal öffentlich darüber gesprochen, dass er als 13jähriger von einem Trainer sexuell missbraucht worden sei.”

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger@extradienst.net