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Snyder im t-online-Interview

Sehr ausführliches und erhellendes Interview mit dem US-Historiker Timothy Snyder zum Ukrainekrieg. Darin viele gute und bedenkenswerte Einschätzungen. Die wichtigste vielleicht: Nur eine Niederlage in der Ukraine kann Russland helfen, aus seinen imperialen Träumen aufzuwachen, um den Weg hin zu demokratischer Modernisierung und Rechtsstaatlichkeit zu gehen. Eine solche Niederlage läge im ureigensten und langfristigen Interesse des Landes selbst.

„Nur eine militärische Niederlage kann in Russland die dringend notwendigen Reformen anstoßen. Deshalb ist es sehr wichtig, dass Russland diesen Krieg verliert. Die russische Geschichte zeigt, dass vor allem nach Niederlagen Veränderung möglich wurde: So war es nach dem verlorenen Krimkrieg 1856, so war es nach der Niederlage gegen Japan 1905. Warum also nicht auch nach einem verlorenen Krieg gegen die Ukraine 2023 oder 2024? Dies ist eine grundlegende Erkenntnis der modernen europäischen Geschichte: Die erfolgreichen rechtsstaatlichen Demokratien in Europa, beginnend mit Deutschland selbst, entstanden nach eindeutigen militärischen Niederlagen, die sie in imperialen Kriegen erfahren haben.“

Mehr zum Autor hier.

Über den/die Autor*in: Reinhard Olschanski (Gastautor)

Geboren 1960, Studium der Philosophie, Musik, Politik und Germanistik in Berlin, Frankfurt und Urbino (Italien). Promotion zum Dr. phil. bei Axel Honneth. Diverse Lehrtätigkeiten. Langjährige Tätigkeit als Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Referent im Bundestag, im Landtag NRW und im Staatsministerium Baden-Württemberg. Zahlreiche Veröffentlichungen zu Politik, Philosophie, Musik und Kultur. Mehr über und von Reinhard Olschanski finden sie auf seiner Homepage.

2 Kommentare

  1. A.Holberg

    der Autor hat recht, wenn er aus historischen Erfahrungen ableitet, dass das Verlieren von Kriegen in hohem Maße zum Umdenken beiträgt – die Oktoberrevolution als Ergebnis der Unfähigkeit der seit Februar 1917 in Russland regierenden “Links”liberalen,aus dem nicht zu gewinnenden Krieg auszusteigen, ist eines der besten Beispiele. Der aktuelle Krieg in der Ukraine, der letztlich dazu dient, die weltweite aber gefährdete Vorherrschaft der USA zu verteidigen – praktischerweise mit ukrainischen Blut und europäischen wirtschaftlichen Verwerfungen einerseits und Superprofiten der US-Rüstungs und Frackingindustrie andererseits, wird vermutlich, so er nicht zum atomaren Armageddon führt, mit der faktischen Auflösung der ukrainischen Hiwis enden und somit in einer weiteren taktischen Niederlage, deren jüngste die in Afghanistan war, des blutigsten Imperialismus der Zeit nach dem 2.Welkrieg, dem der USA.

  2. Stefan Overkamp

    zur weiteren Einordnung:
    https://www.heise.de/tp/features/Fernab-der-Wissenschaft-7134258.html?seite=2

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