Habermas und die Kritische Theorie

Gerhard Schweppenhäuser plädiert heute in der FAZ für die erste der beiden Deutungen: Habermas hat die Kritische Theorie durch seine Kommunikationstheorie nicht „vollendet“, sondern sie mit einer eher ausgedünnten Rationalitätstheorie von einem auch sozialökonomisch tieferen Verständnis der Moderne weggeführt.

Das passte und passt – so ließe sich ergänzen – auch ganz gut zu einer sozialdemokratischen Politik, die zunehmend unkritisch über die Verwerfungen der ökonomischen und dann auch ökologischen Grundlagen des sozialen Seins hinwegblickte. Habermas war – ähnlich wie übrigens auch Grass in der Literaturgeschichte – nicht der Titan der Geistesgeschichte, zu dem ihn ein sozialdemokratisches Umfeld (s. gestern in der SZ) nun stilisiert.

Schweppenhäusers Fazit: „Habermas’ Theorie ist in vielerlei Hinsicht interessant und wichtig, aber sie ist eben keine Kritische Theorie.“

Über Reinhard Olschanski / Gastautor:

Avatar-FotoGeboren 1960, Studium der Philosophie, Musik, Politik und Germanistik in Berlin, Frankfurt und Urbino (Italien). Promotion zum Dr. phil. bei Axel Honneth. Diverse Lehrtätigkeiten. Langjährige Tätigkeit als Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Referent im Bundestag, im Landtag NRW und im Staatsministerium Baden-Württemberg. Zahlreiche Veröffentlichungen zu Politik, Philosophie, Musik und Kultur. Mehr über und von Reinhard Olschanski finden sie auf seiner Homepage.