Wirtschaft und Politik müssen der Zollpolitik von Trump eigentlich dankbar sein. Denn damit lassen sich mehr oder weniger überzeugend alle Preissteigerungen begründen. Nicht die Energieversorgung, die internationale politische Lage, der Mangel an Fachkräften, klimabedingte Katastrophen oder Bürokratie sind schuld, sondern Trump. Auch wenn mir da noch ein paar weitere Gründe einfallen: Unzuverlässiges Konsumentenverhalten, Bürgergeld und Mindestlohn, Rüstungswettlauf, leichtfertiges Ministerverhalten (Mautvertrag, Corona-Masken) ….. Eigentlich ist fast alles schuld.

Doch warum steigen gerade die Mieten und die Kosten im Gesundheitswesen ? Diese Frage beschäftigt mich besonders. Sind diese vielleicht heimlich an den Ölpreis gekoppelt? Das wäre schlimm. Denn der Ölpreis ist von Trumps Launen abhängig.

Oder liegt die Preiserhöhung daran, dass das Geld immer weniger wert wird? Manche vertreten die Meinung, so sei eben die Inflation. Der frühere Finanzminister Lindner war da ein Stück weiter. Er sagte: Wir unterliegen einer Täuschung. Lebensmittelpreise und Mieten sind gar nicht besonders hoch. In Wahrheit ist nur alles andere viel billiger.

Das überzeugt viele Wissenschaftler nicht. Sie sagen seit eh und je: Der Preis richtet sich nach Angebot und Nachfrage. Diese hängen jedoch wiederum vom Preis ab. Wohnung bleibt Wohnung und Bockwurst bleibt Bockwurst. Folglich hat der Preis der Bockwurst nichts mit den Mieten zu tun und die Miete nichts mit der Bockwurst. Das leuchtet ein.

Auf Deutsch heißt das: Die Wirtschaft braucht die hohen Preise, weil sie unter dem Druck unabwendbarer Globalisierung international wettbewerbsfähig werden soll (oder bleiben will). Vereinzelt werden auch andere Gründe für Preiserhöhungen genannt. Der Bundesverband der Deutschen Industrie weist darauf hin, dass wir in der besten aller Wirtschaftsordnungen leben. Das gibt es nicht umsonst. Wem das zu teuer sei, der könne ja auswandern. Dabei könne er vielleicht sogar Steuern sparen.

Plausibler ist da schon die marktwirtschaftliche Erklärung: Wenn einer die Preise erhöht, müssen alle anderen nachziehen. Das ist das Gesetz des Wettbewerbs und Teil des FDP-Programms. Außerdem hat in einer freien Wirtschaft alles, was mehr kostet, nun mal einen höheren Preis.

Allerdings gibt es auch wissenschaftlich anspruchsvollere Erklärungen für Preiserhöhungen. Die Preisbildung in der Marktwirtschaft folgt bekanntlich dem elften Lehrsatz der Makroökonomie. Danach gibt nur eine Preissteigerungsrate und keine Preisminderungsrate. Manche träumen deshalb vom Jahr 2002, als nach der Einführung des Euro alles nur noch die Hälfte kostete.

Letztlich bleibt die Entstehung der Lebensmittelpreise undurchschaubar. Unbestätigten Gerüchten zufolge bilden sie sich in Preisausschreiben oder Preisrätseln. An deren Ende steht dann eine Preisverleihung. Es ist durchaus logisch, dass Preise nur verliehen und nicht verkauft werden. Verkauft wird ja die Ware. Beziehungsweise der Kunde.

Aus der Sicht der Lebensmittelproduzenten (erst recht aus der Sicht der Vermieter) haben hohe Preise ihren Sinn. Größere Zahlen machen einfach einen besseren Eindruck, sie sind attraktiv. Niedrige Preise sind dagegen langweilig. Wer etwas gegen hohe Preise hat, kann ja im Ausland kaufen oder mieten. So wie die Briefzustellfirma ‘Postkutsche’. Wegen der hohen Mindestlöhne in Deutschland lässt sie ihre Briefe künftig in Rumänien austragen.

Die Abhängigkeit der Getränkepreise vom Wetter ist schon lange bekannt. Wenn der Som-mer heiß ist, wird viel getrunken und die Preise steigen. Wegen der großen Nachfrage. Wenn der Sommer kalt ist, wird wenig getrunken und die Preise steigen. Wegen der gerin­gen Nachfrage. Und wenn der Umsatz sinkt, sinkt auch der Gewinn. Oder so ähnlich. Dass die These stimmt, sieht man am Durst. Ursache könnte auch die Klimakatastrophe sein. Der Meeresspiegel steigt. Und die Getränkepreise steigen mit.

Jüngst hörte ich eine ganz überraschende Erklärung: Früher hätten Menschen Kakaobohnen oder Perlen als Geld genutzt. Dann habe man Münzen und Scheine erfunden. Heute gibt es bargeldlosen Zahlungsverkehr. Im Vergleich zu digitalem Geld sind Münzen und Scheine unpraktisch und ziemlich teuer. Bargeld muss produziert und transportiert werden und immer passend vorliegen. Das ist teuer. Und teures Geld schlägt durch auf die Preise.

Ein Team von Preiswilligen erforscht zur Zeit, wie man Preissteigerungen bekämpfen kann. Es analysiert dazu Phänomene wie Preisstopp, Preiskampf, Preisdruck, Preisrutsch, Preisdeckel, Preisverfall und Preisbremse. Das erste Ergebnis ist überraschend: Manches ist preiswert und manches seinen Preis wert.

Über Heiner Jüttner:

Avatar-FotoDer Autor war von 1972 bis 1982 FDP-Mitglied, 1980 Bundestagskandidat, 1981-1982 Vorsitzender in Aachen, 1982-1983 Landesvorsitzender der Liberalen Demokraten NRW, 1984 bis 1991 Ratsmitglied der Grünen in Aachen, 1991-98 Beigeordneter der Stadt Aachen. 1999–2007 kaufmännischer Geschäftsführer der Wassergewinnungs- und -aufbereitungsgesellschaft Nordeifel, die die Stadt Aachen und den Kreis Aachen mit Trinkwasser beliefert.