Es gibt die These, ich neige ihr durchaus zu, dass Kriege im engeren Sinne keine Gewinner kennen, sondern nur Verlierer*innen. Aus der Perspektive der Beherrschten stimmt das. Aus der Perspektive der Herrschenden ist es hingegen umstritten. Welche davon Sie einnehmen wollen. steht Ihnen frei. Z.B. mit Blick auf den “Palast der Republik”, an dem jedenfalls nichts feudaldynastiches, kaiserliches oder königliches war. Das machte ihn mir sympathisch. Ich habe ihn grob geschätzt dreimal in meinem Leben betreten, als offizieller Gast der “Freien Deutschen Jugend” (FDJ). Ich gestehe: so hässlich wie die SED oder die FDJ fand ich ihn nicht. Ich war eher positiv überrascht.
Das Gebäude wurde zu einer Metapher der Systemkonkurrenz zwischen BRD und DDR. Darum kannte die BRD nach 1990 auch kein Erbarmen. Das Fenster der Gelegenheit wurde mit Kohls ganzer Leibesfülle gefüllt, und der Palast also dem Erdboden gleichgemacht. Burga Kalinowski/Junge Welt ist darüber heute noch rechtschaffen empört, und für kurze Zeit dürfen Sie das noch paywallfrai lesen, bevor die linksradikale Junge Welt es in ihrer Paywall verschwinden lässt, wie der Palast verschwunden ist:
“Der totale Wahnsinn – Vor 50 Jahren wurde der Palast der Republik eröffnet. Die neuen Herren des Landes wollten nach 1990 an seiner Stelle wieder ein Schloss”.
Und die Paläste der Gegenwart?
Existenzprobleme kennen sie nicht. Durch Anwachsen der Homeoffices sind die Büromieten ausgebremst worden, die Immobilienpreise dagegen nicht wirklich. Und die Kapitalrenditen, die wahren Paläste unserer Zeit, sowieso nicht. Laut auflachen musste ich heute, als ich von Stefan Reinecke/taz das las:
“Auch SPD-Linke weisen darauf hin, dass man ja Großes tut. Keine Regierung hat sich gleichzeitig an einer Reform des Sozialstaats, der Rente und des Gesundheitssystems versucht. In der SPD beschwören viele die staatspolitische Verantwortung.”
Mit wem mag der Gute da gesprochen haben? Nehmen Sie sich das als Wochenendrätsel.
Ich frage mich derweil, und suche nach den Grünen-Linken, die zeitweise (“zweitweise” war mein freudscher Tippfehler) von Ricarda Lang öffentlich repräsentiert wurden. Über sie schrieb zu diesem Wochenende FAZ-Redakteur Jörg Thomann (Paywall). Und lassen Sie es mich höflich formulieren: es war nicht gut, was er über die Freundschaft der heutigen Bundestagsabgeordneten mit der sog. Zeitung “Bild” beschrieb. Vor der Paywall heisst es:
“Boulevard-Berichterstattung: Ricarda Lang und ‘Bild’ – eine gefährliche Liebschaft – Die ‘Bild’-Zeitung behandelt die Grünen-Politikerin Ricarda Lang überraschend freundlich und feiert sie, weil sie ihren ersten Halbmarathon geschafft hat. Wie lange geht diese Beziehung gut?”
Diese sog. Zeitung lasse “in der Regel keine Gelegenheit verstreichen, über Grünen-Politiker herzuziehen”, meint nicht nur Thomann. Die Schlagzeilen des Springerkonzerns über Frau Lang lauten hingegen:
„Fans lieben sie für ihre Lockerheit: Ricarda Lang ungeschminkt“
„Witzig, selbstironisch, angriffslustig: So plant Ricarda Lang ihr Comeback“
„Ricarda langt’s: Sympathischer Schuhwechsel beim Presseball“
„,Ihr wollt es, ihr bekommt es‘: Ricarda Lang macht Fans mit neuer Frisur glücklich“
„Rekorda Lang! Ex-Grünen-Chefin schafft ersten Halbmarathon“.
„Grünen-Politikerin Ricarda Lang schwebte im Hotel Adlon regelrecht über die Tanzfläche und steckte alle mit ihrer guten Laune an“
„Ihr Humor ist bissig, aber nicht bösartig“
„Die hellblonden Locken ihrer Kindheit hat sie heute nicht mehr, die strahlenden Augen sind Ricarda Lang bis heute geblieben“
„Heute wirkt sie klar, offen, lebendig. Sie lacht viel. Die Worte sprudeln aus ihrem Mund“
Thomanns gutes Gedächtnis erinnert sich an Springerboss Mathias Döpfner: “Wer zusammen mit ‘Bild’ im Fahrstuhl nach oben fährt, hat der Springer-Chef Mathias Döpfner mal gesagt, der fährt auch zusammen mit ihr wieder nach unten.”
Was davon haben Ricarda Lang und ihrer Mitarbeiter*innen übersehen? Treffen wir sie dann bald im Palastkeller?

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