Der erste Impuls für diesen Artikel war meine Tankrechnung. € 276,82 kostete mich der Sprit, den ich bei etwa 1.300 km Strecke verballerte, um im Juli von Bonn aus eine Freundin am Bodensee zu besuchen. Dabei hatte ich den “effizienten Diesel” genommen und nicht den Benziner. Eine Freundin aus der Nachbarschaft war auch am Bodensee mit ihrem neuen Elektroauto. Wir sind etwa gleich viele Kilometer gefahren und sie hat € 38,24 bezahlt an der Ladesäule. Und es war der Artikel von Hans Conrad Zander über seinen Braun-Rasierer, der mich inspirierte, etwas über die Möglichkeit zu schreiben, Verbrennerautos zu Elektromobilen umzubauen. Aus Gründen der Nachhaltigkeit, der Erhaltung solider, bewährter Technik und in gewissem Rahmen auch aus Kostengründen.
Es gab und gibt auch noch eine ganze Menge gute Gründe, sich den Kauf eines Elektroautos zweimal zu überlegen. Fehlende Ladeinfrastruktur, intransparente Preispolitik der Ladesäulen, Dominanz eines Unternehmens wie Tesla, dessen Chef Techno-Faschist ist, und dessen Fahrzeuge nach einem Gutachten des Netzwerks Datenschutzexpertise eigentlich gar nicht in Deutschland zugelassen werden dürften, weil sie rollende Datenstaubsauger sind, die permanent unsere Datenschutzgesetze verletzen. Aber inzwischen hat sich die Technik auch in Europa weiterentwickelt. Konzernkritiker wie der “Feinstaubpapst” der Deutschen Umwelthilfe loben die Reichweite und Effizienz des Mercedes CLA 250+. Und auch für viele andere Elektromobile gibt es inzwischen Empfehlungen oder Unbedenklichkeitsauskünfte aus den Umweltorganisationen. Aber der eigentliche Anreiz, den Umstieg auf Elektromobilität, die alternativlos ist, fehlt: die Förderung des Umbaus von in die Jahre gekommenen Verbrennern. Bei einer durchschnittlichen Lebensdauer moderner Autos von 13-15 Jahren ist das nicht marginal.
Umbau ist nachhaltiger, als Neubau
Denn durch einen Umbau eines Verbrenners werden nicht nur laufende Kosten wie Oelwechsel, Kraftstoff, CO2-Emissionen vermieden, durch die Rekuperation von Bremskräften werden auch Verschleißteile wie Bremsen weniger beansprucht, Verbrauchsteile wie Zündkerzen, Öl-, Luft- und Kraftstofffilter, Keilriemen, Zahnriemen oder Steuerketten als mögliche Wartungs- und Verschleissteile und Kühler-Frostschutzmittel überflüssig. Verschleißteile reduzieren sich auf Bremsen, Reifen und Wischerblätter, Innenraumluftfilter und Wartung der Klimaanlage. Je nach Fahrzeug kann das die Wartungskosten um 1.500-5.000 € pro Jahr reduzieren. Steuerersparnis und geringere Strom- statt Kraftstoffkosten haben wir da noch gar nicht eingerechnet. Langfristig auf zehn Jahre gerechnet können sich selbst Investitionen von bis zu 40.000 € durchaus rechnen, wenn man/frau bereit ist, einen Young- bzw. Oldtimer zu erhalten, der nicht unbedingt an Wert verliert.
Ein Blick ins Netz lohnt sich auf jeden Fall
Also an den Computer und selbst ge-Startpaged (Startpage.com, der kostenfreie Sicherheitsbrowser bewahrt Sie vor Datenklau durch Google oder Microsoft). In der Tat finden sich im Netz jede Menge Hinweise, zum Beispiel im Elektroauto-Forum . und Anbieter der Umbauten von Fahrzeugen. Diese sind grob in drei Kategorien einzuteilen:
1. Anbieter, die standardisierte E-Umbausätze für gängige Autos anbieten
Diese Umbausätze sind relativ schnell umsetzbar, teilweise innerhalb eines oder weniger Tage. Hier ist die günstigste Möglichkeit, selber zum Schrauber zu werden und das eigene Fahrzeug selbst per angepasstem Fahrzeugkit umzurüsten. E-Drive-Solution ist ein solcher, vor allem beratender Anbieter, der schon für 9.500 € einen Umbauset S für Kleinwagen (18 kW Leistung, 11 kW Speicher) für z.B. einen Original-Mini-Cooper anbietet. Etwas größer ist für 16.000 € einen Umbauset M (geeignet für Passat, VW-Bus oder Mercedes Kombi) 51-108 kW Leistung und ab 18 kW Speicher. Wenn man dem Berater und Bausatzlieferant glauben drf, hat er eine stattliche Zahl interessanter Projekte bisher realisiert. Wer sich bei Instagram registrieren möchte, kann vom Austin Mini über die Ente, Karman Ghia, Porsche 911 bis zum Mercedes-Heckflossen-Kombi (ich wusste garnicht, dass es den als Nicht-Leichen- oder Krankenwagen überhaupt gab), viele gelungene Projekte sehen. Ein ganz ähnliches Konzept verfolgt die Lorey Maschinenbau GmbH, die ebenfalls auf Eigenleistung und Mitarbeit der Umbauwilligen setzt und bisher über 280 interessante Umbauten ermöglicht hat.
Selbermachen nicht für jede/n angesagt
Wem die eigene Fummelei und TÜV-Vorführung zu kompliziert ist, dem können bundesweit zahlreiche Anbieter helfen. So bauen etwa Petra und Heiko Fleck in Pfarrkirchen/Bayern ab 7.500 € einen Kleinwagen auf 48Volt Elektromobilität um. In diesem Bereich tummeln sich vor allem kleine und mittlere Betriebe, einige spezialisieren sich, wie etwa Elbtor eClassics, ein Hamburger VW-Händler, die den VW-Bulli T1 im Auftrag von Volkswagen üppig auf 68 KW motorisieren – mehr als doppelt soviel wie der alte Käfermotor leistete.
2. Angepasste Komplettumbauten von Young- oder Oldtimern
Diese Umauten sind aufwendig und können um die 10-50.000 € aber auch darüber bis an die 100.000 € erreichen. Darüber hinaus sind die Grenzen nur durch den eigenen Geldbeutel gesetzt. Verschiedene Seiten bieten auch ausführlichen Rat an. Ein ganz passabel anschaulich mit Fotos erklärender ist zum Beispiel der des Anbieters ESDI, der viele Fragen auch recht grundlegend beantwortet. Man findet dort Umbauten von klassischen VW-Bussen von T1 bis T 5 und auch den Umbau eines Porsche Boxter, der mittels Tesla-Antriebseinheit auf 220 kW und 53kW Speicherleistung gebracht wurde. Wat et koss, wird dort diskret verschwiegen.
Die Umbauprinzioien sind von Anbieter zu Anbieter und vom umzubauenden Fahrzeug abhängig und wirken sich natürlich auch auf die Kosten aus.
Wirklich nur etwas für “alte Schätzchen”?
Der Anbieter Voltraa etwa rüstet nur Fahrzeuge um, die vor 2000 gebaut wurden mit Hinweis auf die komplizierte Steuerelektronik von ESP-Systemen, die sie für nicht zuverlässig anpassbar halten. Voltraa beziffert die Umbaukosten abhängig von Akku-Größe, gewünschter Reichweite und Leistungsabgabe des Akkus. Die Teilekosten für leistungsstarke Systeme (400 Volt mit Schnell-Ladefähigkeit) beginnen ab 40.000€, einfachere, leistungsschwächere Systeme (96 Volt) sind ab 25.000€ realisierbar. Hinzu kommen Entwicklungs- und Fertigungskosten entsprechend des jeweiligen Aufwandes. Kunden bekommen nach Klärung des Konzepts einen Kostenvoranschlag. Bevor der Umbau beginnt, muss eine Anzahlung von ca. 10% des Gesamtpreises geleistet werden. Die restlichen Zahlungen werden individuell geklärt und abschnittsweise nach tatsächlichem Arbeitsaufwand geleistet.
Moderne Autos als überzeugende Alternative?
Einen anderen Weg geht der Anbieter eRevolt, Start Up und Umrüster eines modernen Golf 7 mit 2 Jahren Garantie, Übernahme aller elektronischen Assistenzsysteme und Anpassung der Fahrzeugelektronik über seine patentierte CAN-BUS Software. eRevolt behauptet, mit Kosten von 12.000 – 15.000 € demnächst nicht nur Gölfe, sondern alle möglichen und denkbaren modernen Autos mit Hilfe von angepassten Umrüstkits ökonomisch interessant zu E-Autos umrüsten zu können. Würde das Konzept des Start-Ups aufgehen, sicher ein höchst interessantes Konzept für die Eigentümer von modernen Verbrennerautos. Die Ideen sind gut, ohne tiefgreifendes IT-Verständnis und die Möglichkeiten, vorhandene Fahrzeugelektronik und nachgerüstete E-Komponenten zur gegenseitigen Kooperation zu bringen – denken wir an ESP, Tourenrechner, Abstandsradar oder autonome Lenksystemkomponenten, wird es keine zukunftsweisende Nachrüstung geben.
Mit oder ohne Getriebe
So ist es bei einigen Anbietern durchaus üblich, Verbrennungsmotor, Tank, Auspuffanlage, Kraftstoffleitungen und die meisten Nebenaggregate zu entfernen, das vorhandene Schaltgetriebe aber zu nutzen und hier einen Elektromotor anzuflanschen. In anderen Fällen wie dem erwähnten Boxter-Umbau fällt auch das Getriebe dem Umbau zum Opfer. Außerdem müssen Nebenaggregate wie z.B. der Klimakompressor durch Hochvolt-Teile ersetzt werden und neue Instrumente – z.B. für Ladezustand und Rekuperation statt eines Drehzahlmessers. Natürlich muss neben den Batterien auch die Ladeelektronik und das Lade-Anschluss-System entsprechenden Platz finden. Zumeist eignen sich Cabrios, die Platz brauchen, um das Verdeck unterzubringen und bei elektrischen Öffnen und Schließen viel Strom verbrauchen, weniger für den E-Umbau. Denn auch bei den aktuell käuflichen Cabrios gibt es nur drei E-Fahzeuge: den Fiat 500. den chinesischen MG-Cyberster und den Maserati Folgore.
3. Natürlich gibt es auch bei der Elektromobilität inzwischen ein Luxus-Segment
Das hochwertige Limousinen, Coupés oder Sportwagen umbaut. Es beginnt mit Unternehnmen wie Revive mit Angeboten, Spartwagen wie den Porsche 911 oder 914 ab 86.000 € zu schnellen E-Mobilen umzubauen und auf Wunsch die Verbrennerteile aufzubewahren und zu konservieren. Aus dem Magazin “Amexcited” des Kreditkartenkonzerns sind die folgenden Berichte über kostspielige und exklusive E-Umrüstungen entnommen:
Monceau Automobiles im Belgischen Hasselt macht Mercedes R 107 SL aus den 70er Jahren zu E-Boliden. Nach der Umrüstung sind 280 Kilometer am Stück ohne Nachladen möglich, allerdings bei moderater Fahrweise. Die durchzuziehen dürfte mitunter schwerfallen, denn die angegebenen 7,5 Sekunden für den Sprint aus dem Stand auf Tempo 100 verleiten dazu, das Gaspedal hin und wieder ganz nah ans Bodenblech zu treten. Preis für ein eSL R 107: rund 200.000 Euro netto.
Bei Zero Labs im US-Bundesstaat Kalifornien gehen die Umbauexpert:innen noch einen Schritt weiter – und passen auf Kundenwunsch auch das Blechkleid von Ford Bronco und Land Rover der dritten Generation an aktuelle Designmaßstäbe an. Restomod, die Zusammenführung der Worte Restauration und Modifikation, bezeichnet solche zeitgemäßen Überarbeitungen einer historischen Karosserie, während unter dem Blech moderne Antriebs- und Fahrwerkstechnik arbeiten. Bei Zero Labs gibt es – wie in der Premium-E-Upgrade-Welt üblich – keine Autos von der Stange. Interessierte können sich über ein Kontaktformular melden und das eigene Budget angeben. Der kleinste wählbare Betrag im Kontaktformular ist 35.000 bis 50.000 Dollar, die höchste angegebene Kategorie mehr als 400.000 Dollar.
Lunaz Design setzt mit Umrüstungen von klassischen Aston Martin, Jaguar, Rolls-Royce, Range Rover und Bentley ihren Schwerpunkt auf Fahrzeuge aus britischer Produktion. Im Auftrag von David Beckham, der an dem Unternehmen beteiligt ist, entstand bereits ein Jaguar XJ 140, der als Hochzeitsgeschenk an seinen Sohn Brooklyn sowie Schwiegertochter Nicola diente. Anders als viele Umrüster plant Lunaz zudem Kleinserien, etwa vom klassischen Range Rover. Das drückt den voraussichtlichen Preis der maximal 50 Exemplare auf jeweils schmale 245.000 Pfund netto. Allen Lunaz-Autos ermöglicht die moderne Antriebstechnik auch den Einbau von elektronischen Fahrerassistenzsystemen wie ABS, Tempomat sowie auf Wunsch WLAN-Hotspot, Infotainment oder Klimaanlage.
Porsche von 9 eV. Um ein Modell wie einen alten Porsche 911 auf die E-Variante umzurüsten, empfiehlt sich laut Amexco, die Expert:innen von 9EV aufzusuchen. In den Werkstätten nordöstlich von London wird voller Stolz auf 20 Jahre Erfahrung in der Restaurierung und Modifikation der Zuffenhausener Sportwagen-Ikone geblickt. Die Überzeugung: Eine hauseigene Umrüstung sei besser als das Original. Es wird nach eigenen Angaben äußerst viel Zeit in das Aufspüren geeigneter Spenderfahrzeuge investiert und selbstverständlich auch dem Fahrwerk, der Aufhängung und den Bremsen ein Update verpasst. Feste Preise gibt es für die Einzelanfertigungen nicht, sie dürften aber oberhalb von 200.000 Pfund liegen – immerhin bei deutlich gesteigerter Performance.
Ein vollmundiges Versprechen machen die Chefs von Everrati, Justin Lunny und Nick Williams, in Upper Heyford bei Oxford seit 2019: „Die Vergangenheit eines jeden Fahrzeugs wird durch eine sorgfältige Restaurierung nach Concours-Standard bewahrt“, so die Ansage des Hauses, das in seiner Vision zum maßgebenden Weltmarktführer in diesem Premiumsegment werden möchte. Mit dem E-Antrieb pflanzen die Techniker:innen den historischen Fahrzeugen mehr Power als im Originalzustand ein – vor allem in den Porsche 911, die Mercedes Pagode oder den Land Rover der zweiten Serie. Eine Preisliste gibt es nicht. Für eine erste Einschätzung dürften die jüngst für eine Replik des Ford GT 40 aufgerufenen 510.000 Euro helfen.
Fazit: Es gibt ein (Auto-) Leben nach dem Verbrennungsmotor
Und wie immer im Kapitalismus ist es für Reiche erschwinglich und verlockend, für Normalverdiener ein individuelles Rechenexempel und bleibt mit einer Menge Unwägbarkeiten behaftet. Angesichts der absehbar sieigenden Energiepreise für fossile Kraftstoffe und der Vorteile, Servicekosten nachhaltig zu senken, wird die E-Umrüstung eines Verbrenners immer interessanter. Auch wirtschaftlich, wenn nachhaltig und umweltfreundlich gedacht und gerechnet wird.

Es gibt da ein Problem, das E-Autos nicht lösen. Das ist – anders als in Online-Magazinen – die Überbeanspruchung von Fläche durch individuelles Blech in Stadt und Land. Man nennt es auch Versiegelung.
https://de.wikipedia.org/wiki/Flächenversiegelung