Wundersame Bahn CCLVII
Ich hab’ sie gesehen. Sie ist sogar – phasenweise – gefahren. Ein Sicherheitsgefühl stellte sich noch nicht wirklich ein. Gestern am KAP machte ich mich auf den Weg zum Hbf., eine 66 wurde mit “3 min” angezeigt. Warum es nicht wagen? Dann wechselte die Anzeige mehrmals, und zwar nach oben “4 min.”, dann wieder 3, dann nochmal 4. Es dauerte. Dann erschien sie wirklich, wie immer an einer roten Ampel an der Kreuzung Combahnstrasse. Ich traute meinen Augen nicht. Die war zweispännig! Und ein Bonner statt ein Kölner Exemplar.
Ich war unsicher. Ist der Bahn zu trauen? Haben sie die vielleicht nur wg. dieser lästigen Kirmes aus der Werkstatt rausgelassen? Das legt die in euphorischem Ton gehaltene Meldung des lokalen Monopolmediums nahe, wo es vor der Paywall der Rheinischen Pest heisst: “Nach wochenlanger Stilllegung: Zwei Bonner Stadtbahnen sind wieder auf den Gleisen – Bonn · Nach der Stilllegung von 60 Bonner Stadtbahnen im Juli fahren seit Freitag zwei Fahrzeuge wieder auf der Linie 66. Sie sollen das Fahrgastaufkommen zu Pützchens Markt abfedern. Wann weitere Bahnen folgen, ist noch unklar.”
Dann stellte sicher aber das normale Fahrgefühl schnell wieder ein. An der Haltestelle eingefahren, ging es erstmal minutenlang nicht weiter. Eine Tür wollte nicht wirklich schliessen, also normaler Bonner Betrieb. Nach mehrmaligen vergeblichen Versuchen der Türschliessautomatik kam der Fahrer von ganz vorne nach ganz hinten und inspizierte das Problem. Akustisch näherte er sich den selten mal lautwerdenden Drogenabhängigen am KAP an, ich meine ein “alles verbrennen” deutlich verstanden zu haben.
Die Nervenbelastung dieser SWB-Beschäftigten ist der hiesigen Öffentlichkeit wohl nicht wirklich klar. Weil die Betroffenen immer professionell ruhigbleiben. Dafür bewundere ich sie. Sehr. Aber irgendwann sind die Grenzen überschritten. Weil Menschen nicht so doof wie Roboter sind. Wer sagts dem Aufsichtsrat?

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