Langeweile breitet sich aus – Entscheidend is aufm Platz
Sie merkens nicht. Der immer unerträglicher selbstreferentiell werdende Medienbetrieb erzeugt das, was für ihn tödlich ist: Abstumpfunmg und Langweile. Durch Überdosierung von allem, was niemand braucht. In Deutschland geht es dabei um die – für den männlichen Teil der Bevölkerung – wichtigsten Staatsämter: Bundestrainer und Bundeskanzler. Und zwar in dieser Reihenfolge.
Im Fussball (der Herren) droht die nächste bei den echten Fans verhasste extralange Länderspielpause. Solche Begebenheiten sind der Versuch des milliardenschweren Fussball-Entertainments, die fachunkundige Masse (und Mehrheit) der Event-Fans irgendwie bei der Stange zu halten. In der Sache würde eine Pressemitteilung des DFB genügen, um die Öffentlichkeit wissen zu lassen, wer bei den langweiligen TV-eventisierten Länderspielen mutmasslich mitspielen und auf der Ersatzbank sitzen darf. Stattdessen wird ein mehrtägiges Spektakel inszeniert, bei dem tröpfchenweise einzelne Namen durchgestochen werden. Die Vielfalt der asozialen Medien gewährt hier unbegrenzte Expansionspotenziale solcher Gerüchte- und Spekulationsküchen. Alle Kommerzmedien bedanken sich. Der Rest gääähnt.
“Freundschaftsspiele” von Nationalteams gibt es kaum noch. Da passt sich der Profifussball (der Herren) den politischen Realitäten bereitwillig an. Stattdessen inszeniert die Uefa, die die Mehrheit ihrer Milliarden mit dem Clubfussball (Champions League) einnimmt, einen Kirmeswettbewerb namens “Nations League” – die Regeln werden jährlich geändert, um die Missgeburt ökonomisch zu optimieren. Der eigentliche Zweck ist, eine Marktlücke zu besetzen, bevor es der Teufel des Weltfussballs Gianni Infantino tut. Das ist alles selbstreferentiell bis zum Anschlag – die Fans in den Fussballkneipen versuchen verzweifelt, die Zeit mit Alkohol und Spielautomaten totzuschlagen.
Die Welthauptstadt des Spitzenfussballs (der Herren und der Damen) ist und bleibt Barcelona (Torverhältnis nach 6 Spielen: 27:6!). Schauen Sie nur mal hier. Der Coach, mann hält es kaum für möglich, ist Deutscher. Als Bundestrainer gescheitert und von den fachlich ahnungslosen Medien abserviert. Wenn solcher Fussball dabei “unten rauskommt” (zit. Helmut Kohl) … dann soll es so sein.
Kommen wir zum Zweitwichtigsten – der Politik
Inszenatorisch passiert hier das Gleiche. Seit Wochen wird am Kanzler gesägt. Ich war schon immer der Letzte, der diesen Kerl gegen irgendwas und irgendwen verteidigen will. Aber gegen Billiginszenierungen sträuben sich die Restbestände meiner Intelligenz. Wie gut, dass ich seit den 70er Jahren meinen Zander (“Rotkohl – das Magazin der Jungkonservativen Bewegung Deutschlands”, zusammen mit Georg Bungter) habe.
Tagelang wird der Kanzler gestürzt, weil die entsprechenden Medien sich auf ihrem ökonomischen Analphabetismus lieber ihre eigenen Eier aufschlagen. Und die Dümmsten aller Christdemokrat*inn*en machen emsig dabei mit, der AfD blaue Teppiche auszurollen. Die reale gesellschaftliche Mehrheit der Demokrat*inn*en wendet sich angewidert ab. Bzw. im Zwergstaat Mecklenburg-Vorpommern, kleiner als Hamburg und nur unwesentlich grösser als das Saarland (oder Köln), einer resolut-professionell-sympathisch auftretenden sozialdemokratischen Blondine zu, die gut aufgepasst hat, wie das die dunkelbrunette Malu Dreyer einst in einem anderen Zwergstaat angestellt hat.
Von Berlin gar nicht zu reden – dreimal so gross wie Mecklenburg-Vorpommern, und halb so gross wie der Ruhrpott. Wird es gelingen, den Immobilienhaien zum ersten Mal in der Geschichte dieser Republik Angst zu machen? Mit teuren Jurist*inn*en-Armeen bis an die Zähne bewaffnet, werden sie sich nicht scheuen, bis vors Bundesverfassungsgericht zu ziehen. Wie werden sie am Ende den Art. 14.2 des Grundgesetzes interpretieren? Grund und Boden ist nicht produzier-, nur verteilbar. Wer soll diese Macht haben? In einer Demokratie?
Schauen Sie am Sonntag in aller Ruhe Sport und “Tatort”. Entscheidend sind nicht Umfragen (geflutet vom AfD-nahen “Insa”) und Hochrechnungen, sondern das vorläufige amtliche Endergebnis. Das kommt immer erst spätabends. Oder am nächsten Morgen.

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