Der Tag an dem Geheimnisse ihren sicheren Ort verloren – Vor 20 Jahren geschah etwas, das für Geheimhaltung recht unangenehm war.
Am 4. Oktober 2026 wurde die Internetplattform WikiLeaks.org ins Register eingetragen. Kein Fanfarenstoß wäre laut genug gewesen, um anzukündigen, was daraus folgen würde. Und ganz sicher konnte niemand ahnen, dass dieses seltsame Herausgeberprojekt eines der revolutionärsten Experimente im Journalismus unserer Zeit werden würde. WikiLeaks würde fortan Millionen Dokumente veröffentlichen und Dinge enthüllen, von denen Regierungen, Armeen, Geheimdienste, Konzerne und andere mächtige Institutionen niemals wollten, dass die breite Öffentlichkeit davon erfährt. Schon zu seinem zehnjährigen Jubiläum hatte WikiLeaks bereits Millionen Dokumente veröffentlicht, zehn Milliarden Worte an Material, die in der wunderbaren Direktheit der Beschreibung darlegten, wie mächtige Organisationen vorgehen, wenn „sie denken, dass niemand hinguckt“.
Geheimnisse sind immer durchgesickert, natürlich. Die Menschen haben immer geredet, immer fanden Dokumente ihren Weg in die Hände von Journalisten, und immer wurden Regierungen wütend, wenn etwas, von dem sie glaubten, es sei sicher beerdigt, auf der Titelseite erschien.
WikiLeaks tat aber etwas viel radikaleres. Es veränderte die Architektur rund um die Enthüllung selbst. Es erschuf einen Ort, an dem Riesenmengen Sammlungen an Primärquellenmaterial veröffentlicht, gespeichert, durchsucht und untersucht werden konnten. Das veränderte die Beziehungen zwischen Geheimhaltung, Macht und der Öffentlichkeit. Das Publikum musste nicht länger notwendigerweise die Inhaltsbeschreibung eines Dokuments durch einen anderen akzeptieren. Man konnte zur Quelle gehen und selbst nachschauen.
Zwanzig Jahre später ist es schwierig, sich daran zu erinnern, wie revolutionär das war, weil wir selbst so viel wissen. Wissen hat eine seltsame Art, sich als unvermeidlich anzufühlen, wenn wir es einmal besitzen. Wir kennen Collateral Murder, wir kennen die Afghanistan War Logs und die Iraq War logs. Wir kennen die Guantanamo GFiles, die Spy Files, die Syria Files und Millionen anderer akten, die wikiLeaks veröffentlicht hat. Allein im Jahr 2010 kam erst das Collateral MJurder video heraus, dann etwa 91.000Dokumente aus dem Krieg in Afghanistan, 391.000 Berichte aus Irak und ungefähr 295.000 Botschaftsdepeschen der USA. Diese Publikationen sind nun Teil der geschichtlichen Aufzeichnungen, (der Geschichte) und diese Gewöhnung kann etwas Wichtiges übertünchen: nämlich: es gab eine Welt BEVOR wir diese Dinge wußten.
Was wüßten wir eigentlich ohne Wikileaks? Ich meine keinen Verdacht, keine Gerüchte, Erkenntnis nicht erst in zwanzig Jahren, wenn irgendjemand endlich seine Memoiren schreibt. Ich meine Wissen, weil uns Unterlagen vorgelegt wurden.
Wie viel wüßten wir über das, was in Afghanistan oder in Irak geschah, über die Versionen hinaus, welche uns die Regierungen , welche diese Kriege führten, uns liefern?
Wie viel wüßten wir über Folter, getötete Zivilisten, diplomatischen Druck, Geheimdienstoperationen, Überwachung und den riesigen Abstand der zwischen dem, was die Regierungen öffentlich verkünden und dem, was in ihren eigenen Aufzeichnungen steht, bestehen kann?
Das ist der revolutionäre Aspekt von WikiLeaks, den zwanzig Jahre Gewöhnung niemals zähmen dürfen. Es hat eine Mauer durchbrochen zwischen dem, was die Machthaber über sich selbst wussten, und dem, was die Öffentlichkeit über die Machthaber erfahren durfte.
Julian erkannte etwas sehr Grundlegendes über diese Beziehung:
Als Steve Kroft ihn in einem Interview für die Sendung „60 Minutes“ vorwarf, dass seine Organisation zwar Geheimnisse offenbare, aber selbst Informationen schütze, antwortete er: „Was wir wollen, ist eine transparente Regierung, keine transparenten Menschen.“ WikiLeaks hat seine Quellen mit aller Kraft geschützt.
Das war kein Widerspruch. Das war genau der Punkt. Jemand, der alles riskiert, um fehlverhalten aufzudecken, braucht Datenschutz und Sicherheit. Institutionen, die enorme Macht über Menschen haben, sollten ihren Mißbrauch nicht hinter Geheimhaltung verstecken können. Weiters erklärte Julian, dass wenn jemand in der Regierung Mißstände entdecke und die Mechanismen zur Rechenschaftpflicht nicht griffen, müsse es einen Kanal geben, auf dem die Information an die Öffentlichkeit gelangen könne. WikiLeaks sei dieser Kanal.
Diese Unterscheidung erscheint heute noch wichtiger. Normale Menschen sind erstaunlich transparent geworden, Unsere Bewegungen, Kommunikation, Käufe, Beziehungen, Interessen und Gewohnheiten können in einem Ausmaß gesammelt, gespeichert und analysiert werden, das zu der Anfangszeit von WikiLeaks sich wie Science Fiction angehört hätte. Geheimhaltung bleibt dennoch eines der großen Privilegien institutioneller Macht. Von uns wird erwartet, hinzunehmen, dass Dinge, die Regierungen in unserem Namen, mit unserem Geld und manchmal mit verheerenden Folgen für Menschen in anderen Ländern tun, für uns unsichtbar bleiben müssen, weil jemand einen „Geheim“-Vermerk auf ein Dokument gestempelt hat.
Ich fand dieses Argument nie besonders überzeugend. Wenn eine Regierung in unserem Namen handelt, dann darf Geheimhaltung niemals als Schutz vor Rechenschaftspflicht dienen. Wenn Zivilisten umgebracht, Menschen gefoltert werden, wenn Regierungen über Kriege lügen, wenn Überwachung das überschreitet, was den Menschen erzählt wurde, wenn private Unterhaltungen unter Diplomaten etwas enthüllen, was ganz anders ist als die Geschichte, die den Bürgern erzählt wird, dann ist Verlegenheit kein legitimer Grund dafür, die Öffentlichkeit im Unwissen zu lassen. „Nationale Sicherheit“ darf kein Zauberwort sein, das die Diskussion genau dort beendet, wo demokratische Kontrolle eigentlich erst beginnen sollte.
Julian hat in einem Interview mit dem TIME Magazin im Jahr 2010 den weiteren Zweck dargelegt. „unser Ziel ist nicht eine transparentere Gesellschaft, unser Ziel ist eine gerechtere Gesellschaft. Offenheit sei wichtig, weil, wie er erklärte, denn dann könne man sich gegen mißbräuchliche Pläne und Verhaltensweisen wehren.
Diese Aussage sollte wesentlich stärker beachtet werden als bisher, weil sie etwas Wichtiges über WikiLeaks enthält. Es ging dabei nie nur darum, Riesenmengen Dokumente ins Internet hochzuladen. Der Sinn des Wissens lag in der Möglichkeit, etwas zu verändern.
Und für mich ist das untrennbar mit Frieden verbunden.
Kriege sind abhängig von Informationen. Sie hängen davon ab, was der Bevölekerung mitgeteilt und was ihr vorenthalten wird, von dem, was als notwendig beschrieben, was geheimgehalten wird, von dem, was beschönigt wird und was sicher aus dem Blickfeld bleibt. Es wird verlangt, dass die Menschen Kriege unterstützen, für Kriege bezahlen und das Töten in ihrem Namen akzeptieren, obwohl sie nur Zugang zu einen Bruchteil der Informationen verfügen, welche diejenigen haben, die diese Entscheidungen treffen.
WikiLeaks hat dieses Arrangement zunichte gemacht.
Die Kriegstagebücher aus Afghanistan und Irak ermöglichten es der Öffentlichkeit, anhand der von der kriegführenden Maschinerie selbst verfassten hunderttausenden Aufzeichnungen einen Einblick in den Krieg zu gewinnen. Allein die Iraq War Logs umfassten 391.000 Berichte über einen Zeitraum von sechs Jahren Krieg und Besatzung führten 109,032 tote auf, darunter 66,081 als Zivilisten eingeordnete Personen. Das waren keine Anti-Kriegs-Slogans auf Pappschildern. Das waren Berichte des Militärs.
Und dann ist da das Video Collateral Murder. Der Name ist so vertraut geworden, dass die Gefahr besteht, zu vergessen, was es heißt, es anzuschauen. Das Filmmaterial zeigt einen Angriff eines US-amerikanischen Apache-Hubschraubers in Bagdad im Jahr 2007, bei dem Menschen am Boden getötet wurden, darunter die Reuters-Mitarbeiter Namir Noor-Eldeen und Saeed Chmagh. WikiLeaks veröffentlichte das geheime Video im April 2010. Von uns wurde nicht verlangt, uns einen Krieg vorzustellen. Es verlangte nicht von uns, den Bricht eines anderen, wie ein Krieg aussehe zu akzeptieren. Das Video ermöglichte uns, Filmmaterial zu sehen und zu hören, das von der Kriegsmaschinerie selbst geschaffen wurde.
Wenn man einmal etwas gesehen hat, gilt die Ausrede, es nicht zu wissen, nicht mehr.
Vielleicht war WikiLeaks deshalb der etablierten Macht so gefährlich.
Es klagte nicht nur an. Es wurden Quittungen ausgestellt. wikiLeaks erschwerte es erheblich, behaupten zu können, dass etwas nicht geschehen sei, wenn das Dokument, die Depesche, der Bericht oder das Video, vor dir lag. Julian verlangte von der Öffentlichkeit nicht, îhm zu vertrauen wir einem Orakel, das von oben herab die Wahrheit verkünde. Der Vorschlag war weitaus radikaler als das: Hier ist das Material. Lies es. Durchsuche es. Prüfe es. Entscheide selbst.
Aus diesem Grund wollte ich Julian auch nie zu einem Heiligen machen. Das hat er gar nicht nötig. Mich interessiert der Mensch, der ernsthaft glaubte, dass Zugang zu Wissen zur Schaffung einer gerechteren Gesellschaft beiträgt und der hartnäckig genug war, auf Grundlage dieser Überzeugung etwas aufzubauen. In WikiLeaks verbirgt sich ein tiefgründiger Optimismus, der oft durch die Jahrelangen Gerichtprozesse, Gefängnismauern, politische Feindseligkeit und endlose Streitereien über Julian selbst übersehen wird.
So etwas wie WikiLeaks entsteht nur, wenn man davon überzeugt ist, dass es wichtig ist, dass die Menschen die Wahrheit erfahren, dass sie in der Lage sind, mit diesem Wissen etwas anzufangen, und dass Ungerechtigkeit nicht einfach als natürliche Ordnung der Dinge hingenommen werden muss.
Ich glaube das ebenfalls.
Vielleicht ist deshalb das, was danach geschah, so verstörend. Die Antwort auf WikiLeaks lehrte uns etwas über Macht, aber auch etwas Unangenehmes über uns selbst. WikiLeaks griff einen der ältesten Schutzmechanismen an, über den mächtige Institutionen verfügen: die Möglichkeit, dass normale Menschen einfach nicht wissen, was geschieht. Aber in den folgenden Jahren entdeckten wir einen anderen Schutzmechanismus, der wohl genauso wirksam ist: Man kann Bescheid wissen und trotzdem dazu ermutigt werden, weiterzumachen. (oder weiterzugehen).
Man kann Beweise veröffentlichen. Sie können die Nachrichten beherrschen (das ist so im Fall von Gaza, Anm. der Übersetzerin). Jeder kann für einige Tage entsetzt und erschüttert sein. Dann kommt eine neue Geschichte hoch, eine andere Krise beginnt, ein neuer Skandal erobert die Bildschirme und das, was früher etwas Außergewöhnliches war, gerinnt zu etwas, wovon wir früher einmal gehört haben. Das Geheimnis muss nicht länger geheim bleiben, wenn nur die Gesellschaft dazu überzeugt werden kann, einfach nicht mehr hinzuschauen.
Das ist die Politik des Wegschauens
Die Folgen des Hinschauens trafen nicht alle Beteiligten gleichermaßen. Julian verbrachte lange Jahre in der Botschaft Ecuadors in London und danach fünf Jahre im Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh, während die USA um seine Auslieferung nachsuchten. In dem US-Verfahren ging es schließlich um die Beschaffung und Veröffentlichung von Verschlusssachen. Im Juni 2024, als er 62 Monate aufgrund des Auslieferungsersuchens der USA in Belmarsh verbracht hatte, schloß Julian einen Vertrag über einen „plea deal“ (das ist ähnlich wie vor deutschen gerichten eine Verständigung im Strafverfahren, anm. de. Übers. ) ab, wurde zu einer Freiheitsstrafe verurteilt, die mit seiner Haftzeit in Belmarsh abgegolten war. und kehrte nach Australien zurück. Endlich war er frei. Die Gefängnistore schlossen sich hinter ihm, aber dieFragen, die das Geschehen aufwarf, sind nicht verschwunden.
In gewisser Weise lassen sich diese Fragen jetzt leichter ignorieren, da Julian nicht mehr in Belmarsh sitzt.
Jetzt gibt es keinen Gefängnisbus, auf den er warten muss, keine Anhörung zhur auslieferung, über die man berichten müßte und keine unmittelbare Angst, dass er in ein Flugzeug gesetzt und in die USA gebracht würde.
Der Notfall ist vorbei, und Notfälle ziehen die Aufmerksamkeit auf sich, wie es die Folgen selten tun. Doch der Präzedenzfall und die Warnung bleiben bestehen.
Was geschieht, wenn die Veröffentlichung von Beweisen für staatliches Fehlverhalten aggressiver verfolgt wird als das Fehlverhalten selbst, das durch diese Beweise aufgedeckt wird?
Diese Frage ist nicht rein historischer Natur. Im Jahr 2025 haben die Partnerorganisationen des europaratsausschusses für die sicherheit von Journalisten 344 Warnungen wegen schwerwiegender Verstöße gegen die Freiheit der Medien in Europa ausgegeben, das sind 25 Prozent mehr als im Jahr davor (2024).
Der Index der Pressefreiheit 2026 von Reporter ohne Grenzen (RSF, Reporters sans Frontières) zeigt den niedrigsten globalen Wert in der 25jährigen Geschichte dieser Organisation, davon ist mehr als die Hälfte aus Ländern und Regionen, die die RSF nun als mit einer „schwierigen“ oder „sehr schwerwiegenden“ Lage der Pressefreiheit einordnet RSF weist insbesondere auf die Ausweitung und mißbräuchliche Anwendung von Gesetzen zur nationalen Sicherheit hin, die zu der Verschlechterung der gesetzlichen Rahmenbedingungen für Journalisten beiträgt.
Zwanzig Jahre nach dem Anfängen von WikiLeaks ist der Kampf um den Kern dieser Organisation immer noch kein Überbleibsel aus den Urzeiten des Internet. Er ist schmerzlich aktuell.
Wer darf erfahren (wissen)?
Wer darf entscheiden, was der Rest von uns erfahren(=wissen) darf?
Wer schützt die Person, die Fehlverhalten entdeckt?
Was passiert dem Journalisten oder Herausgeber, der das öffentlich macht?
Und, vielleicht am allerwichtigsten: was macht der Rest von uns, wenn die Beweise einmal offen vor uns liegen?
Ich bin in der DDR (Deutsche Demokratische Republik, East Germany, anm. d. Übers.) aufgewachsen. Vielleicht ist das ein Grund dafür, warum mir die Frage der Information und des Rechts auf Zugang dazu so sehr am Herzen liegen. Ich muss meine Kindheit nicht zu einer Analogie für jedes aktuelle politische Problem machen, um dieeinfache Erkenntnis zu verstehen, die sie mir hinterlassen hat: die offizielle Version von Wirklichkeit und die echte Wirklichkeit selbst sind nicht unbedingt ein und dasselbe. Was öffentlich erklärt wird, was im privaten bekannt ist und was in den Akten steht, das können drei sehr verschiedene Dinge sein.
WikiLeaks hat diese Distanz aufgezeigt und sie in einem Ausmaß sichtbar gemacht, wie es die Welt noch nie zuvor erlebt hatte. Hier waren die Unterlagen. Der Leser konnte der Interpretation zustimmen oder sie ablehnen, über Politik diskutieren, Regierungen hinterfragen, Journalisten hinterfragen und, ja, auch WikiLeaks hinterfragen. Doch der behagliche Zufluchtsort des einfachen Nichtwissens war deutlich kleiner geworden.
Unser Archiv ist nicht dazu gedacht, diese zwanzig Jahre in eine hübsche Museumsausstellung zu verwandeln. Wir haben es aufgebaut, weil Geschichte unglaublich verletzbar ist, wenn der direkte Kampf einmal vorbei ist. Bewegungen werden reduziert auf ein paar berühmte Fotografien, Jahre werden zu abschnitten, Tausende Menschen verschwinden in einem Satz, der „Unterstützer protestierten“ lautet. Gegenstände werden weggeworfen, Webseitenverschwinden, Kisten gehen verloren und Erinnerungen werden unzuverlässig.
Und schließlich erklärt jemand, der nicht dabei war, Leuten, die dabei waren, was passiert ist.
Wir haben hier zehntausende Briefe, Protestmaterial und Gegenstände ausden Jahren, in denen Menschen ausder ganzen Welt sich weigerten, Julian stillschweigend hinter Gefängnismauern verschwinden zu lassen. Sie schrieben aus Schlafzimmern, vom Küchentisch, büros, und Gefängniszellen. Sie standen darußen vor Gerichtenm und vor Belmarsh , in Regen und Kälte. Sie malten Transparente, Banner, sie organisierten Veranstaltungen, schufen Kunstwerke, schrieben an Politiker, reisten, diskutierten, schrien, und kamen immer wieder. Manche taten das für Julian, Manche taten das, weil sie verstanden, was seine Strafverfolgung für den Journalismus bedeutete. Viele taten es aus beiden Gründen.
Diese Menschen haben etwas wichtiges verstanden: H
Deshalb ist es jetzt, da Julian frei ist, so wichtig, diese Geschichte zu bewahren. Vielleicht ist es jetzt sogar noch wichtiger. Kampagnen sind sichtbar, während sie geschehen und sie danach auszulöschen ist beängstigend leicht. Die Plakate werden abgenommen, Social Media Accounts werden ruhig, Kisten (mit Inhalt, Anm d. Übers.) werden eingelagert und die Menschen nehmen ihn Alltagsleben wieder ausf, das sie für einige Zeit beiseite geschoben hatten. In ein paar Jahren wird das Außergewöhnliche zur Fußnote.
Das werden wir nicht zulassen.
Das Recht zu wissen, was in unserem Namen getan wird
Freiheit für Information
Also, nein, wir schreiben keine neutrale Geburtstagsglückwunschkarte,
Wir lieben WikiLeaks.
Wir glauben, dass das, was WikiLeaks getan hat, wichtig war. und immer noch wichtig ist.
Wir glauben, dass Julians Überzeugung, dass Wissen für das Streben nach einer gerechteren Gesellschaft genutzt werden kann, von Bedeutung ist.
Wir glauben, dass die Menschen ein Recht darauf haben, zu erfahren, was in ihrem Namen getan wird – insbesondere wenn die Folgen Krieg, Inhaftierung, Überwachung, Folter oder Tod sind
Und wir sind überzeugt, dass Frieden unendlich viel schwieriger wird, wenn diejenigen, die die Macht haben, Krieg zu führen, auch die Macht haben, zu bestimmen, welche Beweise über den Krieg der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden dürfen
Zwanzig Jahre nach dem Domaineintrag WikiLeaks.org ist die Welt stark verändert. Das Kernproblem jedoch nicht.
Macht bevorzugt immer noch die Dunkelheit/das Verborgensein, wenn das Licht unangenehm wird, Hinweisgeber benötigen immer noch Schutz, Journalisten laufen immer noch Gefahr, bestraft zu werden, wenn sie enthüllen, was mächtige leute lieber verbergen. Und Kriege werden nach wie vor der Bevölkerung verkauft, die selten über alle Informationen verfügt, die für eine Beurteilung erforderlich sind.
Doch vor zwanzig Jahren ist etwas geschehen, das nicht rückgängig gemacht werden kann.
Geheimnisse haben ihren sichersten Ort verloren: die Gewissheit, dass niemand sie jemals sehen würde.
WikiLeaks hat dafür gesorgt. Julian hat dafür gesorgt. Und dafür sind wir an diesem zwanzigsten Geburtstag zutiefst dankbar.
Die nächsten zwanzig Jahre liegen in unserer Verantwortung. Die Beweise können veröffentlicht und die Dokumente aufbewahrt werden, aber beides kann uns nicht dazu zwingen, uns dafür zu interessieren.
Was wir tun können, ist, den einfachen Weg abzulehnen.
Wir können weiter suchen, weiter fragen, weiter bewahren und uns weiter daran erinnern, was geschah, als jemand beschloss, dass die Öffentlichkeit Einblick erhalten sollte.
Alles Gute zum 20. Geburtstag, WikiLeaks.
Mögen Geheimnisse sich nie wieder ganz so sicher fühlen.
https://www.julianassangearchive.org – Übersetzt von Annette Hauschild mit Hilfe von deepl. Der Julian Assange Archive e.V. ist ein eingetragener gemeinnütziger Verein. Bitte unterstützen Sie uns, wenn möglich, mit einem kostenpflichtigen Abonnement.

Vielen Dank, für die Erinnerung an Wikileaks und die klasse Analyse.
Genau: Transparenz ist auch das, was progressive junge Menschen wollen. Keinen Umsturz, kein alles kaputt machen. Auch in Indien bei den Demonstrationen der jungen „Kakerlaken“ ist mehr Transparenz eine der Hauptforderungen an die Regierung Modi (Da gehen die Demos übrigens weiter. Jetzt fordern die jungen Menschen wegen des Streichens von Millionen Menschen von den Wählerlisten wieder einen Kopf der Modi-Regierung).
“Die (jungen Menschen) sitzen doch nur noch vor dem Internet und Zeitungen lese die eh nicht mehr”, heißt es auch bei uns sehr oft. Aber warum habe dann nicht nur ich den Eindruck, dass ein größerer Teil der jungen Menschen mittlerweile besser bescheid weiß, als in meinen jungen Jahren? Auch das wird indirekt in diesem klasse Beitrag beschrieben: Weil mehr Wissen da ist, auch dank Wikileaks. Aber dieses Wissen wird eben nicht mehr nur durch die alten Medien vermittelt, sondern ein „paar“ helle Köpfe arbeiten dieses Wissen dann für ihre Community im Netz Hirngerecht auf: Rezo für eine bestimmte Millionen Bubble, Alexander Prinz für eine andere riesige Bubble. Klar: Wie Prinz gerade bei seinem Beitrag über die Wahl in Berlin gezeigt hat, leider nicht nur mit seinem Satz, dass er eh Berlin nur betrete, wenn nötig und beim Berlin-Bashing mitgemacht hat, ist er halt NOCH kein Martin. Aber he, auch er wird weiter lernen, dass man nicht nur Menschen in seiner eigenen Region eine Chance geben soll, sondern dass es überall engagierte progressive Menschen gibt, die sich den Irren in den Weg stellen. Von Halle, über Berlin bis nach Delhi, Dhaka und Karachi gibt es tapfere, engagierte alte wie junge Menschen. Da ich das weiß, gehe ich auch davon aus, dass dies in Kairo nicht anders ist. Ich glaube sogar, dass es in München oder Stuttgart so ist, obwohl mir da eine lästige innere Stimme sagt: Mensch, die sind doch schon lange alle nach Berlin geflüchtet! Auch am Wochenende bekam diese Stimme wieder Futter: 9 Stunde saß ich auf einer Party fat immer auf dem besten Balkonplatz und sprach mit jungen Frauen aus Estland, Litauen, Griechendland und Italien. Sie hatten eines gemeinsam: Zu Hause drohten sie zu ersticken und sie landeten zuerst in Süddeutschland. Beruflich/Finanziell lief es sehr gut, doch irgendetwas bedrückte sie. Dann entdeckten sie Berlin. Keine ignoriert die vielen Probleme dieser Stadt, trotzdem wollen sie nicht fort. Sorry, ich bin mal wieder abgeschweift.
Überall gibt es auch noch die Perlen in den alten Medien und dann diejenigen die das Recherchierte ihren jeweiligen Communitys weitergeben!
Danke Wikileaks. Danke Manja McCade. Danke Netzpolitik. Danke Frag den Staat. Danke Martin. Danke Roland. Danke Rezo. Danke Alexander Prinz. Danke. Danke. Danke an so viele andere!
Berlin-Bashing ist hier zwar üblich. Aber keine Pflicht. Vom Herausgeber abweichende Meinungen sind zulässig 😉