Jetzt wird die Stimmung schlechter als die Lage – und Merz die Landtagswahlen im September nicht überstehen

Zur Kommunikation des Herrn Nagelsmann komme ich gleich noch. Aber wer berät die SPD-Vorsitzende (“schönster Job nach Papst”) Bärbel Bas? Sie weckt mich heute morgen mit dieser Aussage: “Wer arbeiten kann, muss sich um Arbeit bemühen”. Das ist nah dran an “Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen”. Und ich habe mich nochmal umgedreht. Ich war bewusst vor dem DFB-Desaster ins Bett gegangen.

Brasilien-Japan (2:1) hatte mir gereicht. Jogo bonito ist tot. Trotzdem ist Trump noch bei keinem Spiel aufgetaucht. Aber kommen wir zur deutschen Fussball-Innenpolitik zurück.

Anders als sein Vorgänger vor 20 Jahren Jürgen Klinsmann hat Julian Nagelsmann die kommunikativen Durchstecherei-Brücken zu den Revolverhelden des Springerkonzerns nicht abgebrochen. Zu spät bemerkte er diesen strategischen Fehler. Da hatten sie ihn schon im Schwitzkasten. Hätte er sich mal bei Berti Vogts erkundigt. Denn Dankbarkeit, Solidarität gar, gibt es im was-mit-Medien-Gewerbe nicht. Der Neoliberalismus hat es seit Jahrzehnten streng im Griff. Wo Murdochs und Döpfners oben schwimmen, sollten Männer mit Hirn (Frauen sowieso, Julia Becker tut es auch) sich lieber fernhalten.

Als Nagelsmann merkte, dass sie ihn dennoch in die umsatzträchtige Pfanne hauen, und die fachlich ahnungslosen und lerndesinteressierten sog. Fussballjournalisten anderer Konzerne den Springer-Aggressoren hinterherdackelten, reagierte er beleidigt und verkniffen, kehrte sein Besserwissen wie einen Schutzschild nach aussen – und machte damit alles noch schlimmer. Lucien Favre weiss, was ich meine, und hat sich von diesem Drecksgeschäft zurückgezogen. Wer ist beim DFB eigentlich für was-mit-Medien zuständig? Ist der leitende angestellte Fussballlehrer unberatbar?

Teambuilding ist unter diesen Umständen unmöglich

Die Spielerberaterkonzerne beeinflussen ihre Spieler mit der Strategie “Rette sich, wer kann” und ruiniere nicht deinen Marktwert. Vor, während und nach der WM warten die nächsten Vertragsverhandlungen. Und der dumme DFB versuchte der Öffentlichkeit tatsächlich weiszumachen, das Ausscheiden bei den zwei WMs zuvor habe an “zu viel Politik” gelegen. Noch ein Selbstbetrug. Er kann sich nun nach Herzenslust, darin den Grünen und anderen deutschen Parteien ähnlich, wieder mit sich selbst beschäftigen. Und macht dabei eine Figur, die der SPD seines Vorsitzenden auf fatale Weise ähnelt.

Der nach Selbstverständnis mitgliederstärkste Sportverband der Welt und die älteste Partei Deutschlands

Die sich von Merz, Reiche und Weimer durch die Arena ziehen lassenden, ähneln auf fatale Weise dem Neuendorf-geführten DFB, der brav “unpolitisch” dem Trump-Intimus Infantino hinterherdackelt, und die Norwegerin im Regen stehen lässt, wie die SPD ihre ehemaligen “Stammwähler*innen”. Beide haben sich damit längst selbst aus dem Spiel genommen.

Merz kann ungebremst sein Volk beschimpfen, wie es seine Auftraggeber aus dem verblendeten deutschen Grosskaoital ihm aufgetragen haben. Er gräbt so selbst strategisch sein Grab, wie es die deutsche Autoindustrie schon getan hat. Das System Spahn wird ab heute in das Rennen um die Säge-WM einsteigen, den sicheren Sieg bei den Landtagswahlen im September vor Augen.

Sie brennen die “Brandmauer” nieder

Es wird alles sehr schnell gehen. Die Dramaturgie will es, dass am Anfang (6.9.) das beste Wahlergebnis deutscher Faschisten in der BRD stehen wird, bevor zwei Wochen später (20.9.) Berlin und MeckPom folgen. Es wird ihm dann gehen, wie jetzt Nagelsmann. Er wird getan haben, was ihm aufgegeben war, und dann beleidigt auf so viel Undankbarkeit reagieren.

Ergebnis: (fürstliche) Rente mit 71, im schönen Sauerland, oder ins US-Exil bei seinen Ex-Bossen von Blackrock? So jung wie der Kurze Österreicher ist er ja nicht mehr. 63 wäre die bessere Alternative gewesen. Für mich und für uns alle.

Dann steht die Frage: können deutsche Demokrat*inn*en noch Antifaschismus? Oder sind sie auch dazu unfähig? Theoretisch ein klare Mehrheit. Und praktisch auch dazu zu doof?

Über Martin Böttger:

Avatar-FotoMartin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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