Der Deutsche-Fussball-Bund – 8 Mio. Mitglieder und “Abtauchen, Schweigen, Hoffen, dass alles still vorbeigeht” (SZ)
Die SZ-Autoren Johannes Aumüller und Thomas Kistner gehören zu den letzten seriösen Journalisten im korrupten Profifussball-Business (der Herren). Sie ziehen in der Paywall ihres Arbeitgebers (SZ/SWMH) ein angemessen verheerendes politisches Fazit der WM-Performance des angeblich grössten Sportverbandes der Welt. Der Rheinländer und Sozialdemokrat Bernd Neuendorf hat es ihnen dabei besonders angetan. Führungsstärke ist was Anderes
Neuendorf nimmt den beiden SZ-Autoren zufolge die Abschaffung der Informationsfreiheit durch die aktuell dilettierende Regierungskoalition persönlich vorweg. Er schweigt und macht sich unsichtbar, wo er qua Amt Verantwortung trägt. Aumüller/Kistner vergleichen es mit seiner Partei: “Die Lage ist beim DFB ungefähr so, als wäre die SPD gerade bei einer Wahl an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert, der Generalsekretär müsste gehen, der Parteivorsitzende aber würde sich um einen öffentlichen Auftritt drücken.” Dä.
Und nun das zusammen mit seinem Koalitionspartner Watzke inszenierte Zuwanken auf die vom Springer- und RB-Konzern gesteuerte “zwangsläufige” Personalie Jürgen Klopp als nächster Bundestrainer. Die zahlreichen damit einhergehenden ökonomischen Interessenkollisionen sollen ignoriert und durch die öffentliche Bühnenperformance weggespielt werden. Im Gegensatz zu Neuendorf ist der Ex-Boss des Fussballkonzerns aus dem westfälischen Raum ein despotenähnlicher Meisterregisseur. Und der Sozi Neuendorf, analog zur Bundesregierung, nur der Mitläufer.
Im eigenen DFB-Stall geht es drunter und drüber. Sein Beauftragter Michaael Vesper ist mit der Regionalliga-Reform gescheitert. Vereins- und Verbandsfunktionäre in den Regionalorganisationen und Bundesländern fallen übereinander her, wie in einem Western-Saloon – als gäbe es kein Morgen mehr. Die Frauen-Bundesliga – die entscheidende Zukunftsperspektive des Fussballsports mit unermesslichen Wachstumspotenzialen – hat sich abgespalten, bevor der DFB überhaupt einen Mucks machen konnte. Sie wollen den noch gar nicht gebackenen Kapitalkuchen mit niemandem teilen – ein getreues Abbild des real existierenden Neoliberalismus in einem angeblich gemeinnützigen Verband. Und während die “Sommermärchen”-Korruption von 2006 juristisch mühevoll beruhigt wurde, untersuchen Staatsanwaltschaften die Ticketkorruption der Heim-EM 2024. Es brennt überall. Wie in der Demokratie dieser Republik.
“Nie war der DFB so erfolglos”, meinen die SZ-Autoren. Das weiss heute jedes Fussballkind, Jungen wie Mädchen. Neuendorf hat bereits einmal die komplette Funktionärsschicht durchgewechselt. Das waren bisher vor allem millionenschwere Personalkosten; sportliche Erfolge stehen aus. Ausnahme: bei der Frauen-EM 2025 wurde das Halbfinale der besten 4 erreicht. Männer-EMs und WMs: Fehlanzeige.
Der Nagelsmann-Vertrag wurde Anfang 2025 bis 2028 verlängert. Wie teuer sein Abgang ist, entscheidet nun er. Der DFB muss um Gnade betteln. Das erinnere, so die SZ-Autoren, an die Vertragsverlängerung mit Löw vor der WM 2018 in Russland. Aber Löw sei ja immerhin zuvor Weltmeister geworden. Und nun wird mit Klopp verhandelt, ohne Alternativen. Er (+ Red Bull) diktiert die Vertragskonditionen.
Der heutige Fussballschriftsteller und Weltmeister Philipp Lahm meinte dazu im Kicker: “Ob er die Ideallösung ist, wird man sehen. Viel wichtiger wäre mir vorab eine Analyse zu den Fragen: An was scheitern wir seit vielen Turnieren schon? Woran hakt es?“ Dä. Der Kerl könnte es zum Politiker bringen.
Nicht viel Fantasie ist erforderlich, um sich vorzustellen, wie der Red-Bull-“Werbebotschafter” in seinem Hauptberuf als Bundestrainer Spieler seines Konzerns in die Nationalelf beruft – selbstverständlich, wie immer und überall in der Fussballwelt, immer ganz streng nach dem “Leistungsprinzip”. Wobei: entscheidend ist ja nicht der Einzelne, sondern das Zusammenspiel als Team! Und so ergibt sich der Red-Bull-Block im Nationalteam ganz automatisch aus streng sportlichen Kriterien. Und beiläufig steigt sein Marktwert und der Aktienwert des finanzierenden Konzerns.
Das ist Fussballpolitik, wie sie Donald Trump auch nicht anders machen würde. Wenn er, so wie Jürgen Klopp, was davon verstünde.

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