Beueler-Extradienst

Meldungen und Meinungen aus Beuel und der Welt

Kategorie: Fußball (Seite 65 von 74)

Freibad oder Fußball?

Für Jugendliche im Ruhrgebiet der 70er Jahre war das die tägliche Sommerlochfrage.
Selten liess sich beides so gut verbinden wie am 5.6.1971. Ich hörte die Schlusskonferenz des letzten Spieltages der Bundesliga im Freibad Gladbeck. Ich glaubte kaum an ein gutes Ende, denn Borussia Mönchengladbach schien durch die Wertung des Torpfostenbruchs im Spiel gegen Werder Bremen (Spielstand wenige Minuten vor Schluss 1:1, Spielwertung danach 0:2) die Chance zur Titelverteidigung gegen den Fußballkonzern aus dem süddeutschen Raum, verspielt zu haben. Doch dann gelang am letzten Spieltag der kaum zu erwartende 4:1-Auswärtssieg bei Eintracht Frankfurt. Bis zur 70. Minute stand es 1:1, Bernd Nickel hatte die Führung durch Netzer mit einem seiner berühmten Hammerweitschüsse ausgeglichen, alle Fingernägel waren abgekaut. Dann Weiterlesen

FC AudiAdidasAllianz zieht ARD eine lange Nase

Die Quoten-Strichjungen in der ARD-Programmdirektion haben es diesen Sommer wieder nicht leicht. Keine WM, keine EM (der Jungs), kein Olympia. Da haben sie sich am Grabbeltisch das Kirmesturnier in einer Großstadt im süddeutschen Raum andrehen lassen, in dem Glauben, Trainingseinheiten des dort regional führenden Fußballvereins würden nördlich des Main TV-Zuschauer*innen aus ihrer Liegeposition hochlocken. Nicht gemeldet wird, wieviel von unserem Haushaltsgebührengeld sie dabei an die armen Akteure, in deren Aufsichtsrat die Kleinunternehmen Audi, Adidas, Allianz, Telekom und ein Ex-VW-Boss sitzen, umverteilt haben. Ging jedenfalls ungefähr so schief, wie gestern der “Dieselgipfel“.
Im Einzelnen: der gastgebende Verein, der von gerichtsfest verurteilten Kriminellen angeführt wird, qualifizierte sich sportlich leider nur für das “Spiel um den dritten Platz”. Das sollen gestern ca. 2,5 Mio. Zuschauer*innen gesehen haben, also ein Drittel dessen, was die Frauennationalmannschaft, solange sie bei ihrer EM dabei war, vor die Glotze gelockt hat. Weiterlesen

Die Andern waren besser

Hält Deutschland das aus? Die jahrzehntelange deutsche Dominanz im Frauenfussball ist zuende. Eine gute Schulung für die Politik, wenn es in der globalen und europäischen Grossmachtkonkurrenz zu ähnlichen Ergebnissen kommen sollte. Für die europäische Entwicklung des Frauenfussballs könnte diese EM dagegen nicht besser verlaufen. Die alte Männer-Bundestrainer-Weisheit “Es gibt keine Kleinen mehr” ist offensichtlich bei den europäischen Fußball-Ladies endlich wahr geworden.
Was die bisherigen Viertelfinalsiegerinnen aus den Niederlanden und Dänemark sportlich gezeigt haben, sind keine Zufallsprodukte. Obwohl sie auch individuell herausragende Spielerinnen haben – van de Sanden, Harder, Nadim – funktionieren sie Weiterlesen

Maizière/Boris Palmer hätten Dänemarks Stürmerin abgeschoben

Bei der Fußball-EM zittert Deutschland vor Dänemark. Die Jungs 1992 hatten nicht gezittert, und dann locker 0:2 verloren. Ganz Europa, die ganze Welt hat gelacht über die Niederlage des damaligen Weltmeisters, weil Dänemark die Legende verbreitete, seine Spieler seien direkt von der Sonnenliege und der Pommesbude zum Finale angereist. Jetzt geht es ernster zu.
Die Däninnen haben ihren Sturm diesmal mit Nadia Nadim aus Afghanistan verstärkt. Das wäre mit unserem Bundesinnenminister sicher nicht passiert. Die FR setzt ihre sehr anständige von Frank Hellmann fast allein gelieferte EM-Berichterstattung damit fort.
Er beschreibt auch kurz gerafft die grossen Probleme der Mitfavoritinnen aus Frankreich, die als nächste WM-Gastgeberinnen unter zusätzlichem Verwertungsdruck stehen, und dem in der Vorrunde kaum standzuhalten wussten.
Und hier Hellmanns Protokoll der öffentlichen Statements von Steffi Jones, die keinem Druck aus dem Weg geht.

EM: Mädels, ihr werdets den Männern nie recht machen ….

Seit 1991 seid ihr zweimal Weltmeisterinnen geworden, also genauso oft wie die Jungs (1990 und 2014). Achtmal wurdet Ihr Europameisterinnen, davon die letzten sechs Male hintereinander. Die Jungs? Vergesst es, das letzte Mal vor 21 Jahren. Wie diese unterschiedlichen Leistungen bezahlt wurden – Mantel des Schweigens der Männer darüber. In den USA verklagen die Mädels die Männer jetzt dafür. Ihr dagegen seid schon mit 37.500 Euro zufrieden? Super, dann könnten wir den Tarif ja jetzt auch den Jungs vorschlagen, wg. Grundgesetz Art. 3, und so ….
1990 wurden die Jungs Weltmeister mit Rumpelfussball. Durch einen Elfmeter! Danach waren die Strassen voll mit Besoffenen (Männern), wie sonst nur beim Karneval. Ähnlich bei der EM 1996 (Golden Goal von Bierhoff), bei der die Jungs das Finale nur erreichten, durch ….. ein legendär gewordenes Elfmeterschiessen. Über die Schönheit ihres damaligen Fußballspiels lieber den Mantel des Schweigens, Weiterlesen

steffi jones ZDF 25.7. – 20 uhr 15

steffi jones ZDF 25.7.-20 uhr 15- einlaufkinder—2.ratzingers domspatzen —franz-josef wagner –BILD —3 die rückkehr der.hooligans-richard gebhardt(hg) -4.dembowski-chlada-gehrmann

WENN SIE HEUTE –DIENSTAG – 25.JULI 20127 — DAS wichtige dritte EM –gruppenspiel UNSERER FRAUEN gegen RUSSLAND anschauen, werden SIE ZEUGE eines EXPERIMENTS—-„kaum zu glauben,aber das ist der O-ton der BILD-zeitung heute –auf seite 12—auf der im dominanten oberen teil „BILD erklärt,wer jetzt BAYERNs SPORTDIREKTOR werden kann:– KAHN SAGT HOENESS AB— auch MEHMET SCHOLL (46) „ist kein thema mehr“ dafür werden THOMAS LINKE (47) und MIRO KLOSE (39)von BILD ins spiel gebracht.-ULI HOENESS hat auf der asien-reise verkündet,dass in den nächsten sechs wochen der SAMMER-nachfolger und neue sportdirktor bei bayern münchen bekannt gegeben wird—„
dIese mässig interessante meldung steht hoch über dem bericht zum deutschen frauenfussball heute abend —
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und was hat es auf sict mit dem angekündigten EXPERIMENT ?
„bundestrainerin STEFFI JONES (44/foto) bringt nach BILD -informationen mittelfeld-star LENA GOESSLING(31)- IN DER ABWEHR !- Weiterlesen

Big Data in China

Wer wissen will, wie der Fortschritt aussieht, muss immer öfter nach China schauen. Gut zu erkennen, dass der Fortschritt, vorsichtig formuliert, eine ambivalente Sache ist.
China will unseren Giftmüll nicht mehr. Daran ist zu erkennen, dass ganz wie bei uns in den 60er/70er Jahren (“Der Himmel über der Ruhr soll wieder blau werden”) sich umweltpolitische Erkenntnisse bahnbrechen. Mit deutlich erhöhter Geschwindigkeit tun sie das. Gut so.
Die feuchtesten Träume herrschender Klassen, auch die werden im “kommunistischen” China zuerst wahr. Wie kann ich die Beherrschten unter Kontrolle behalten, disziplinieren, zu Wohlverhalten erziehen? Das kann auch unsere Zukunft werden, denn “unsere” Konzerne täten nichts lieber, als sich an diesem Geschäft in China zu beteiligen. Als Bürger habe ich das Glück, aus dem Alter raus zu sein, mir das als Beherrschter noch gefallen lassen zu müssen. Für unsere Kinder und Enkel*innen täte es mir leid – da war unser Leben doch viel schöner und gefährlicher.
Was ich eben mit “unseren” Konzernen meinte, das macht u.a. dieser Fußballkonzern aus dem süddeutschen Raum gerade vor. Gladbach-Fan Klaus Hoeltzenbein, im Hauptberuf Sportressortchef der SZ, erfreut sich an den Intrigen in seiner Vorstandsetage . Glückwunsch nochmal, an Max Eberl.

EM: TV-Kommentatoren ins Tor

Bei der Fifa soll es eine Kommission geben, der heilige Marco van Basten soll ihr angehören, die sich Gedanken über Regelreformen macht. Ich hätte da eine Idee: die TV-Kommentatoren werden ins Aufgebot für das von ihnen zu kommentierende Spiel “ihrer” Mannschaft aufgenommen. Und bei der ersten Besserwisserbemerkung zum Torwartspiel werden sie sofort zwangsweise eingewechselt und selbst ins Tor gestellt. Bernd Schmelzer (BR) hätte also heute frühzeitig für Russland, und Claus Lufen (WDR) für Italien spielen müssen.
Im spannungsreichen 2:1 der deutschen Ladies gegen Italien entging den meisten Beobachter*inne*n, Weiterlesen

Frauen-EM macht Lust auf mehr

In Deutschland bricht, wenn mal eine Fußball-WM oder -EM nicht gewonnen wird, in der Regel sofort eine Krise aus. Die deutsche Vorberichterstattung zur diesjährigen Frauen-EM in den Niederlanden tut gerade so, als ergäbe sich aus dem sechsmaligen Titelgewinn in Serie ein Naturrecht, dass das so bleibt. Die Deutschen und ihr Sportverständnis, Übertreiben der Konkurrenz, Selbstoptimierungswahn, Leistungsfetischismus, gekoppelt mit fehlendem Sinn für Respekt, Schönheit, Muße und Genuss – das alles lässt sich im Fußball studieren.

Darum spielt der Frauenfussball – gegen alle ökonomische Rationalität übrigens – hierzulande immer noch ein Schattendasein. Die Frauenbundesliga dämmert dahin, von den Geldvereinen von VW und diesem Konzern aus dem südddeutschen Raum beherrscht, Zuschauer*innen*schnitt unter 1.000 pro Spiel, TV-Präsenz nahe 0. Folgerichtig wandern die besten Spielerinnen, wie Maroszan oder zuvor Bresonik, nach Frankreich ab. Besser bezahlt, und bessere spielerische Entwicklung. Die Französinnen sind seit längerem das Brasilien des Frauenfussballs: Weiterlesen

Nr. 1 im Pott – “nur der RWE!”

BVB-Fans, Ihr müsst jetzt ganz stark sein.
Einerseits lauert der Chinese Euren besten Spielern auf.
Andererseits werdet ihr Eure schlechteren Spieler nicht los.
Gegen einen Viertligisten habt ihr in jeder Halbzeit eine komplette Mannschaft aufgestellt, also quasi Zwei gegen Einen.
Und 2:3 verloren – gegen RW Essen, historisch die Verein gewordene Tragödie des Ruhrgebietsfussballs. Mein Grossvater verstarb 1974, zu seinem Glück, bevor die Tragödie ihren Anfang nahm, als RWE noch Bundesliga war und am 13.2.1971 beim 3:1 gegen den Fußballkonzern aus dem süddeutschen Raum nicht nur Gegentore, sondern richtige Messer auf Sepp Maier flogen. Mehr Angst und Schrecken als der Messerwerfer verbreitete unter Beckenbauer & Friends der heute zu unrecht fast vergessene Walter Hohnhausen, der dem Sepp zweimal einschenkte. Die Fankurve wurde danach baulich stillgelegt. Mittlerweile ist das ganze Stadion abgerissen und um 90 Grad versetzt neu gebaut worden. Dieses Bauprojekt hat sogar die lebenslängliche Herrschaft der SPD über die Stadt Essen beendet.
Unseren verstorbenen Beueler Fußballfreund Mike Mennen wird es im Himmel freuen, dass sein einstiger Schützling Sven Demandt als RWE-Trainer so einen schönen Prestigeerfolg landen konnte.
Liebe BVB-Fans, wenn Euch Eure Saisonvorbereitung unter dem neuen Trainer wichtig ist, dann müsst Ihr diese schmerzhaften Spielberichte lesen:
hier
hier
und hier.
Zum Trost könnt Ihr die ersten Bundesligaspieltage studieren, zu denen die Termine jetzt festgelegt sind. Da erwarten Euch leichtere Gegner 😉
Neu sind Termine Sonntagsmittags; das letzte Sonntagsspiel ist jetzt 30 Minuten später um 18 h. Für den Reaktionär Rupert Murdoch, Besitzer von Sky, wirft sich die DFL jederzeit in den Staub.

Update 17.7.: Treffender Kommentar von Küppi, gern gesehener Gast an der Essener Hafenstrasse, zu seinen Borussen: “Verlieren beim Viertligisten Rot-Weiss Essen und zeigen so menschliche Größe. Essen ist moralischer Erstligist in der Anderswelt, in der es kein Redbull und Hoffenheim gibt.” (Quelle: taz)

Ginter / Regionalliga-Zoff

Ist Ginter Christensen? Wer kann das wissen? Max Eberl wäre bereit gewesen, 20 Mio. für die Bindung von Andreas Christensen an Abramowitschs Chelsea zu zahlen. Das das realistisch gerechnet war, ist daran zu erkennen, dass es Chelsea wichtiger war Christensen zurückzuholen, als das Gladbacher Geld einzustreichen. Nun also 17 Mio. an den BVB, im Erfolgsfall 20 Mio. D.h. Ginter ist billiger als Christensen, es sei denn er wird genauso gut, dann kostet er das Gleiche. Die WAZ kommentiert das durchaus angemessen: Barca will für einen 30-jährigen Innenverteidiger 70 Mio. investieren; die haben das nötig, seit Carlos Puyol aufgehört hat. Und wer bei Christian Streich in der Schule war, kann kein ganz schlechter Kerl sein.

RW-Essen-Präsi Welling hat einen Vorschlag gegen die Misere der Regionalliga (= 4. Liga) in die Debatte geworfen. 90% der Regionalliga West, in der sich der Bonner SC letzte Saison einen feinen Mittelplatz erobert hat, ist sauer. Zu Recht.

Oliver Fritsch zu Fußball in Russland

Die Zeit ist Zeitverschwendung. Ihr allwöchentlich papiernes Übergewicht – welchen Body-Mass-Index (BMI) mag sie haben? – und ihr leseunfreundliches Überformat schrecken ab. Also genau richtig für ein Blatt, das elitär sein will. Ich besuche sie auch online nicht regelmässig, weil meine Erfahrung mit ihr ist, dass da das Gleiche drinsteht wie bei den andern, nur viel länger. Wer braucht das?

Eine Ausnahme muss ich machen, reuevoll: Oliver Fritsch. Seine Arbeit habe ich schon wahrgenommen, als er als Wissenschaftler aus Giessen den Blog “indirekter-freistoss.de” betrieb. Dort hat ihn die Zeit wohl entdeckt und ihn mit einer – hoffentlich anständig bezahlten – Planstelle gelockt. Oliver schreibt
hier zur Leistung der DFB-Elf
hier zu unserer kurzsichtigen Russland-Sicht
– und hier interviewt er einen demokratischen russischen Fußballfan, Anhänger des Spitzenvereins und Armeeclubs ZSKA Moskau; Oliver Fritsch ist ein sehr politischer Kenner der Fanszene.

Zu letzterem noch ein Nachwort: kürzlich musste ich bei einer Party unter politisch Gleichgesinnten wieder feststellen, wieviel Ahnungslosigkeit über die politischen Verhältnisse in der Fußballfanszene besteht. Das kommt wohl noch aus einer Zeit, in der man es sich leisten zu können glaubte, den Fußball zu ignorieren. Die Zeiten sind vorbei. Wer in einer sich segmentierenden Gesellschaft glaubt, sich für relevante gesellschaftliche Felder nicht analytisch interessieren zu müssen (was ja nicht heisst, dass sie einer*m auch gefallen), der/die wird bestraft, wie z.B. z.Z. ungefähr die Grünen.

Teammaschine schlägt Kampfmaschine

Respekt vor dem Gegner ist eine Tugend, die, nunja, nicht typisch deutsch ist. Chile, verdienter Gewinner der Copa America 2016, hat sich den verdient. Mit gerade einmal einem internationalen Star, Alexis Sanchez, und dem auffälligen Testosteronbomber und besoffenen Ferraricrasher Vidal im Aufgebot, der wegen Verletzung nur zeitweise mitspielen konnte, schlugen die Chilenen das stargespickte Argentinien (Messi, di Maria, Higuain u.v.m.) knapp aber verdient. Bei dieser Auseinandersetzung zeigte sich wie so oft, dass eine ausgeprägte Hierarchie der Stars, in Argentinien, wie nach Guardiola auch bei Barca, mit der absoluten Herrschaft des Messiclans, sich im Endergebnis negativ auf die komplette Mannschaftsleistung auswirkt. Wenn im Weltspitzenfussball die Kleinigkeiten entscheiden können, ist das keine Kleinigkeit mehr.

So auch gestern Abend. Weiterlesen

Super – zum Start 3 Punkte für VfL Borussia

Selten genug ist die profitgierige DFL (“Deutsche Fußball-Liga”) zu loben.
Genau genommen tu ich es hier zum ersten Mal.
Sie haben uns an 1. Spieltag als Gegner den 1. FC Köln zugeteilt.
Das sichert einen optimalen Saisonstart.
So wie es aussieht, treten wir gegen Modeste und Cordoba gleichzeitig an. Unser ehemaliger Torwart Jörg Schmadtke ist heftig dafür zu loben, dass er sich von der “Berater”-Mafia nicht am Nasenring durch die Arena ziehen lässt. Allein dafür hätte der FC einen Ehrenpunkt verdient. Den muss er sich aber woanders holen.
Das erinnert uns daran, dass wir noch einen Ersatz für Christensen brauchen. Manche meinten schon, das solle Jantschke machen. Und was ist, wenn der alte Mann sich mal wehtut? Eberl war schon gut unterwegs. Aber Christensens Leistungsstabilität wächst nicht an den Bäumen Fußballeuropas, sondern ist eher mit der Verborgenheit des Trüffels vergleichbar.
Eine weitere gute Nachricht: Martin Stranzl wurde wieder an den Verein gebunden, als Co-Trainer der U19. Wenn er dort vergleichbares leistet wie einst als Spieler, wird es dabei nicht bleiben.

Mexiko-Fußball / Spatzen / Bullen / Hass

Mexiko spielt seit vielen Turnieren regelmässig bei WMs mit und immer eine wichtige Rolle in amerikanischen Kontinentalmeisterschaften; die USA rangieren bis heute im Fußball da drunter. Sein nationaler Fußballmarkt ist unter dem amerikanischen Grosskapital bereits aufgeteilt und hemmt, auf allerdings besagtem global wettbewerbsfähigem Niveau, die sportliche Weiterentwicklung wie das Fußball-Fachblatt Handelsblatt analysiert.
Enthüllungen gegen die Fifa in BILD? Da liegt die Frage nahe: wem nützt es. Der Fußball ist längst Gegenstand globaler Strategien der Weltpolitik und verdeckter Strippenzieher. Mitleid gegen Russland und Katar und ihre jeweiligen Diktatoren ist sicher nicht angebracht, das macht ihre Gegner in den USA und Saudi-Arabien (und bei BILD) allerdings keinen Deut sympathischer – hier Fifa-Experte und everybody’s enemy Jens Weinreich im Interview mit der Funke-Mediengruppe.

Spatzen – Cord Riechelmann beschreibt in der FAS die historische Entwicklung unseres Verhältnisses zu ihnen. In meiner Kindheit galten sie als minderwertig gegenüber “Singvögeln” (Meisen, Rotkehlchen, Finken), heute versetzt uns ihr “Verschwinden” in ökologische Furcht. Weiterlesen

Löw 100 / EPAs mit Afrika – kappuddeneu

Jan Christian Müller hat sich als Sportchef der FR in harter Arbeit ein eigenes Standing erarbeitet, sich zu einer eigenen journalistischen Marke gemacht, mit dem Standortvorteil Frankfurt/M., Sitz von DFB, DFL und DOSB. Seine heutige Würdigung von Joachim Löw, anlässlich seines 100. Länderspielsieges als Bundestrainer, kann als Muster in Journalist*inn*enschulen genutzt werden. Fußballjournalismus ist immer “eingebettet”, wie in Diktaturen, sonst kriegt man nichts mehr erzählt. Dennoch werden es geübte Leser*innen schaffen, auch Kritik zu entdecken, gut versteckt.

Hier wurde schon auf den Widerstand Nigerias und Tansanias gegen die EU-Freihandelsdiktate hingewiesen. Und siehe da, das ist bis zur Bundeskanzlerin vorgedrungen, von der aussenpolitisch desinteressierten deutschen Öffentlichkeit kaum beachtet. Die deutschen und EU-Verhandler*innen agieren zwar weitgehend empathiefrei, aber als strategische Realist*inn*en. China ist in Afrika bereits viel weiter gekommen, Konkurrenz belebt das Geschäft. Vor allem für Parlamente, die sich auch mal ein “Nein” trauen.

Europa / Big Data / Journalismus

Es ist gelegentlich gut, wenn wir uns dran erinnern und André Wilkens auf Carta tut es: an Europa ist nicht alles schlecht. Wer hier zur Welt kam und lebt, hat, was Ort und Zeit betrifft, ziemliches Glück gehabt.
Jürgen Drommert (telepolis) hat versucht, sich individuell Big Data zu entziehen und dabei hohen Aufwand betrieben. Es geht nicht. Es ist Sache der Politik. Die wird es nicht von alleine erledigen. Es muss eine politische Bewegung organisiert werden, die der Politik – auch ganz analog – auf den Leib rückt.
Selma Mahlknecht schreibt ein gleicher Stelle ein realistisches Update zur Lage des Journalismus.

Und wenn gleich die DFB-Elf nicht gegen Kamerun gewinnt, dann kriegt hier Spiegel-online noch ordentlich einen gefegt.
Update 25.6.: 3:1; über Arroganz gegenüber Afrika-Meistern schreibe ich also ein anderes Mal.

Stindl / 4. Liga erneut in Aufruhr

Wenn der Confed-Cup für irgendwas gut ist, dann für das Fußballerleben von Lars Stindl. Das ist eine Freude. Im Spätsommer, von Herbst ist noch nichts zu spüren, seiner Karriere ist seine Begeisterung, auf einer globalen Bühne der Weltklasse mitspielen zu dürfen für jede*n sichtbar. Mit 28 Jahren führt er nicht nur Borussia Mönchengladbach als Kapitän, sondern auch die zweite Reihe der Nationalmannschaft, in der gestern gegen Chile der ernannte Kapitän Draxler mit seiner schwankenden Form etwas unsichtbar geworden ist. Chile, diese Pressingkampfmaschine, vor allem in der 1. Halbzeit, zu Recht Amerikameister gegen Argentinien geworden, mit der ersten Reihe angetreten, wurde wirkungsvoll Paroli geboten. Nicht zu übersehen war dabei die gewachsene Bedeutung des Uwe-Kamps-Schülers Marc-Andre Ter Stegen, dessen Fuss(!)ballkunst für das 1:1 eine notwendige Bedingung war.
Klasse-Lars, wir freuen uns auf die nächste Saison mit Dir, und wenn Dich jemand abwerben will, bist Du auf jeden Fall ordentlich teuer geworden. Jetzt bloss nicht noch verletzen!

Chinas U20 soll nächste Saison in der Regionalliga Südwest mitspielen, also das, was früher mal der SV Alsenborn gewonnen hat. Die habens nötig. Bei uns im Fußball-Westen findet das niemand mehr lustig. Die Kritik tut den jungen ehrgeizigen Chinesen sicher unrecht, dem DFB und der DFL aber ganz sicher nicht.

Pokalfinale – Journalismus Fehlanzeige

Der ARD als öffentlich-rechtlichen Sender ist Werbung nach 20 h eigentlich verboten. Gestern jedoch sendete sie ab 20 Uhr den ganzen Abend Werbung – eine Produktpräsentation des Deutschen Fußballbundes. Nach meiner Kenntnis ist in den Verträgen alles genauestens geregelt, ein dickes Buch. Nur bekommt die ARD für diese Werbung nichts gezahlt, sondern im Gegenteil zahlt noch eine Millionensumme, um diese Dienstleistung für den DFB zu bekommen. Ist ja unser Geld, also egal.

Manche Fans beschwerten sich, die Pfiffe während des Pausenauftritts einer bei Fußballfans nicht so doll populären Schlagersängerin seien runtergepegelt worden. Antwort der ARD: hamwer immer so gemacht. Aber Bild und Ton werden gar nicht mehr von Reaktionen und Journalisten gemacht, sondern von technischen Dienstleistern im Auftrag des Veranstalters (in der Bundesliga, sowie bei WMs und EMs genauso). Die TV-Sender müssen das dann vertragilch übernehmen. Die Pressefreiheit für Bild und Ton ist also schon abgeschafft.

Und auch beim Wegmoderieren wollte sich Herr Bommes nicht lange mit “großer Spielanalyse” beschäftigen, Weiterlesen

Kunst des Aufhörens – Ewald Lienen

Die größte Freude in dieser Fußballsaison, in einer Branche des Irrsinns, war mal wieder der FC St. Pauli. Hier wurde das von der SPD für sich proklamierte NRWIR tatsächlich umgesetzt. Der Rheinländer Andreas Rettig und der (Ost-!)Westfale Ewald Lienen zusammen in einem Fußballverein: “Es ist furchtbar, aber es geht!” (Copyright: Jürgen Becker).

Ewald Lienen hat alle Stufen des Fußballirrsinns durchlebt. Oberschenkel aufgeschlitzt von einem Legionär Otto Rehagels, Trainerstationen in Mönchengladbach und (!!!) Köln, des Wahnsinns nah bei 1860 München und AEK Athen, das Elend dort gesehen und in Rumänien. Dann St. Pauli: Rettung vor dem Abstieg, dann den Aufstieg knapp verpasst, dann Letzter nach der Hinrunde mit 11 Punkten aus 17 Spielen, nicht gefeuert, und dann eine Rückrunde wie ein Bundesligaaufsteiger. Und in diesem Moment großen Erfolges: ein Schritt zurück, für einen Nachfolger. Eine Kunst, die in Politik und Entertainment kaum noch jemand beherrscht.

Ich weiss von meinem Gastautor Gert Samuel, dass Ewald Lienen auch im direkten persönlichen Umgang ein angenehmer, grundvernünftiger, vielleicht westfälisch-dickschädeliger, aber strategisch klug denkender Mensch ist. Bis hierher ein erfülltes Leben, in dem er uns Mitmenschen viel gegeben hat.

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