Beueler-Extradienst

Meldungen und Meinungen aus Beuel und der Welt

Kategorie: Fußball (Seite 64 von 75)

Trittin / Kälber / Grindel

“Nur die allerdümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber” sagt der Volksmund. Nun, was für AfD-Wähler*innen gelten mag, ist für viele Kälber eher beleidigend. Aber der Reihe nach.

Jürgen Trittin zeigte gestern im Tagesthemen-Interview klare Kante gegen AfD-Positionen der CDU/CSU. Innerparteilich macht er sich damit nicht nur Freund*inn*e*n, aber er bindet damit die noch verbliebenen Grünen-Wähler*innen, mich jedenfalls.

Kälber dagegen sind gar nicht so doof, wie uns am Ende dieses NDR-Films ein kluger Bauer erklärt. Und wussten Sie, dass die meisten Kälber unter unseren konventionellen Haltungsbedingungen Magengeschwüre kriegen? Ich auch nicht. Wollen Sie sowas essen? Ich auch nicht. Darum wird es auch lieber gar nicht erst untersucht.

Wie ein genervtes Kalb guckte DFB-Chef Reinhard Grindel (CDU), als er bei der Pressekonferenz zum Aserbaidschan-Länderspiel Stellung beziehen musste. “Politiker” sollen ihn “darauf angesprochen” haben. Ich kenne welche persönlich, die das hier gelesen haben. Noch schöner wäre, wenn das Gerede auch politische Konsequenzen bekäme. Aserbaidschan ist immer noch vorgesehener Spielort der EM 2020. Was sagt der DFB in der UEFA dazu?

Godzilla / Bahndesaster / Münster / Aserbaidschan / Leverkusen

Noch ein Godzilla-artiger Milliardär will das Fußballentertainment über sein Medium aufmischen. Sp-on erklärt anschaulich seine Unternehmenstrategie, verliert aber kein Wort über die Politik des Herrn Blavatnik. Ein Milliardär seiner Gewichtsklasse – 20 Mrd. $ – kann sich aus der Politik nicht herausgehalten haben. Da ausser Spenden für Obama bisher nichts durchsickerte, hat er eine wirkungsvolle Diskretionsstrategie. Dieser Transparenzmangel vergrössert mehr Verdacht auf Kriminalität als er bekämpft. Und das Schweigen der Medien darüber schafft ebenfalls kein Vertrauen sondern bestätigt allen Verdacht, den Menschen über “die Medien” sowieso schon haben.

Das FAZ-Feuilleton nimmt sich heute des Bahndesasters bei Rastatt an. Der Autor Hansjörg Küster erklärt anschaulich die geologischen Ursachen. Bleibt die Frage offen, warum die DB sie ignoriert hat. Ahnungslosigkeit und Kompetenzmangel? Oder skrupellose Risikobereitschaft? Oder eine Mischung von alldem?

Andreas Rossmann identifizierte den Sozialdemokraten Jochen Köhnke als Ursache dafür, dass Münster der einzige Bundestagswahlkreis war, in dem die rechtsradikale AfD unter 5% blieb. Weiterlesen

SPD / Rauchende Sportler

Wolfgang Michal, der gut kennt wovon er schreibt, skizziert im Freitag die organisationspolitische Entwicklung der größten und ältesten Partei Deutschlands. Traurig, aber wahr.
Auch Albrecht von Lucke widmet sich in den Blättern der Degeneration der einstigen Volksparteien.

Wo wir den Blick schon ins gestern werfen, noch ein Hinweis zur einstigen Genusskultur des Rauchens (ich selbst habe es nie getan, und schon gar nicht genossen). Matthias Marschik und Rolf Sachsse haben sich dem Bild vom “Rauchenden Sportler” in einer kleinen Buchveröffentlichung gewidmet, schöne eindrucksvolle Bilder dabei. Und es war gar nicht so schädlich, wie die meisten von uns denken. Nikotin ist leistungssteigernd, insbesondere im heutigen athletischen Hochgeschwindigkeitsfussball. Darum wird es, wie der DLF gestern berichtete, von rund einem Viertel der Leistungssportler oral zu sich genommen. Legal, es steht nicht auf der Dopingliste.

Jupp

Knastbruder Uli Hoeness hat wohl nicht mehr viele echte Freunde. Und der Fußballkonzern im süddeutschen Raum scheint keine gute Adresse mehr zu sein für Leute, die im Fußballbusiness noch eine Weltkarriere anstreben.

Die aktuelle Gerüchteküche zeugt zum einen von der persönlichen Integrität von Jupp Heynckes. Der hat in diesem Geschäft wirklich alles erlebt, von Morddrohungen bis zum Rausschmiss nach dem Gewinn der Champions League. Er hat die Welt gesehen und ist zum Lebensabend an den Niederrhein zurückgekehrt, wie er es immer wieder getan hat. Und lässt seine Freunde nicht, wie die meisten andern in der Branche es irgendwann tun, fallen. Also hat er sich überreden lassen, noch mal dort zu arbeiten, wo er schon mehr Erfolge eingefahren hat, als die meisten andern, die sich heute noch als Celebrities und Gastkommentatoren rumreichen lassen. Ich weiss von befreundeten Journalisten: der Mann wirkt nicht nur anständig, er ist es auch.

Wie anders sein alter neuer Arbeitgeber. Weiterlesen

WM-Quali: Tritt DFB-Elf gegen Mörder an?

Seit langem beklage ich an dieser Stelle den Umgang des WDR mit seinem – und des ganzen deutschen TV – einzigem Produkt des Sportjournalismus abseits der plumpen Produktpräsentation: Sport inside. Aktuell hat der Sender sonntags Arnd Zeigler um 90 Minuten vorgezogen, direkt hinter die Bundesligazusammenfassung und beschert ihm so, es sei ihm gegönnt, höhere Zuschauerzahlen. Das ungeliebte Rechercheformat dagegen soll auf dem alten Zeigler-Sendeplatz um 23.30 h versenkt werden. Zum Glück ist das nicht ganz gelungen.

Immerhin 150.000 sollen letzten Sonntag trotzdem zugeguckt haben. Dort haben sie gesehen, dass Aserbaidschan im kommenden WM-Qualifikationsspiel anscheinend gedenkt, einen Spieler aufzubieten, der unter Mordverdacht an einem oppositionellen Journalisten steht: hier der Beitrag, der den Vorwurf mit Zeugenaussagen dokumentiert.

Nun spekulieren wohl alle darauf, dass das in der Öffentlichkeit ausserhalb Aserbaidschans niemand bemerkt. Weiterlesen

Statt im-Stau-stehen: Lesen!

9290 Staus mit einer Gesamtlänge von 9.700 km soll der ADAC am Freitagabend, dem Beginn dieses Brückentagwochenendes gemeldet haben. Bisher habe ich geglaubt, der Mensch lerne nur aus Erfahrungen. Selbst das ist in deutscher Leitkultur wohl nicht vorgesehen. Zu ihr gehört das Auto und sein in-mindestens-drei-Reihen-auf-die-Autobahn(das “Gute” von Adolf)-stellen.

Es gibt Alternativen. Z.B. zuhausebleiben, Ausschlafen, zu-Fuss-gehen (mit dem Fahrrad geraten sie genauso in den Stau, dafür gibts nur noch kein Meldesystem), aufs-Sofa-legen, besonders-bei-schlechtem-Wetter-ins-Eiscafe-setzen, ausgiebig Mittag- und Abendessen, und vor allem: viel Lesen. Es gibt mehr zu lesen, als Sie schaffen können, viel Müll dazwischen, aber auch viel Gutes. Hier aktuelle Hinweise:

Libyen: da wollen unsere Regierungen in Zukunft Migrant*inn*en in Lagern einsperren. In der taz und bei Telepolis können Sie nachlesen, wer sich dort fürs Aufpassen, Bewachen und ggfls. Umbringen bewirbt.

Es wird wenig Freude machen, aber Ignorieren ist auch keine Lösung: in Mexiko wird der “Femizid”, das massenhafte Ermorden von Frauen immer gebräuchlicher. Weiterlesen

Die Nomenklatura kanns auch nicht

Die deutsche Fußballmeisterschaft scheint so langweilig zu laufen wie jedes Jahr. Nur dass der Meister dieses Mal wechselt. Es läuft auf den BVB hinaus, der auch schlechte Spiele, sogar solche seines nächsten Verkaufskandidaten Aubameyang, gewinnt.
Der Fußballkonzern aus dem süddeutschen Raum wird dagegen weiter für gute Unterhaltung sorgen. Nach dem 0:3-Untergang in Paris und dem erfolgreichen Trainersturz machte es die heute auf dem Platz stehende Kabinennomenklatura auch nicht besser. Wie zuvor gegen Wolfsburg wurde ein 2:0-Vorsprung noch vergeigt. Ribery verletzte sich, Robben war auch nach einer Stunde müde. Die Abwehr aus Boateng, Hummels, Kimmich und Alaba sprach immer wieder Einladungen an die Berliner “Männerfussball“-Ideologen aus. Der beste Fußballer in ihren Reihen Kalou nahm eine dieser Einladungen an.
In der Tabelle der börsen- und konzernunabhängigen Vereine, zu denen Hannover 96 ja bald nicht mehr zu zählen ist, führt jetzt also Weiterlesen

Noch 29 Punkte

Die Blog-Kollegen von seitenwahl.de deuteten vor dem heutigen Spiel bereits eine Trainerdiskussion bei Borussia Mönchengladbach an. Tatsächlich hängt uns die Erinnerung an das vergeigte Finale der letzten Saison noch in den Knochen. Auch in der neuen Spielzeit gab es noch kein spielerisch überzeugendes Match. Eine Heimniederlage heute und ein möglicher Heimsieg des SC Freiburg morgen, und wir wären mitten im Abstiegskampf.
Zum Glück ist es anders gekommen. Der Gegner kam heute mit breiter Brust, ein noch ungeschlagener Aufsteiger, auf einer Welle von Erfolgserlebnissen surfend. Zum Glück für uns führt die Vereinsführung von Hannover 96 Krieg gegen ihre Fans, so dass die als “12. Mann” weitgehend ausfallen. Weiterlesen

Grüne / BVB / Balkansalafismus / BRD-Entstehung

Rhetorisch hat es Robert Habeck voll drauf. In einem langen taz-Interview findet er heute weitgehend den richtigen Ton, wie in seinen zahlreicher werdenden Talkshowauftritten. Eine gute Medienperformance muss nicht immer identisch sein mit dem harten praktischen Handeln, wenn die Türen zu sind. Da ist bei jeder/m Misstrauen und Aufklärungsinteresse angebracht. Aber das Publikum ist ja schon dankbar, wenn einer überhaupt etwas gut kann.

Den richtigen Ton findet heute auch BVB-Trainer Peter Bosz in einem langen Interview für die WAZ. Rührend und sehr informativ, was er über sein Zusammentreffen und Kennenlernen mit Johan Cruyff erzählt. Niemand hat so schöne Spuren im Fußball hinterlassen, wie der.

Mit Norbert Mappes-Niediek habe ich Ende der 70er Jahre mal einen Bonner AStA ausgehandelt, er für den SHB, ich für den LHV. Vorsitzender wurde dann der Mathematiker und heutige Wissenschaftsjournalist Christoph Drösser, Stefan Eisel und eine Angelika Westerwelle mussten tatenlos dabei zusehen. Es war eine grosse Freude. Mappes hat ebenfalls die Journalistenkarriere eingeschlagen. Ich weiss nicht, wie reich er damit wird, für mich als Leser/Hörer hat es sich jedenfalls schon sehr gelohnt. Er lebt im schönen Graz und berichtet von dort für mehrere deutsche Medien über das Geschehen auf dem Balkan. Jüngst ein DLF-Feature über die Entwicklung des Salafismus in mehreren benachbarten Ländern. Bei diesem Autor lernen Sie immer noch was dazu.

An ein wichtiges Kapitel aus der Entstehungsgeschichte der BRD Erinnert Markus Kompa auf Telepolis. Es ist ein Kapitel, das in den meisten Schulbüchern und Leitmedien grosszügig weggelassen wird. Manche wittern dahinter Verschwörungen. Das neudeutsche Wort dafür ist Netzwerken. Das gibt es schon, seit es Menschen gibt.

The winner: Ancelotti & China

Die Ignoranz des Medienrudels ist oft zum verzweifeln. Ich hatte das hier schon zu Saudi-Arabien/Jemen hervorgehoben: es ist unfassbar, dass, was für Unsereinen eine fünfminütige Recherche-“Arbeit” ist, bei der Mehrzahl der professionalisierten Mediendinestleister schon eine Überforderung ist. Im gescheiterten “realen Sozialismus” gab es mal die Fantasie von der “allseitig gebildeten Persönlichkeit”. Sie scheint im heutigen Kapitalismus definitiv nicht möglich zu sein. Ein bisschen mehr Lesen und Lernen, das wäre schon viel.

Noch schlimmer als im Politikjournalismus sieht es beim Sport aus. Das einzige sportjournalistische Produkt des deutschen Fernsehens und seiner hunderten Programme, die WDR-Produktion “Sport inside“, beendet – sage und schreibe am 1. Oktober – seine “Sommerpause”.
In der abgelaufenen Woche wurde uns vorgespielt, dass der arme Trainer Ancelotti wegen angeblicher Erfolglosigkeit seinen gut bezahlten Arbeitsplatz loswurde. Wie lächerlich ist das denn? Nur einer, Gladbach-Fan Christian Eichler bei der FAZ, scheint es verstanden zu haben. Weiterlesen

Andere Kulturen: bei der Bahn, im Fußball, Männer

Die Bahnkatastrophe im Rheintal, auf die in diesem Blog schon hingewiesen wurde, wird immer noch nur von Nischenmedien ausgeleuchtet. Winfried Wolf, alter Trotzkist, dennoch exzellenter linker Bahnexperte, auch mal MdB der Linken gewesen, beschreibt in Kontext minutiös die Vertuschung des Unfallhergangs bei Rastatt. Christoph Jehle beschreibt auf Telepolis die aktuell missliche Lage im europäischen Bahnnetz: alle haben ihre Arbeit gemacht, mit milliardenschweren Vorleistungen vor allem in der Schweiz, nur die Deutschen sind für alles was Eisenbahn betrifft zu doof.
Das hat mentale Ähnlichkeiten mit der Bearbeitung der Gewaltverbrechen der NSU oder des Terroristen Amri: es wird eine spezifische Kultur der Verantwortungslosigkeit in deutschen Bürokratie- und Konzernstrukturen erkennbar.
In China geht alles viel schneller: nicht nur die E-Autoquote, die Zugstrecken werden schneller gebaut, die Züge fahren schneller, und die korrupten Verantwortlichen landen schneller im Knast. Ist uns das, hier von Kai Strittmatter in der SZ beschrieben, lieber, so ganz ohne bremsende Demokratie? Weiterlesen

CL – wir werden sie nicht vermissen

Die Champions League der Uefa ist seit einigen Jahren nicht nur die Geldmaschine, die einige wenige Clubs konkurrenzlos reich macht. Sie ist in den letzten Jahren auch zu einem der langweiligsten Wettbewerbe des Weltfussballs geworden. Von den letzten 8 des Viertelfinales sind meistens 7 immer die Gleichen.
Nun haben sich die vereinigten Mafiosi dazu entschlossen, die TV-Rechte dieses Wettbewerbs für Deutschland ab der nächsten Saison komplett im Pay-TV verschwinden zu lassen. Das Gute daran: dass es nicht mehr unser Geld ist, das diesen Figuren vom ZDF hinterhergeschmissen wird.
Wir dürfen es also als solidarischen Widerstand des deutschen Spitzenfussballs gegen Trump-Förderer Rupert Murdoch auffassen, erst gar keinen Abschiedsschmerz aufkommen zu lassen, und heute und gestern alle Spiele zu verlieren: Brause Leipzig 0:2, Katar II bei Katar I 0:3 und nur der BVB tanzte aus der Reihe und schoss ein Tor bei seinem 1:3. So verringern sich auch die CL-bedingten Wettbewerbsvorteile in der Bundesliga, weil keine Punktprämien eingespielt wurden. Und die Süddeutschen werden sicherlich noch für gute Intrigenunterhaltung sorgen, denn es muss ja geklärt werden, dass der Trainer an allem schuld ist.
Nun bleibt abzuwarten, ob wenigstens die Bundesligasaison noch spannend wird. Oder ob der BVB sie langweilig macht. Wie Küppi Montag schon kommentierte: “Langsam wird es unheimlich.”

Klassenverhältnisse in Europas Fußball

Die gute Nachricht vorweg: in meiner Fußballkneipe meldeten sich heute auf die Frage des Wirtes “wer will Leipzig sehen?”: 0. Eine Konferenzschaltung blieb uns also erspart.
Die anderen Erkenntnisse sind weniger erfreulich. Die Mafiosi des Fußballbusiness sind ihrem Ziel, dass Geld doch Tore schiesst – die gegenteilige Behauptung von Otto Rehhagel erreicht dieses Jahr das antike Alter von 22 Jahren – diesem Ziel sind sie mittlerweile sehr nahegekommen.

Seien wir ehrlich: das grundsätzlich ansehnliche Spiel heute Abend im Dortmunder Westfalenstadion offenbARTE nicht minder einen Klassenunterschied, wie es dem BVB zuletzt gegen meine Borussia und den Verein aus der Stadt mit der grossen Kirche in der Mitte gelungen war. Das 1:3 entsprang königlicher Gnade und hätte böser enden können. Real hatte im fremden Stadion eine klare Chancenüberlegenheit. Und wo einem Weltklassestürmer wie Aubameyang Ballannahmen misslangen, gelangen Ronaldo und Bale saubere One-Touch-Torerfolge. Weiterlesen

Rummenigge knapp einem Anschlag entronnen

Wenig wahrgenommen von der breiten Öffentlichkeit hat der Präsident des Fußballkonzerns aus dem süddeutschen Raum Karlheinz Rummenigge kürzlich den Vorsitz in der Vereinigung der europäischen Grossclubs (ECA) aufgegeben, nach immerhin 10 Jahren. Kaum war sein Nachfolger, Juve- und Fiat-Boss Agnelli bestimmt, schlug direkt mal eine Bombe im Gebälk der Fußballkonzerne ein. Agnelli wurde verurteilt. Von einem italienischen Sportgericht.
Das allein ist schon eine Sensation.
Nicht minder spektakulär ist die Straftat: er hat die lukrative Verwaltung eines Fanblocks an die kriminelle Vereinigung N’Drangheta, die kalabrische Mafia übergeben. Der Kopf des größten norditalienischen Kapitalblocks macht also gemeinsame Sache mit dem brutalsten Mafiazweig Süditaliens.

Stört das irgendjemanden im europäischen Fußballbusiness? Interessiert das irgendjemanden in der EU? Ach was, Kleinkram, heute wird wieder Geld in der Champions League gemacht, Murdochs Sky wird senden (in Deutschland exklusiv!), China, Katar, Aserbaidschan und Russland werden zuschauen. Das ist wirklich wichtig.

Fußball? – Bin fieberfrei!

Heute, nee siehste schon der erste Fehler, gestern war der erste Spieltag der Gruppenphase in der europäischen Geldwaschanlage Champions League. Seltsam spannungslos, erst recht nach all den erwartbaren Ergebnissen von gestern. Dass Juve bei Barca so klar (0:3) untergeht, war schon das Überraschendste, gähn ….

Diese Probleme drohen auch der deutschen Bundesliga. In der Champions League genügt es, sich frühestens zum Viertelfinale im nächsten Frühjahr wecken zu lassen. In der Bundesliga ist die spannendste Frage, wie der HSV dieses Mal den Abstieg vermeidet; und dann erst, wer hinter dem Konzern aus dem süddeutschen Raum und dem BVB die größte Verschiebung zwischen Geld- und Sporttabelle schafft (meistens der SC Freiburg). Genauso gähn …

Die ganze Aufregung, die einem echten Fan noch bleibt, ist das ständige Auf und Ab in der Formkurve seines Lieblingsvereins. Vereine, die eine solche Formkurve nicht kennen, sind langweilig; und ihre “Fans” haben keine Ahnung, was Fansein überhaupt ist.

Es gibt eine Studie, die es langsam zum Standardwerk schafft, die Braunschweiger “Fußballstudie”, die jedes Jahr Untersuchungen zum Markenwert der DFL-Vereine veröffentlicht. Sie basiert nicht auf den Rankings von Media- und Werbeagenturen, sondern auf Aussagen von Fans und Konsument*inn*en. Die dort veröffentlichten Tabellen sind aufschlussreicher und spannender, als alles was die DFL derzeit selbst zustandebringt. Weiterlesen

Therapie für die Grossmacht

Nachdem das Duett der Kanzlerin und des Kandidaten beiden Parteien den Umfragen zufolge geschadet, und wie es Lutz Hachmeister richtig bewertet hatte, der AfD und der Linkspartei, sowie der FDP genützt hat, traten gestern die Herren Özdemir und Schäuble im baden-württembergischen Regionalprogramm von Anne Will an.
Ich will so ehrlich sein: ich habe die Sendung nicht erlitten, und stattdessen lieber miterlebt wie der “Fußballgott” Tom Theunissen den Kandidaten Arnd Zeigler anlässlich seines 10-jährigen Sendungsjubiläums zu seinem “Stellvertreter auf Erden” ernannte. Das war auf jeden Fall amüsanter und liess einen besser statt schlechter gelaunt zubettgehen.
Heute nun bekam ich Zeugenaussagen über das politische Ereignis, die vermuten lassen, dass die FAZ-Würdigung des von mir hochgeschätzten Hans Hütt allzu freundlich ausgefallen ist. Die Bewertung “Paartherapie” legt eine gleichberechtigte Ebene nahe; Grüner und CDUler stritten darum, wer besser für die Wirtschaft ist. Man darf vermuten, dass Schäuble sich davon hat traumatisieren lassen, dass die Kretschmann-Grünen da in seiner Heimat der CDU den Rang abgelaufen haben. Özdemir zelebrierte aber erneut den Irrtum der Berliner Blase, dass der Unterschied zwischen Schwarz-Grün und “Jamaika” (also mit FDP) relevante Teile der Grünen mobilisieren könne.
Im Gegensatz zu Hütt sahen andere Betrachter eher ein Therapiegespräch zwischen Vater und Sohn. Selbst die Würdigung von Pascal Beucker in der taz sei noch schmeichelhaft – es sei “noch schlimmer” gewesen.

Auch die Deuterbranche hat Probleme: Stefan Reinecke bespricht zwei Bücher, von Heinrich A. Winkler und Bernd Ulrich, über die Rollensuche der Grossmacht Deutschland. Bei Ulrich soll der Fußball da auch eine therapeutische Rolle bekommen haben.

Zum Thema politische Familientherapie passte heute auch das DLF-Kalenderblatt von Extradienst-Gastautor Michael Kleff über Jessica Mitford.

WM-Quali Afrika – ja, die gibts

In einer Mischung aus bräsiger Unkenntnis und rassistischer Arroganz ignorieren selbst die meisten Fachmedien die Qualifikationsrunde Afrikas zur Fußball-WM 2018 in Russland. Dabei geht es in einigen der fünf Gruppen dramatisch zu. Durch Zufall wurde ich über die ZDF-Videotextseite 494 – die ARD, verantwortet vom “Hauptstadtsender” RBB ignoriert das Geschehen komplett – darauf aufmerksam.

Bisher sind 4 von 6 Spieltagen gespielt. Die ersten zwei wurden schon vor knapp einem Jahr abgewickelt, die nächsten zwei rund ums vergangene Wochenende. Die weiteren zwei Spieltage folgen Anfang Oktober und Anfang November. Die jeweiligen Sieger der 4er-Gruppen sind qualifiziert. Weiterlesen

“Duell”? – Bannas lässt die Luft raus

Oft frage ich mich, wieviele in der Berliner Blase überhaupt noch unsere Verfassung und unser Wahlrecht kennen. Günter Bannas, nach Berlin zugewanderter Leiter des FAZ-Hauptstadtbüros (inkl. “Hauptstadttoilette“, Zitat Friedrich Nowotny) mit rheinischem Migrationshintergrund, ist so einer. In unserer Jugend gab es noch einen Sozialkunde-Unterricht. Wenn die Lehrer*innen schlecht waren, haben wir uns die Inhalte einfach selbst angeeignet. Und was aus Konfliktreibung entstanden ist, erwies sich als “nachhaltig”.
Durch solche Konfliktreibung, Bannas erwähnt das richtig mit dem Namen Ditfurth, es verbindet sich in meiner Erinnerung aber noch mehr mit dem Namen Trampert, ist das “Duell” überhaupt entstanden. In den damaligen “Elefantenrunden” der Spitzenkandidaten aller Parteien flippte Helmut Kohl dermassen unkontrollierbar aus, zur Freude eines stellenweise betrunkenen SPD-Vorsitzenden Brandt, dass das Kanzleramt zu dem Schluss kam: Schluss damit. Damals waren, die jungen Leute von heute werden es kaum glauben können, die Grünen von den Herrschenden noch gefürchtet.
Meine Konsequenz, zumal ich schon gewählt habe: das Langweiler-“Duell” spare ich ein. Meine Empfehlung danach: nicht “Anne Will” glotzen, sondern Deutschlandfunk hören. Dort wird u.a. Lutz Hachmeister, immer noch einer der klügsten Medienanalysten in unserer Republik, um die Deutung des Ereignisses mitringen.
Update 6.9.: Hachmeisters aktuelle Einschätzung der mdienmachtverhältnisse hier im Interview.

Katar “muss” den Fußball kaufen

Beruhigt Euch hat mein Vorbild Silke Burmester mal eins ihrer Bücher genannt. Auf den Fußball dieser Wochen gemünzt: so what? Katar investierte kräftig in seinen Stützpunkt PSG in Paris. Warum? Die dort regierende Feudalclique ist unbegrenzt liquide durch gehaltvolle Öl- und Gasfelder. Sie investiert also in den Vertrieb dieser Rohstoffe. Und weil die zwar reichhaltig, aber nicht unbegrenzt sind, diversifiziert sie gleichzeitig ihre Kapitalanlagen. Angesichts der Nullzinspolitik der US- und der europäischen Notenbank gibt es nur noch wenige Geschäftsfelder mit attraktiven Renditen. Dazu gehören aktuell die sich aufblasenden Branchen Immobilien und Fußball/Entertainment.

Katar wird derzeit vom neidischen größeren Nachbar Saudi-Arabien bedrängt. Es ist also darauf angewiesen, sich weltweit Freunde zu kaufen, Weiterlesen

Diese Chance für Bonns City wird ungenutzt bleiben

In der letzten Aprilwoche des Jahres 1972 kam ich das erste Mal nach Bonn, es war eine Klassenfahrt. Es sollte eine sensationell ereignisreiche Woche werden: Deutschland gewann zum ersten Mal in der Fußballgeschichte in Wembley gegen England, Netzer und Beckenbauer beim 3:1 auf dem sportlichen Höhepunkt ihrer Karriere im besten Länderspiel der DFB-Geschichte; Willy Brandt überstand das Misstrauensvotum der CDU/CSU-Fraktion, unser Überleben und der Frieden in Mitteleuropa wurde über Jahrzehnte gesichert. Die darauf folgende Bundestagswahl im Herbst des gleichen Jahres hatte die höchste Wahlbeteiligung in der Geschichte unserer Republik.
Aus dem Hauptbahnhof heraus liefen wir direkt vor einen Bretterzaun, so wie heute. Damals wurde das Loch gebaggert, für die U-Bahn, und für das Loch von heute. Eine der grössten Bausünden in der Stadtgeschichte wurde gerade begangen. Jetzt, 45 Jahre später, ist die Südüberbauung weg. Ein kommunikatives Kunstwerk, Weiterlesen

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